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Apple-Chef Tim Cook musste diese Woche im App-Store-Prozess vor Gericht aussagen.
Apple-Chef Tim Cook musste diese Woche im App-Store-Prozess vor Gericht aussagen.
Bild: keystone

Richterin nimmt Apple-Chef mit unbequemen Fragen in die Mangel

Im Prozess des «Fortnite»-Herstellers Epic Games gegen Apple ist Tim Cook in den Zeugenstand gerufen worden. Vor Gericht musste sich der Apple-Chef zahlreichen unbequemen Fragen stellen.
23.05.2021, 10:52

Im wegweisenden App-Store-Prozess zwischen Apple und der Spielefirma Epic Games hat die zuständige Richterin Zweifel an Apples Geschäftsmodells erkennen lassen. «Es scheint, dass Sie keinem Druck oder Wettbewerb ausgesetzt sind, der Sie zwingen würde, auf die Einwände von App-Entwicklern einzugehen», sagte Richterin Yvonne Gonzalez Rogers etwa.

Unter anderem hinterfragte sie während der Aussage von Apple-Konzernchef Tim Cook die Regel, dass App- und Game-Entwickler die Nutzerinnen und Nutzer nicht darauf hinweisen dürfen, dass es ihre digitalen Produkte ausserhalb des App Stores günstiger zu kaufen gäbe. Im App Store müssen die Entwicklerfirmen bisher 15, bzw. 30 Prozent ihrer Verkaufserlöse an Apple abgeben.

Auch warf die Richterin die Frage auf, ob es gerechtfertigt ist, dass Apple fortlaufend eine Gebühr auf die Abo-Einnahmen von Entwicklern kassiert. Cook begründete dieses Vorgehen damit, dass Apple sein geistiges Eigentum schützen müsse.

Gonzales Rogers machte klar, dass sie Zweifel daran hegt, dass Apples Einführung einer auf 15 Prozent reduzierten Gebühr für Entwickler, die weniger als eine Million Dollar Umsatz pro Jahr über den App Store generieren, aus Wettbewerbsgründen erfolgt sei: «Das schien eine Folge des Drucks zu sein, den Sie durch Untersuchungen, durch Gerichtsverfahren und nicht durch den Wettbewerb spüren», so die Richterin.

Cook argumentierte, man wolle so kleineren Firmen in der Coronakrise helfen. Die Richterin konterte, dass es somit nicht der Druck des Wettbewerbs gewesen sei. Cook antwortete, es sei sehr wohl Wettbewerb gewesen, da Google in gewissen Fällen ebenfalls die Gebühr in seinem Play Store für Android auf 15 Prozent gesenkt habe.

Die Richterin nahm Cook weiter in die Zange und sprach eine Umfrage an, gemäss der 39 Prozent der befragten Entwickler entweder sehr unzufrieden oder etwas unzufrieden mit der Zusammenarbeit mit Apple seien. Cook antwortete, das liege wohl daran, dass Apple rund 40 Prozent der im App Store eingereichten Apps ablehne.

Cook verteidigte Apples Vorgehen

Cook verteidigte das Geschäftsmodell und die Regeln im App Store. Apple gehe einen hohen Aufwand für den Betrieb der App-Plattform ein – und finanziere das mit der Abgabe von 15 oder 30 Prozent vom Preis digitaler Artikel und Abos.

Cook sagte zugleich, Apple errechne nicht, ob der App Store mit Profit arbeite – aber er habe das «Gefühl», dass dies so sei. Der App Store ermöglichte 2019 weltweit Umsätze und Verkäufe in Höhe von 519 Milliarden US-Dollar, davon belief sich der Umsatz mit digitalen Gütern und Services auf 61 Milliarden US-Dollar. Diese Kategorie umfasst Apps für Musik- und Video-Streaming, Dating-Dienste, Fitness, E-Books etc. Ein Grossteil der digitalen Umsätze machen Games aus.

Epic Games erhebt in seinem Games Store für Windows und macOS eine Gebühr von 12 Prozent. Auch Microsoft hat angekündigt, die Gebühren im Microsoft Store für Windows von 30 auf 12 Prozent zu reduzieren.

Die Position der Richterin Gonzalez Rogers hat zentrale Bedeutung, denn der Prozess wird ohne Geschworene von ihr allein entschieden. Gonzales Rogers sagte zudem, sie hoffe, bis Mitte August ein Urteil fällen zu können. Zugleich sagte die kalifornische Richterin, dass sie mit einer Berufung nach ihrer Entscheidung rechne. Während des Verfahrens hatte sie auch kritische Fragen an die Epic-Seite.

Darum geht's im Streit zwischen Apple und Epic​

Epic Games, die Firma hinter dem populären Spiel «Fortnite» und wichtiger Software wie der Unreal Engine für andere Game-Produzenten, will einen eigenen App Store für Games auf dem iPhone betreiben und Apple nicht mehr die Abgabe von 30 Prozent für Einnahmen aus dem Verkauf digitaler Artikel zahlen. Apple verteidigt das aktuelle System, bei dem Anwendungen nur über den App Store des Konzerns geladen werden können. Cook bekräftigte die Warnung, dass mehrere App Stores zuzulassen und die Kontrollen zu lockern «schreckliche» Folgen für die Nutzer haben würde. Laut Apple ist das System nötig, um Nutzer vor Betrug und Software-Fehlern zu schützen.

Epic war auf diese Argumentation vorbereitet: Während des Prozesses musste Apple E-Mails publik machen, die zeigen sollen, dass 2015 bei einem grossen Malware-Angriff mehrere tausend gefährliche Apps in den App Store gelangten. Diese wurden weltweit von 128 Millionen iOS-Usern heruntergeladen.

Epic machte im Prozess darauf aufmerksam, dass es bei Apples macOS keinen App-Store-Zwang gebe und das Mac-System von Apple jahrelang als sicher angepriesen worden sei. Ein Apple-Manager gab darauf vor Gericht zu Protokoll, der Mac habe ein «inakzeptables Malware-Problem».

Der Streit zwischen Apple und Epic entbrannte im letzten August. Epic wollte sich nicht mehr an die seit mehr als einem Jahrzehnt geltende Vorgabe halten, dass virtuelle Artikel in seinem populären Spiel «Fortnite» auf iPhones nur über das System der In-App-Käufe von Apple angeboten werden können.

Deshalb schmuggelte Epic einen eigenen Kaufmechanismus in der iPhone-App an Apples Prüfern vorbei und aktivierte ihn. Epic führte so auch vor, dass Apples Schutzmechanismen ausgehebelt werden können. Apple warf das Spiel «Fortnite» daraufhin aus dem Store. Epic wiederum hatte darauf spekuliert und zog vor Gericht.

In der Klage wirft Epic Apple ein App-Store-Monopol auf iOS vor. Epic konzentriert sich auf Apple, da Rivale Google auf Android-Geräten alternative App Stores erlaubt. So betreiben etwa Geräte-Hersteller wie Samsung, Huawei oder Xiaomi eigene App-Stores, die vor allem in Asien populär sind.

Epic kann sich den kalkulierten Rausschmiss von «Fortnite» in Apples App Store und Googles Play Store leisten, da das Spiel auf dem PC und den Konsolen weit mehr Profit abwirft. Laut Gerichtsdokumenten stammen 46,8 Prozent der Einnahmen von der Playstation-Version, die iOS-Version macht rund sieben Prozent aus, die Android-Version noch weniger.

Epic erhält Schützenhilfe von Microsoft

Als Epic den Streit um die Gebühren im August eskalieren liess, verbannte Apple nicht nur «Fortnite», sondern wollte auch Epics Entwickler-Tool, die populäre Unreal Engine, von seiner Entwickler-Plattform entfernen. Damit wäre die für die Spiele-Produzenten wichtige Entwicklungs-Umgebung Unreal Engine auf Apple-Geräten nicht mehr zugänglich gewesen. Epics kostenlose Entwicklungs-Software wird von zahlreichen Game-Studios genutzt, um ihre PC- oder Konsolen-Spiele auf iOS zu portieren. Davon betroffen gewesen wären Giganten wie Microsoft, aber auch kleine Indie-Studios. Richterin Gonzalez Rogers entschied Ende August, dass Apple Epic den Zugang zur Unreal Engine auf iOS nicht sperren darf, der «Fortnite»-Bann blieb aber aufrecht.

Microsoft hatte damals eine Erklärung eingereicht, in der das Unternehmen Apples Vorgehen gegen Epic, konkret die Blockade der Unreal Engine, verurteilte. Apple hat mit Xcode eine eigene Entwicklungs-Software, die aber als technisch unterlegen gilt und weit weniger verbreitet ist.

Weiter schrieb Microsoft: «Windows 10 ist eine offene Plattform. Im Gegensatz zu einigen anderen populären Plattformen steht es Entwicklern frei, wie sie ihre Apps verbreiten wollen.» Wenn App-Entwickler Alternativen zu In-App-Käufen anbieten, werde man diese Apps im eigenen Store nicht ausschliessen. Auch im Prozess schlug sich Microsoft auf Epics Seite. Ein Grund dafür könnte sein, dass Apple Microsofts neue Gamestreaming-App xCloud nicht im App Store duldet. Google hat Microsofts Gamestreaming-Dienst auf Android nicht blockiert.

Der Ausgang des Verfahrens könnte beeinflussen, wie die Einnahmen aus den App-Stores von Apple, Google, Microsoft und anderen Firmen künftig zwischen den Store-Betreibern und den Entwicklern verteilt werden. Verliert Apple den Prozess, dürfte dies auch für die anderen Store-Betreiber weitgehende Konsequenzen haben.

Fast alle App-Store-Anbieter, auch Valve, Sony oder Nintendo, erheben Gebühren von 30 Prozent. Unabhängig vom Ausgang hat der Kartellstreit schon jetzt bewirkt, dass die seit Jahren starren Gebühren unter Druck geraten.

(oli/sda/dpa)

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