DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Videos zeigen, worüber die Trump-Chaoten während des Kapitol-Sturms miteinander sprachen

Luke Mogelson von «The New Yorker» war hautnah mit dabei, als Trump-Anhänger am 6. Januar das Kapitol stürmten. Seine nun veröffentlichten Videoaufnahmen innerhalb des Kapitols bringen kuriose Szenen zum Vorschein.



Mogelson betritt das Kapitol, kurz nachdem sich der Mob Zugang verschafft hat, und schliesst sich einer Gruppe an, welche sich singend auf die Suche nach dem Senatstrakt macht. Gross ist die Frustration, als sie nur leere Räume vorfinden: «Wo sind die Verräter?» «Wo zur Hölle sind sie?» «Wo zur Hölle ist Nancy?»

Dann entfalten sich absurde Szenen. Ein Trump-Anhänger setzt sich in den Stuhl, in dem kürzlich noch Vize-Präsident Mike Pence sass. Prompt wird er von einem anderen Anhänger in Munitionsweste, ehemaliger Oberstleutnant der Luftwaffe, dazu aufgefordert, den Sessel zu verlassen:

«Schaut, ich liebe euch, Jungs, ihr seid meine Brüder, aber wir können nicht respektlos sein.»

Videoaufnahmen während des Kapitol-Sturms

Der ehemalige Oberstleutnant der Luftwaffe, Larry Brock Jr., hier mit Helm, wurde unterdessen verhaftet. screenshot: The New Yorker

Nicht alle teilen diese Meinung. Ein junger Mann mit «Make America Great Again»-Mütze ruft: «Sie dürfen die Wahl stehlen, aber wir dürfen nicht in ihren Sesseln sitzen?»

Das Video zeigt weiter, wie sich der Mob durch die Dokumente wühlt, welche die Senatorinnen und Senatoren in Eile zurückgelassen haben. «Schaut, der Einspruch von Ted Cruz in Arizona», verweist eine Trump-Anhängerin auf ein vorliegendes Dokument. Bei Ted Cruz handelt es sich um einen republikanischen Senator, welcher Trumps haltlose Behauptungen von Wahlbetrug unterstützt. Der Trump-Anhänger, der das Dokument vor sich hat, ist schockiert – ist er doch nicht auf ihrer Seite?

Trump-Anhänger während des Kapitol-Sturms im Senat

Diese Trumpisten rätseln: Haben sie die Wahrheit über Ted Cruz entdeckt? screenshot: the new Yorker

Trump-Anhänger A

«Der Einspruch. Er wollte uns die ganze Zeit verraten»

Trump-Anhänger B

«Was? Wirklich?»

Trump-Anhänger A

«Schau. ‹Einspruch gegen die Auszählung der Wahlmännerstimmen des Staates Arizona.›»

Trump-Anhänger C

«Warte. Kann ich ein Foto davon haben.»

Trump-Anhänger B

«Warte, nein, das ist was Gutes.»

Trump-Anhänger A

«Okay, ja stimmt, das ist eigentlich was Gutes.»

Joshua Black, ein weiterer Anhänger der Meute, fordert den Rest ebenfalls auf, nicht respektlos zu sein. In seiner blutverschmierten Wange steckt ein gelbes Plastik-Projektil. Nach kurzer Zeit folgen die meisten Mob-Anhänger seinem Befehl und treten den Rückzug an. Joshua Black setzt sich daraufhin auf den Boden und ruft seinen Vater an.

Dann betritt der gehörnte «QAnon Schamane» Jake Angeli zum ersten Mal den Senat, wie dieses Video zeigt:

«Verdammt erstklassig, Mann», schreit er mit dröhnender Stimme und entdeckt dann den verletzten Black. «Schaut euch den Typen an, ist mit Blut bedeckt. Gott beschütze dich.» Auch ein anwesender Polizist wendet sich an Black:

«Alles in Ordnung? Benötigen Sie medizinische Hilfe?»

«Mir geht's gut. Danke», antwortet dieser, während er weiter mit seinem Vater telefoniert. Inzwischen hat sich der QAnon Schamane zu Mike Pences Pult bewegt, als sich derselbe Polizist an die Menge wendet:

«Kann ich euch irgendwie dazu bewegen, den Senatstrakt zu verlassen?»

«Wir werden gehen», ruft einer, der nicht auf dem Video zu sehen ist, «ich habe dafür gesorgt, dass sie sich an diesem Ort nicht respektlos verhalten.» Darauf antwortet der Polizist beschwichtigend mit ausgestreckten Armen:

«Okay, ich möchte euch nur wissen lassen, dass dies DER meist heiligste Ort ist.»

Bild

Der Polizist tritt ziemlich gelassen auf. screenshot: the new yorker

Dann wartet er, die Hände am Gürtel abgestützt, während sich der QAnon Shamane in Pences Sessel positioniert und ein Foto von sich machen lässt. Ein anderer Anhänger bemerkt die Kuriosität der Situation:

«Das ist seltsam. Du solltest uns eigentlich stoppen.»

Der Polizist zählt mit ausgestrecktem Zeigefinger die Anwesenden im Raum: «Eins, zwei, drei, vier, fünf.» Zuletzt zeigt er auf sich: «Eins.» Er gehe nur sicher, dass die Anwesenden nichts anderes täten, sagt er und äussert erneut seine Bitte:

«Könntet ihr jetzt bitte diesen Raum verlassen? Ich würde das sehr schätzen.»

Noch einen tieferen Einblick in diesen Tag gewähren mehr als 500 Videos, welche Hacker von Parler heruntergeladen hatten, bevor die App offline ging. Sie zeigen den dunklen, geschichtsträchtigen Moment aus den Augen derjenigen Menschen, die daran teilgenommen haben.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Trump-Anhänger stürmen Kapitol

1 / 19
Trump-Anhänger stürmen Kapitol
quelle: keystone / manuel balce ceneta
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Chaos in Washington

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2/3 aller Anti-Impf-Theorien stammen von denselben 12 Personen

Die Corona-Impfung gilt für viele als der Hoffnungsträger für den Weg aus der Pandemie. Zeitgleich gibt es vehemente Impfgegner und Stimmen, die vor dem Pieks warnen. Eine Studie deckt auf, woher die Falschinformationen stammen.

Gemäss einer aktuellen Studie hat die grosse Polemik um Verschwörungstheorien zur Corona-Impfung einen kleinen Ursprung: Anti-Impf-Verschwörungen auf Social Media führen fast immer auf dieselben einzelnen Konten zurück, welche prominente Anti-Impf-Persönlichkeiten repräsentieren.

Konkret: 65 Prozent der irreführenden Anti-Impf-Propaganda, die auf Twitter oder Facebook zu finden ist , stammt von denselben 12 Personen oder Organisationen. Von den Forschenden wird es das «Desinformations-Dutzend» …

Artikel lesen
Link zum Artikel