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Ein Jahr nach Verbot: E-Zigaretten in den USA immer noch ein «grosses Problem»



In this photo taken on Tuesday, July 1, 2014, Christine Choi takes a puff on her e-cigarette at the Sepulveda Basin Dog Park in Los Angeles, as she accompanies her dog, not pictured. Recent surges in the use of e-cigarettes and chewing tobacco raised questions about those products on pets. The greatest danger is the trash, if dogs find discarded tobacco or nicotine cartridges from e-cigarettes. Despite how rancid they seem to us, dogs will eat batteries and cartridges. (AP Photo/Richard Vogel)

Vaper leben gefährlich. Bild: AP/AP

Im Herbst stieg in den USA die Zahl der Toten in Zusammenhang mit E-Zigaretten rasant an. Experten waren besorgt, der Verkauf wurde beschränkt. Ein Jahr nach dem ersten Fall sinken die Zahlen, aber die Krise ist noch nicht vorbei - und trifft nun auf das Coronavirus.

Fast jede Woche musste die US-Gesundheitsbehörde CDC im vergangenen Herbst steigende Zahlen verkünden. Über den Sommer hinweg waren nur ein paar Dutzend Fälle bekannt geworden, bei denen Menschen wegen Gesundheitsschäden nach dem Gebrauch von E-Zigaretten ins Spital gekommen waren. Doch dann kletterten die Zahlen immer weiter nach oben und schliesslich wurden Todesfälle bekannt. «Zutiefst besorgniserregend» sei das alles, sagte CDC-Direktor Robert Redfield und US-Präsident Donald Trump bezeichnete das Vaping (Dampfen von E-Zigaretten) als «grosses Problem».

Der erste Fall im Spital wurde dem CDC am Dienstag (31. März) vor genau einem Jahr gemeldet, auch wenn es wahrscheinlich ist dass es vorher schon Fälle gegeben hat. Seitdem kamen mehr als 2800 weitere registrierte Erkrankte hinzu, rund 70 Menschen starben.

Erkrankte erleben meist Husten, Atemnot und Schmerzen im Brustkorb, oft auch Magen-Darm-Probleme, Müdigkeit, Schwindel und Fieber, manchmal auch entzündete Lungen. Bei einigen Betroffenen führte Lungenversagen zum Tod. Die Fallzahlen nehmen seit Ende September weitgehend kontinuierlich ab - vorbei ist die Krise in den USA aber noch lange nicht.

Hierzulande strengere Reglementierung

E-Zigaretten enthalten keinen Tabak. In der Regel wird eine nikotinhaltige Flüssigkeit (Liquid) erhitzt, mit dem Verdampfen kann sie eingeatmet werden. Europaweit ist bislang kein mit den USA vergleichbarer Anstieg von Lungenschädigungen bekannt. Die Beschwerden scheinen sich auf Nutzer in Nordamerika zu beschränken. In unseren Breiten ist die Zusammensetzung der Wirkstoffe von E-Zigaretten strenger reguliert als in den USA.

Die Ursache der Gesundheitsschäden in den USA konnte bislang noch nicht sicher ermittelt werden. Den bisherigen Forschungen der CDC zufolge stellt sehr wahrscheinlich Vitamin-E-Acetat die Hauptursache dar. Es wurde in den USA als Zusatzstoff in THC-haltigen Liquids verwendet. Andere Chemikalien könnten aber auch dazu beitragen.

Als Reaktion auf die Fälle beschränkte die US-Regierung Anfang des Jahres den Verkauf von E-Zigaretten mit Geschmacksrichtungen, die besonders Jugendliche ansprechen - wie etwa Frucht oder Minze. Das Mindestalter zum Kauf von Tabakprodukten und E-Zigaretten wurde von 18 auf 21 Jahre angehoben. Der umstrittene Anbieter Juul Labs war dem schon zuvor gekommen und hatte den Verkauf von aromatisierten E-Zigaretten mit Fruchtgeschmack in den USA bereits eingeschränkt.

Auch als Einstiegsdroge benutzt

Vaping - eigentlich als Aussteige-Hilfe für Raucher gedacht - hatte sich in den USA besonders bei Jugendlichen zum Trend entwickelt, auch bei denen, die vorher gar nicht geraucht hatten. Andere Nutzer sind oft Menschen, die zum Abgewöhnen von Tabak-Zigaretten umsteigen.

epa07307293 A woman smokes a cigarette in extremely cold weather that is blanketing the Northeast region in New York, New York, USA, 21 January 2019. Temperatures today dipped to the lowest levels in almost three years in Central Park, with lows expected to reach 13 Fahrenheit  (-10 Celsius).  EPA/PETER FOLEY

Bild: EPA/EPA

Die neuen Regelungen der US-Regierung liessen allerdings «Schlupflöcher» offen, die zahlreiche Anbieter längst zur Entwicklung neuer Produkte genutzt hätten, und viele Jugendliche würden weiter vapen, sagte Matt Myers von der Aktivistengruppe Campaign for Tobacco-Free Kids jüngst dem Radiosender NPR. Die Gesundheitsbehörde CDC rät weitgehend vom Vaping ab, für Jugendliche sogar grundsätzlich.

Noch ein Grund, aufzuhören

Zudem kommt nun eine weitere Sorge: Menschen, deren Lungen durch Vaping geschädigt wurden, könnten nach ersten Indizien anfälliger für eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus sein. So war beispielsweise einer der ersten Coronavirus-Fälle in New York ein 22 Jahre alter Mann. «Warum ist ein 22-Jähriger zu diesem Zeitpunkt stabil, aber im Spital? Der einzige Faktor, den wir kennen, ist, dass er ein Vaper ist», kommentierte Bürgermeister Bill de Blasio. «Wir wissen nicht, ob er sonst noch irgendwelche Vorerkrankungen hat, aber wir glauben, dass der Fakt, dass er Vaper ist, diese Situation beeinflusst.»

Experten verweisen darauf, dass bei Vapern zwar noch viel zu wenig über den Einfluss auf Corona-Infektionen bekannt sei. «Aber alles, was die Lungen schädigt, vergrössert das Risiko, anfällig zu sein», sagte die New Yorker Kardiologin Tara Narula dem TV-Sender CBS. «Wenn es nicht schon immer Gründe gegeben hat, aufzuhören - hier ist noch einer.» (aeg/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Political Incorrectness 25.03.2020 15:02
    Highlight Highlight Ich würde gerne 2 Bemerkungen anbringen:

    "... die Zahl der Toten in Zusammenhang mit E-Zigaretten ..."
    - Keiner ist wegen den E-Zigaretten gestorben, sonder weil sie giftige Substanzen von illegalen Händlern in ihren E-Zigaretten gedampft haben.

    "In der Regel wird eine nikotinhaltige Flüssigkeit (Liquid) erhitzt ..."
    - In E-Zigaretten wird immer eine Flüssigkeit erhitz. Alles andere ist keine E-Zigarette.
  • saukaibli 25.03.2020 13:29
    Highlight Highlight Die Lüge von der angeblichen Epidemie von Dampfern unter Jugendlichen sollte mittlerweile eigentlich jedem halbwegs informierten Journalisten bekannt sein. Wieso berichtet ihr nicht lieber von der neuesten Studie zum angeblichen Gateway-Effekt, die gezeigt hat, dass genau das Gegenteil der Fall ist, dass nämlich das Dampfen die Jugendlichen vom Rauchen abhält? https://tobaccocontrol.bmj.com/content/early/2020/02/19/tobaccocontrol-2019-055283
    Diese bewusst falsche, tendenziöse und absolut unsachliche Berichterstattung zur E-Zigarette ist langsam echt nervig und auch peinlich.
  • saukaibli 25.03.2020 13:20
    Highlight Highlight Wieso sollte es helfen, strengere Regulierungen einzuführen, wenn die Leute an gestreckten Drogen vom Schwarzmarkt sterben? Wieso stellt ihr als Journalisten euch nicht auch mal solche Fragen? Dass Bill de Blasio gegen Inhalation jeglicher Art ist, ist nichts Neues. Seine Aussage bezüglich Corona und Dampfen wurde übrigens von mehreren international bekannten Wissenschaftlern in der Luft zerrissen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Inhalation von anti-mikrobiellem Propylenglykol und in vielen Desinfektionsmitteln enthaltenem Glycerin irgendwie problematisch sein könnte.
  • Füürtüfäli 25.03.2020 12:58
    Highlight Highlight Warum werden immer wieder die Todesfälle "im Zusammenhang mit E-Zigaretten" so hervorgehoben? Das waren lauter Todesfälle mit unkontrollierten selbstgebrauten Liquids! Wenn sich jemand mit Spiritus blind säuft, kann man auch nicht den Herstellern von Spirituosen die Schuld dran geben.
    • El Vals del Obrero 25.03.2020 13:18
      Highlight Highlight Wenn jemand Spiritus säuft müsste die analoge Schlagzeile lauten "Flaschen/Gläser immer noch ein Problem!" :)
    • Alf 25.03.2020 14:13
      Highlight Highlight Made my day! 😘
  • Ber$erker 25.03.2020 10:27
    Highlight Highlight In Nordamerika ist das Rauchen sehr stark verpönt und für dieses "Leiden" bring die Mehrheit der Bevölkerung relativ wenig Verständnis. In Europa hingegen ist das Rauchen immernoch gesellschaftlich einigermassen akzeptiert. Die europäischen Behörden sehen somit das Dampfen als eine Chance, dass weniger Leute rauchen und um letztlich die Gesundheitskosten zu senken. Deswegen wurde sehr schnell reguliert. In den USA hingegen wird wegen dem Stigma verboten, statt reguliert. Die Krankheitsfolgen vom Dampfen in den USA sind eingentlich ein Produkt der Arbeit der Behörden.
    • saukaibli 25.03.2020 16:02
      Highlight Highlight In den USA wird das Dampfen, resp. die Aromen in Liquids, nicht aufgrund eines Stigmas verboten, es geht nur ums Geld. Einige Bundesstaaten haben bereits das Geld ausgegeben, das sie aus dem Tobacco Master Settlement Agreement erwarteten. Aber weniger Raucher = weniger Geld, jetzt haben sie ein Problem. Ausserdem ist die Pharmalobby extrem stark in den USA. Wenn man bedenkt, dass Pfizer mit ihrem zum Rauchstop eingesetzten Psychopharmakon Champix fast doppelt so viel verdient wie mit Viagra, kann man sich vorstellen wo deren Interessen liegen.
  • El Vals del Obrero 25.03.2020 10:20
    Highlight Highlight Schlagzeile: "Essen immer noch ein grosses Problem" (nach dem viele Menschen, die in illegalen oder dubiosen Imbissbuden gegessen haben eine Lebensmittelvergiftung bekommen haben).

    Wenn das Problem nur in den USA existiert, ist ja offensichtlich nicht das Prinzip der E-Zigarrette das grundsätzliche Problem.

    Aber die Tabakindustrie sowie deren unheilligen Allianz mit den radikalen Abstinenzlern (als nützliche Idioten) freut sich darüber.

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