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Bei Zimmerpflanzen ist meist offen, ob sie fair gehandelt wurden. Bild: shutterstock

Kommentar

Wenn schon Fairtrade, dann bitte auch bei Pflanzen

Beim Kauf von Zimmerpflanzen fällt auf, dass Labels für Nachhaltigkeit fehlen. Die Lösung liegt in greifbarer Nähe.



Zimmerpflanzen sind etwas Grossartiges. Es ist extrem befriedigend, wenn die Grünlinge unter der eigenen Hand gedeihen und nicht abserbeln. Allerdings fehlen beim Einkaufen wichtige Informationen hinsichtlich Nachhaltigkeit.

Fair Fashion, Fair Food – Fair Plants?

Bei Lebensmitteln sieht das anders aus. «Direct Trade»-Kaffee kommt ohne Zwischenhändler in den Laden. Bei Kleidern ist zum Teil sogar die Herkunft des Hosenknopfes angegeben. Labels wie Fairtrade oder Bio weisen bei diesen Produkten fairen und nachhaltigen Handel nach.

Solche Labels gibt es für Zimmerpflanzen kaum. Konsumentinnen oder Konsumenten suchen vergeblich nach entsprechenden Nachweisen. Man weiss nicht, woher die Pflanze ursprünglich kommt, ob sie fair gehandelt wurde, ob die Erde Torf enthält oder ob zur Aufzucht Pestizide verwendet wurden.

Die Herkunft spielt eine besondere Rolle: Wenn Pflanzen nicht in Europa produziert wurden, kommen sie häufig als Steckling aus Lateinamerika, Asien oder Afrika hierher. So profitiert der globale Norden auch in diesem Bereich von den billigen Arbeitskräften, den niedrigen Umweltstandards und dem Artenreichtum von früheren Kolonialgebieten.

Dabei liegt ein Lösungsansatz in greifbarer Nähe: In der Schweiz sind seit dem 1. Januar 2020 alle Pflanzen passpflichtig. Das gleiche Gesetz gilt im ganzen EU-Raum. Sobald eine Pflanze europäischen Boden erreicht, erhält sie eine Passnummer. Ab dem Moment wird jede Station festgehalten: Vom Transportunternehmen zum Züchter, über Logistikplattformen und Produktionsbetriebe bis sie schlussendlich der Endkonsument kaufen kann.

Allerdings sieht man als Konsument diese Passnummer kaum. Häufig ist sie auf der Verpackung oder der Lieferpalette angebracht. Der Möbelverkäufer IKEA geht mit gutem Beispiel voran und integriert den Pass in das Verkaufsetikett.

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«D» ist das Herkunftsland. Unter «B» steht der Sitz der Firma, die den Pass angemeldet hat. Bild: ikea

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Bei vereinzelten Pflanzen in der Migros steht der Pass auf dem Aufkleber. Allerdings nicht bei allen. Bild: vanessa hann

Mit der Zahl und dem Länderkürzel alleine kann man als Konsument allerdings wenig anfangen. Denn das vermerkte Land ist lediglich die letzte Station, bevor die Pflanze in die Schweiz kommt. Es bräuchte ein Tool, über das man die Passnummer einlesen und die Handelskette nachverfolgen könnte.

Wenn der Pass für den Endkonsumenten ersichtlich ist, würde es zudem Sinn machen, eine Anzeigepflicht von Pestizideinsatz und Torfanteil einzuführen. Torf, ein organisches Sediment, wird häufig unter die Pflanzenerde gemischt. Für die Gewinnung davon werden Moorgebiete ausgetrocknet, was Lebensräume für Flora und Fauna zerstört. In der Schweiz ist das Torfstechen deshalb seit 1987 verboten.

Mithilfe von Pass-System und Anzeigepflicht können sich Konsumentinnen und Konsumenten informieren. Dann kann jeder selbst entscheiden, ob man eine Pflanze kaufen will oder nicht.

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