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Yonnihof

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte ... Was würd' ich tun, was würd' ich tun?

Bild: shutterstock

Ein Gedankenexperiment.



Kürzlich hatte ich einen Moment, in dem ich mich selbst hätte schütteln können. Ich regte mich unsäglich darüber auf, dass ich die Farbe meiner soeben lackierten Nägel an meinen neuen Mantel geschmiert hatte.  

Boohoo. Muesch halt ufpasse! Kännsch Nagellaggentferner? Chill’s mal.

Natürlich ist das ein überzeichnetes Extrembeispiel. Aber kennen Sie das? Wenn Sie sich selbst dabei ertappen, wie Sie sich komplett nichtige, blödsinnige Gedanken machen? An Dingen rumstudieren, die Ihre Aufmerksamkeit nicht einmal im Ansatz verdienen? Wenn Sie Opfer Ihrer eigenen Erstweltprobleme werden? Online-Kommentardebatten? Verpasstes Tram? Terminstress? Herbstblues? Fällige Steuererklärung? Alles so mühsam?  

Also ich schon. Immer wieder. Und ich mag das überhaupt nicht.  

In solchen Momenten ist es Zeit für einen Gehirn-Reboot, ein kleines Gedankenexperiment. Und was mir dabei immer wieder hilft, ist mich zu fragen, was ich täte, wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte.  

homer's last day

Bild: rbrn.com

Ja, der Gedanke an unsere Vergänglichkeit rückt vieles im Leben wieder in seine Relationen, macht das Nichtige nichtig und das Wichtige wichtig. Aber anstatt an der Frage zu verzweifeln, wieso wir das hier eigentlich alles machen, wenn wir ja eh sterben (wichtig: Ich beschreibe dies aus meiner persönlichen, agnostischen Perspektive und bin mir bewusst und respektiere, dass das durch die Augen einer gläubigen/religiösen Person anders ausschaut), finde ich es fast zentraler, mir bewusst zu werden, was meinen Weg zum Ziel macht, mir also selbst in Erinnerung zu rufen, was mein Leben gut und lebenswert macht, auch wenn ich weiss, dass es einst vergeht. Solche Fragen finde ich enorm wichtig, sie haben mir schon öfter aus Krisen geholfen und mich runtergeholt, wenn ich mich in meinem Hirn vom Hundertsten ins Tausendste steigerte – und: Ich finde es immer bereichernd, die Antworten anderer Menschen darauf zu erfahren.  

Ich würde mich deshalb heute einmal über aktive Partizipation Ihrerseits freuen, liebe Leserinnen und liebe Leser. Was täten Sie, wenn Sie nur noch einen Tag zu leben hätten? Was ist Ihnen am wichtigsten im Leben? Und worauf würden Sie verzichten?  

Mein Tag sähe folgendermassen aus:  

Ich würde neben (m)einem geliebten Menschen erwachen, gemeinsam im Bett liegen bleiben und ihm einfach nah sein wollen. Ja, «nah Sein» in all seinen Formen, if you know what I mean. Zum Frühstück würde ich einen «strammen Max» wollen (und nein, das ist keine Form des eben erwähnten «nah Seins», auch wenns so klingt), zubereitet von meinem geliebten Stiefvater Hampi (bester Stiefvater ever), so, wie er ihn jeweils am Sonntagmorgen für mich gemacht hat, als ich noch Kind/Jugendliche war. Obwohl, der «stramme Max» hätte grosse Konkurrenz, nämlich vom Zopf meiner Mama. Was es gäbe, wäre eigentlich gar nicht so wichtig. Wichtig wären die Menschen, ein Familienzmorge, gefolgt von einem Vierercoiffeur – ja, ich mag Jassen, da jubelt meine Schweizerseele.

Am Nachmittag würde ich mir gerne ein Konzert anhören, am liebsten mit meinem Bruder, dazu eine Flasche Champagner köpfen und Zweifel Paprika-Chips essen (no sponsoring, das sind einfach die besten). Im Anschluss würde ich in ein Tierheim fahren und eine Stunde mit einem riesigen Haufen Hunde spielen (nicht zu verwechseln mit «mit einem riesigen Hundehaufen spielen»).

Und am Abend würde ich eine Fete steigen lassen. Und was für eine. Am liebsten draussen, unter einem grossen Baum mit Lampions in den Ästen, einem Grill, einer Band und allen meinen Liebsten. Dass es mein letzter Tag ist, würde ich ihnen nicht verraten. Stattdessen würde ich ihnen sagen, wie gern ich sie habe, wie dankbar ich ihnen bin und in welcher Form sie mein Leben besser gemacht haben.  

Und da haben wir das, was wirklich wichtig ist: Familie, Freunde, Liebste. Nicht vorgekommen sind: Rache, Missgunst, Nagellack. Dagegen: Zusammensein, Dankbarkeit, Demut – zu erkennen, zu vermitteln und umzusetzen. Klingt alles logisch, und trotzdem vergesse ich es immer wieder. Und dass ich nicht nur einen Tag, sondern noch den ganzen Rest meines Lebens zur Verfügung habe, diese Werte zu leben, ist ja eigentlich das Allerfantastischste an dieser Geschichte.

Und Sie so?

P.S. Ich weiss, dass Sie's wollen, also voilà:

Basis: Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte (1997)

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Yonni Meyer

Yonni Meyer (35) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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