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New York Central Park für Dennis

Stadtrat kündigt an: In New York müssen Leichen bald in Parks begraben werden



Wäre der US-Bundesstaat New York ein Land, so wäre er mit Italien und Spanien ganz oben auf der Rangliste der Nationen mit den meisten bestätigten Corona-Fällen.

Rund 130'000 sind es, Stand Montagabend. Knapp 4800 Menschen sind dem Virus bislang erlegen. Das stellt die Stadt New York vor ein Problem, denn sie weiss nicht mehr wohin mit all den Verstorbenen.

In den Leichenhallen der Krankenhäuser gibt es schon lange keinen Platz mehr. Also wurden kurzerhand Kühllastwagen zu mobilen Leichenhallen umfunktioniert und vor die Spitäler gestellt. Doch auch die «Toten-Trucks» scheinen bald an ihre Kapazitätsgrenzen zu stossen.

epa08341664 Refrigeration trucks are lined up near the offices of the New York Chief Medical Examiner to serve as an expanded morgue as the city tries to prepare for the large number of people who are expected to die from in the coronavirus pandemic in New York, New York, USA, on 03 April 2020. New York City is still considered the epicenter of the coronavirus outbreak in the United States and hospital workers dealing with Covid-19 patients are struggling with a limited supply of protective equipment.  EPA/JUSTIN LANE

Eine Reihe Kühllaster vor einem New Yorker Spital. Bild: EPA

Das sagt zumindest Mark Levine. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Stadtrates von New York City schlägt in einer Reihe von Tweets Alarm. Er warnt die Bevölkerung, dass nicht nur die Spitäler, sondern auch die Leichenhallen, Bestattungsunternehmen und Friedhöfe am Anschlag sind.

Sinke die Totenzahl nicht sehr bald, müsse man «temporäre Beerdigungen» einführen. Dafür müssten in einem Park in New York City Gräber ausgehoben werden.

Mark Levines Stellungnahme veranschaulicht die aktuelle Situation in New York sehr gut, deshalb haben wir uns dazu entschieden, sie im Wortlaut zu übersetzen. Das Original findest du mit einem Klick auf den Tweet.

Das Gesundheitssystem von New York City wird bis an die Grenzen des Möglichen belastet. Und traurigerweise ist das System für den Umgang mit unseren Toten jetzt auch an seine Grenzen gestossen. Auch dieses System braucht mehr Ressourcen.

All dies hat grosse Auswirkungen auf trauernde Familien. Und auf uns alle.

Das «städtische Leichenschauhaus» von NYC ist das Departement «Office of Chief Medical Examiner» (OCME), das glücklicherweise eines der Besten der Welt ist.

Aber nun haben sie es mit dem Äquivalent eines immer fortwährenden 11. Septembers zu tun. Genauso wie die Leichenhallen, Bestattungsunternehmen und Friedhöfe.

Eine typische Leichenhalle eines Krankenhauses hat eine Kapazität von 15 Verstorbenen. Sie sind mittlerweile alle voll. Deshalb wurden 80 Kühlanhänger an Spitäler in der ganzen Stadt verschickt. Jeder Anhänger kann 100 Leichen aufnehmen. Doch auch die Anhänger sind nun grösstenteils voll. Einige Krankenhäuser mussten einen zweiten oder sogar einen dritten Anhänger hinzufügen.

Trauernde Familien berichten, dass sie bis zu einem halben Dutzend Bestattungsunternehmen angerufen und keines gefunden haben, dass sich um die verstorbenen Angehörigen kümmern kann.

Friedhöfe sind nicht mehr in der Lage, die Anzahl der Beerdigungsanfragen zu bewältigen und lehnen deswegen die meisten ab.

Es sind nicht nur die Todesfälle in den Krankenhäusern, die auf dem Vormarsch sind. An einem durchschnittlichen Tag vor dieser Krise gab es in NYC 20 bis 25 Todesfälle, die in den eigenen vier Wänden stattfanden. Jetzt, inmitten dieser Pandemie, liegt diese Zahl bei 200 bis 215. Jeden Tag.

Zu Beginn dieser Krise konnten wir Abstriche von Menschen machen, die zu Hause gestorben sind, und erhielten so einen Coronavirus-Befund. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Wir haben einfach nicht die Testkapazität für die immense Zahl von Sterbenden, die zu Hause umkommen.

Jetzt werden nur noch die wenigen, die eine Testbestätigung vor ihrem Tod hatten, auf ihrem Totenschein als Opfer des Coronavirus ausgewiesen. Dies bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass wir die Gesamtzahl der Opfer dieser Pandemie unterschätzen.

Und dennoch nimmt die Zahl der Leichen weiter zu. Die Gefriertruhen in den OCME-Einrichtungen in Manhattan und Brooklyn werden bald voll sein. Und was dann?

Bald werden wir mit «temporären Beerdigungen» beginnen. Dafür werden wir einen Park in New York für Beerdigungen brauchen (ja, das hast du richtig gelesen). Es werden Gräben für 10 Särge in einer Reihe gegraben.

Dies wird in einer würdevollen, geordneten und vorübergehenden Weise geschehen. Aber es wird für die New Yorker schwer zu ertragen sein.

Ziel ist es, Szenen wie in Italien zu vermeiden, wo das Militär gezwungen war, Leichen aus Kirchen und sogar von der Strasse abzuholen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird das OCME viel mehr Personal benötigen.

Glücklicherweise haben das Verteidigungsministerium und die Nationalgarde von New York bereits Teams entsandt, und freiwillige medizinische Gutachter sind aus dem ganzen Land gekommen. Aber wir werden noch viel mehr Hilfe brauchen, wenn wir eine Katastrophe vermeiden wollen.

Da New York City weiterhin die Regierung um Hilfe bittet, müssen wir nicht nur Ärzte und Krankenschwestern und Lungenspezialisten anfordern. Wir brauchen auch Personal für die Leichenhallen. Es ist schwierig, darüber zu sprechen und vielleicht auch schwierig, darum zu bitten. Aber wir haben keine Wahl. Es steht zu viel auf dem Spiel.

Zur Zusammenfassung: Nichts ist in dieser Krise wichtiger, als die Lebenden zu retten. Aber wir müssen uns der schrecklichen Realität stellen, dass wir mehr Ressourcen benötigen, um auch unsere Toten zu betreuen. Andernfalls wird sich der Schmerz dieser Krise um ein vielfaches verschlimmern.

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • crik 07.04.2020 05:52
    Highlight Highlight "...which luckily is the best in the world."

    übersetzt ihr mit

    "...das glücklicherweise eines der Besten der Welt ist."

    Da seid ihr aber lieb ;)
  • Thomas G. 06.04.2020 23:56
    Highlight Highlight Köppel meint: alles kein Problem. Die New Yorker wissen nur nicht dass an einer normalen Grippewelle viel mehr Leute versterben. Der Köppel hat dazu sogar eigene Grafiken erstellt die das zweifelsfrei beweisen. Hätten die New Yorker mal besser auf Köppel gehört, sie wüssten nicht mal dass es Covid19 gibt. So etwa begründet er dass es Zeit sei die Massnahmen in der Schweiz zu lockern. PS Köppel Roger von der Weltwoche, SVP Nationalrat ZH, siehe Twitter und Youtube. PS Das ist nicht meine Meinung. Ich finde nur man muss der Bevölkerung mitteilen welcher Gesinnung Köppel ist.
    • Thomas G. 07.04.2020 07:34
      Highlight Highlight Covid19 ist keine Grippe Du Hirni.
    • Thomas G. 07.04.2020 21:46
      Highlight Highlight @NonCogito Coronavirus ist eine Kategorie, das Sars-Cov2 ist eine spezielle Art. Weisst Du sowie "Idiot" eine spezielle Bezeichnung für ein Lebewesen der Kategorie Mensch ist.
  • Keller101 06.04.2020 23:44
    Highlight Highlight „Das Leichenschauhaus gehört zu den besten der Welt„ 🙈🙈🙈
  • Kosmos33 06.04.2020 23:27
    Highlight Highlight Ins Krematorium . Wohin denn sonnst!
    • El Estupidoburro 08.04.2020 13:14
      Highlight Highlight Auch die Krematorien dürften wohl ziemlich schnell überlastet sein. Wie in Italien.
  • Panna cotta 06.04.2020 23:23
    Highlight Highlight "Das «städtische Leichenschauhaus» von NYC ist das Departement «Office of Chief Medical Examiner» (OCME), das glücklicherweise eines der Besten der Welt ist."
    Was macht ein Leichenschauhaus zu einem weltbesten Leichenschauhaus? 🤔
    • freeLCT 07.04.2020 07:52
      Highlight Highlight @Panna cotta:

      Effizienz
    • Gawayn 07.04.2020 08:13
      Highlight Highlight Wild geraten würde ich sagen..
      Weil es amerikanisch ist?
      Die sind doch immer die Besten, Stärksten Größten..
      Äh habe ich Besten schon erwähnt?
    • maylander 07.04.2020 08:48
      Highlight Highlight In den USA ist immer etwas das Beste, Grösste, Schönste etc.
      Wahrscheinlich haben die noch einen grossen Zähler draussen, um mit den Anzahl von begrabenen/kremierten Personen angeben zu können.
  • RennschweinRudiRüssel 06.04.2020 23:12
    Highlight Highlight 4800 Tote
    100 Lastwagen für je 80 Tote = 8000
    Wie war das nochmal mit Adam Riese?
    • Randy Orton 06.04.2020 23:40
      Highlight Highlight Lies den Text. Menschen die sterben, ohne zuvor einen positiven Test gehabt zu haben, werden nicht mehr getestet. Es sind pro Tag etwa 200 Coronavirustodesopfer die zu Hause sterben in New York. Hinzu kommen alle in den Spitälern verstorbenen, das ergibt locker das doppelte an Todesopfern.
    • Sauäschnörrli 06.04.2020 23:57
      Highlight Highlight 80 Lastwagen zu 100 Toten und 4800 sind nur die bestätigten Coronaopfer. Auch wenn es für das Gesundheitssystem im Moment besser wäre sie würden es nicht tun, sterben auch noch andere Menschen.
    • Militia 07.04.2020 00:03
      Highlight Highlight Da ist noch das Wort "bald" und eine immer noch steigende Opferzahl. Das heisst es wird schneller noch weniger Platz haben. Man muss ja nicht warten bis man die Leichen stapeln muss...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Srudli 06.04.2020 22:58
    Highlight Highlight Die Schweiz hat 8 Mio. Einwohner, etwa gleich viele wie NYC. In der Schweiz sterben in einem „normalen“ Jahr rund 67000 Menschen. Das macht pro Tag rund 183, währen der Grippesaison dann wohl einige mehr. Wie kann es denn sein, dass an einem normalen Tag in NYC 20 bis 25 Menschen sterben, bei 8.6 Mio Einwohner?? - Bitte die Zahlen prüfen, bevor sie veröffentlicht werden.
    • Silvio_soy_yo 06.04.2020 23:27
      Highlight Highlight In den eigenen vier Wänden heisst's doch. Bitte genau lesen, bevor kommentiert wird. Und immer schön zu Hause bleiben.
    • caquelon 06.04.2020 23:34
      Highlight Highlight „An einem durchschnittlichen Tag vor dieser Krise gab es in NYC 20 bis 25 Todesfälle, die in den eigenen vier Wänden stattfanden.“

      Es geht um Todesfälle, die zu Hause passieren.
    • Nkoch 06.04.2020 23:38
      Highlight Highlight In den eigenen vier Wänden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hugeyun 06.04.2020 22:34
    Highlight Highlight Einfach nur furchtbar so etwas zu hören. Man kann nur hoffen und beten und alles in der Macht stehende tun, dass sich die Lage so bald wie möglich verbessert und die Toten angemessen Ruhe finden können
    • _kokolorix 06.04.2020 22:57
      Highlight Highlight Das tönt jetzt wie nach jedem Shooting.
      Wie wäre es, etwas aus der gegenwärtigen Misere zu lernen, und in Zukunft etwas vorzusorgen?
      Es ist schliesslich kein Menschenrecht, dass von den reichsten 10% sich jeder mehrere Villen mit goldenen Kloschüsseln, einen Privatjet, eine Luxusjacht und jede Menge glamouröse Luxuskarossen leisten kann, während die Normal Verdienenden drohen an einer Lungenentzündung zu sterben, weil die Spitäler aus Rentabilitätsgründen keinerlei Reserven haben
    • banda69 07.04.2020 00:07
      Highlight Highlight Sagen Sie das mal jenen Rechtspopulisten, die dauernd nach Steuersenkungen für die Reichen schreien (SVP) oder diese gar zum langfristigen Schaden des Volkes umsetzen (Trump).
    • Asmodeus 07.04.2020 00:41
      Highlight Highlight Bei 9/11 starben 4000 Menschen. Wir alle wissen was für ein Aufwand danach betrieben wurde eine Wiederholung zu verhindern.

      Ich zweifle sehr, daß derselbe Aufwand Post-Corona betrieben wird.

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