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Nach dem Brand eines alten VW Golf mit Verbrennungsmotor ist die Tiefgarage für Elektroautos gesperrt 🤔 bild: Feuerwehr Kulmbach

Erste Parkhäuser in Deutschland verbieten E-Autos – das steckt dahinter

Keine Zufahrt fürs Elektroauto: Ein Parkhaus in Kulmbach (Bayern) verwehrt Elektroautos die Zufahrt. Es ist nicht das erste. Was steckt dahinter?

Markus Abrahamczyk / t-online



Ein Artikel von

T-Online

200'000 Euro Schaden und eine monatelange Sanierung: So lautet die Bilanz eines Brands in einem deutschen Parkhaus. Im vergangenen September ging in Kulmbach (Bayern) ein Auto in Flammen auf. Nun öffnet das Parkhaus wieder seine Schranken – allerdings nicht für Autos mit einem Elektro- oder Hybridantrieb. Für sie gilt jetzt ein Einfahrverbot.

Interessant: Das Auto, das Feuer fing, hatte einen herkömmlichen Verbrennungsmotor und nicht etwa einen Elektro- oder Hybridantrieb.

300 Kilometer weiter, im schwäbischen Leonberg nahe Stuttgart: Auch im Parkhaus Altstadt, «der beste Ausgangspunkt für einen Besuch in unserer historischen Altstadt» (Stadt Leonberg), sind alternative Antriebe nicht mehr willkommen. «Aus brandschutzrechtlichen Gründen ist momentan die Zufahrt ins Parkhaus Altstadt für E- und Hybridfahrzeuge nicht gestattet», lautet die Erklärung.

Der Grund für das Verbot

Brandschutzrechtliche Gründe – das wirft Fragen auf und scheint Skeptiker zu bestätigen. Ist der E-Antrieb also ein rollender Molotow-Cocktail?

E-Autos brennen nicht häufiger als Benziner, aber ein brennendes Elektroauto gilt als etwas schwieriger löschbar. Entflammte Akkus entwickeln eine enorme Hitze, ausserdem können giftige Dämpfe austreten. Teilweise können sich bereits gekühlte Batterien über Tage hinweg immer wieder neu entzünden. Zum Kühlen der Batterie wird mehr Wasser benötigt – oder Spezialgerät wie ein riesiger Wassercontainer, so gross wie ein Lkw, in dem die Feuerwehr das brennende Elektroauto komplett versenkt. Beides ist in einem engen Parkhaus denkbar ungünstig. Deshalb könnte es zu einem unkontrollierbaren Brand mit nicht nicht absehbaren Folgen kommen, lautet die Befürchtung.

Wie gefährlich ist der Brand eines E-Autos?

Diese Befürchtung bedeutet allerdings kein generell höheres Risiko durch moderne Elektroautos – auch wenn die Bilder ihrer ausgebrannten Wracks besonders spektakulär sind.

Denn trotz dieser beängstigenden Aufnahmen sagen die Experten der deutschen Prüfgesellschaft Dekra: Die Gefahr ist nicht grösser als beim Verbrenner. Das habe sich bei vergleichenden Tests mit Brand- und Löschversuchen gezeigt.

«Beim Brand eines E-Fahrzeugs ist kein anderes Vorgehen als beim Brand eines Fahrzeugs mit herkömmlichem Antrieb notwendig. Es wird jedoch mehr Löschwasser benötigt.»

Jan Bauke, Ausbildungschef und Stellvertretender Kommandant Feuerwehr bei Schutz & Rettung Zürich
bluewin

Zwar könne die Batterie eines E-Autos tatsächlich in Flammen aufgehen, wenn das Auto in eine heftige Kollision verwickelt wird. Aber: Die Gefahr, dass sich ein solcher Brand schnell auf das gesamte Fahrzeug ausbreitet, sei bei einem E-Auto geringer als bei Diesel- und Benzin-Autos. Denn beim E-Auto können keine grossen Mengen brennbarer Flüssigkeiten austreten und zum raschen Übergreifen der Flammen auf weitere Bereiche führen.

Crashtests zeigen: Moderne Hochvoltbatterien in E-Autos sind äusserst stabil

Bei einem Aufprall wird die Hochvoltbatterie sofort vom Bordnetz getrennt.

Natürlich sind die Rauchgase, die beim Brand eines E-Autos freigesetzt werden, stark gesundheitsschädlich – das gilt aber für jedes andere brennende Auto auch.

«Elektroautos brennen nicht häufiger als konventionelle Fahrzeuge.»

Jan Bauke, Experte von Schutz & Rettung Zürich zurich

Auch die Gefahr der Selbstentzündung des Akkus ist gemäss Experten bei modernen E-Autos kaum gegeben: Die Auto-Batterien unterscheiden sich in ihrem Aufbau grundsätzlich von Akkus in Smartphones.

Der Deutsche Feuerwehr-Verband (DFV) sieht für ein generelles Parkverbot von Elektroautos in Tiefgaragen keinen Anlass. Auch das Laden sei unproblematisch. Ein Brand-Test der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA legt ebenfalls kein Verbot für Elektroautos in Tiefgaragen nahe.

Allerdings benötigt die Feuerwehr tatsächlich Spezialgerät und eine entsprechende Schulung. Hier sehen Fachleute noch Nachholbedarf. Und dann dürfte auch für E-Autos die Parkhaus-Schranke wieder hochgehen. Ein Grund, sich gegen einen sauberen Antrieb zu entscheiden, sollten einzelne Verbote – zumal befristete – jedenfalls nicht sein.

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