USA
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Affäre beigelegt: Novartis bezahlt 678 Millionen Dollar an US-Ärzte

Der Rechtsstreit dauerte fast zehn Jahre und beschäftigte eine Heerschar von Juristen. Am Mittwoch nun hat sich das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis in der Affäre, die sich um Schmiergeldzahlungen an Ärzte drehte, aussergerichtlich mit den amerikanischen Ermittlungsbehörden geeinigt. Kostenpunkt: 678 Millionen Dollar.

Renzo Ruf, Washington / ch media



Am Anfang stand ein Vertriebsmitarbeiter. Oswald Bilotta, Angestellter der amerikanischen Novartis-Tochter mit Wohnort Long Island (New York), reichte Anfang 2011 vor Bundesgericht in New York City eine Zivilklage gegen das Pharmaunternehmen ein. Der happige Vorwurf: Sein Arbeitgeber habe jahrelang Schmiergelder an amerikanische Ärzte bezahlt, damit diese Herz-Kreislauf-Medikamente aus dem Hause Novartis verschrieben. Die Bestechungsgelder seien unter dem Deckmantel einer Vortragsserie und anderen Informationsveranstaltungen geflossen.

epa04178082 (FILE) A file picture dated 12 August 2005 shows the Logo of Swiss pharmaceutical company Novartis pictured in Basel, Switzerland. Swiss medicine maker Novartis said 24 April 2014 its net profit rose 24 per cent to 3 billion dollars in the first quarter, mainly fuelled by the sale of its blood transfusion business. The selling of the blood transfusion diagnostics unit to Spain-based Grifols added 900 million dollars to the earnings. Novartis announced this week that it would further streamline its company by swapping its vaccine operations with GlaxoSmithKline's cancer drug business in a multi-billion-dollar deal. Revenues rose by only 1 per cent due to a weakening of the yen and currencies in emerging markets.  EPA/STEFFEN SCHMIDT *** Local Caption *** 02005796

Das Pharmaunternehmen Novartis einigte sich aussergerichtlich mit den US-Ermittlungsbehörden. Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Im Sommer 2013 schaltete sich der damalige New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara in die Whistleblower-Affäre ein, mit der Begründung, dass einer der Leidtragenden die staatliche Krankenkasse für Militär-Veteranen («Tricare») gewesen sei. Bharara nannte Novartis mit Verweis auf ähnliche Vorwürfe eine Wiederholungstäterin.

700 Millionen Dollar Rückstellungen

Der Pharma-Konzern liess sich aber durch den aggressiv auftretenden Ermittler nicht einschüchtern. Und es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, in dem giftig formulierte Briefe, Verfahrensanträge und Beweisstücke ausgetauscht wurden.

Als im Frühjahr 2019 aber der Beginn des Prozesses vor Bundesgericht in Manhattan näher rückte, gab Novartis plötzlich klein bei und willigte in Vergleichsverhandlungen ein. Im Juli 2019 nahm das Unternehmen eine Rückstellung in der Höhe von 700 Millionen Dollar vor – deutlich weniger als die 3.4 Milliarden Dollar, die von der New Yorker Staatsanwaltschaft gefordert worden waren.

Für Novartis scheint sich der Rechtsstreit nun gelohnt zu haben. Am Mittwoch willigte das Unternehmen in die Zahlung von insgesamt 678 Millionen Dollar ein. Seine Firma habe sich einer Altlast entledigen und einen Schlussstrich unter eine alte Epoche ziehen wollen, sagte Konzernchef Vas Narasimhan sinngemäss. Heute jedenfalls sei Novartis «ein anderes Unternehmen», und seine Firma versuche, das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen, wird Narasimhan in einer Pressemitteilung zitiert. So will sich Novartis in ein «Corporate Integrity Agreement» ein, und will sich besser auf die Finger schauen lassen. (Am Mittwoch beendete Novartis gegen die Bezahlung von 51.3 Millionen Dollar auch ein Verfahren in Massachusetts.)

Ärzte, die auf Kosten von Novartis teuren Wein tranken

Der Vergleich, der gleichentags von Bundesrichter Paul Gardephe genehmigt wurde, zeigt noch einmal auf, wie Novartis von 2002 bis 2001 «Hunderte von Millionen Dollar» an Bestechungsgeldern an Ärzte verteilte, wie die die kommissarisch amtierende Staatsanwältin Audrey Strauss, im Amt seit vorigem Monat, in einer Pressemitteilung zitiert wird.

So organisierte Novartis in teuren Restaurants wie der Gramercy Tavern in New York oder dem Charlie Palmer Steak in Washington Vortragsabende, während denen die Firma pro Person mehrere Hundert Dollar für Essen und Trinken ausgab. Ärzte hätten jeweils teure Weine bestellt und übermässig Alkohol konsumiert, heisst es in den Gerichtsunterlagen.

Und bei einigen der Vorträge habe es sich bloss um die Präsentation einiger Dias gehandelt; Novartis habe aber selbst für schludrige Darbietungen ein Honorar von 1000 Dollar überwiesen.

Für Oswald Bilotta wird sich das aufwändige Verfahren wohl auch auszahlen. Dem Whistleblower stehen gemäss amerikanischem Recht 15 bis 30 Prozent der Entschädigungssumme zu, die Novartis an die Staatskasse überweisen muss, wie sein Anwalt Eric Young von der Kanzlei McEldrew Young Purtell in Philadelphia vorrechnet. Im besten Fall könnte Bilotta also mit bis zu 200 Millionen Dollar entschädigt werden.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Und jetzt: Medikamente neu interpretiert von Zukkihund

Koala besucht Apotheke, kauft aber keine Medikamente

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • De-Saint-Ex 03.07.2020 08:50
    Highlight Highlight „einen Schlussstrich unter eine alte Epoche ziehen...“
    Türlich!
  • Rene Tinner 03.07.2020 08:03
    Highlight Highlight Es ist doch himmeltraurig, wie sich solche Gaunerfirmen aus der Verantwortung stehlen. Novartis zahlt das Geld aus dem Portokässeli und schmunzelt über die Milliarden, welche sie dank Bestechung und Korruption ihren Aktionären ausbezahlen können. Diese Strafen haben Patienten mit zu teuren Preisen übernommen. Genau gleich wie bei den Banken. Es ist erschreckend, mit welcher Leichtigkeit diese Strafen bezahlt werden (UBS wurde vom Staat gerettet). Aber in der Schweiz gibt es keien Korruption. wir sind nur gut vernetzt und haben gute Verbindungen, heile Schweiz.
  • benn 03.07.2020 07:27
    Highlight Highlight Bezahlen für betrug anstatt Knast, Geld regiert die Welt! Eigentlich hätte doch einer der sogenannten top manager in den Knast gehört, sie sagen doch das sie so viel Geld verdienen weil sie so viel Verantwortung tragen!
  • Jonas der doofe 02.07.2020 08:44
    Highlight Highlight Ja ehhhh, piece of cake. Läppische 700 mio bezahlen, aber eigentlich hat man Milliarden damit verdient. Läuft bei denen...

Zahlen zum Coronavirus in der Schweiz und der internationale Vergleich

Während sich die Lage in der Schweiz wieder etwas beruhigt, nimmt die Verbreitung des Virus international weiter zu. Alle relevanten Zahlen auf einen Blick.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Am 24. Februar 2020 fiel der erste Test in der Schweiz positiv aus: Eine Person im Tessin hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Die meisten neuen Fälle an einem Tag gab es bisher am 27. März mit 1390 Meldungen. So hat sich die Kurve in der Schweiz seit Beginn entwickelt:

In der Schweiz scheint das Coronavirus aktuell unter Kontrolle zu sein. In diversen Kantonen wurden in den letzten zwei Wochen keine neuen Infektionen mehr gemeldet.

Bisher am …

Artikel lesen
Link zum Artikel