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Das Risiko einer Ansteckung auf Flügen ist nicht ganz klar. Bild: shutterstock

Ein Passagier infiziert 4 Personen mit Corona – trotz negativem Test

Eine neue Fallstudie aus Neuseeland konnte mittels DNA-Analyse herausfinden, dass ein Passagier aus der Schweiz vier Personen auf einem Flug von Dubai nach Neuseeland infiziert haben soll. Und das, obwohl dieser zuvor negativ auf das Coronavirus getestet wurde.



Die gesamte Flugbranche geriet durch die Corona-Pandemie in schwere Turbulenzen. Und Corona-Neuinfektionen, Reisewarnungen und Quarantäne-Regeln halten die Leute weiterhin vom Reisen ab.

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Grafik: statista

Die Branche sucht deshalb nach Lösungen, wie sie ihren Gästen möglichst sicheres Reisen gewährleisten kann – und sieht die Lösung immer häufiger im Testen der Passagiere. Die Lufthansa etwa bietet seit dem 12. November einen kostenlosen Schnelltest an. Das Angebot gilt vorerst auf der Strecke Hamburg – München und ist freiwillig. Auch Alitalia und die US-Fluggesellschaft United haben auf gewissen Strecken Schnelltests eingeführt.

Wird so das Fliegen wieder sicher?

Nicht unbedingt, wie eine neuseeländische Fallstudie zeigt. Nach dieser ist das Risiko auf Langstrecken-Flügen, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, trotz negativen Corona-Tests nicht ausgeschlossen, wie die Washington Post berichtet.

Das Problem: Eine Person kann sich vor dem Flug trotz negativem PCR-Test mit dem Coronavirus infizieren und so unwissentlich andere anstecken.

Genau ein solcher Fall wurde in der neuseeländischen Fallstudie untersucht. Der untersuchte Flug mit insgesamt 86 Personen fand im September statt und führte in 18 Stunden von Dubai nach Neuseeland. Insgesamt wurden sieben Personen nach dem Flug positiv auf das Coronavirus getestet, vier davon konnten mittels DNA-Analyse auf eine Person zurückgeführt werden.

«Dieser Fall spricht dafür, wie schwierig es ist, infizierte Personen von einem Flug fernzuhalten, auch wenn der PCR-Test negativ war.»

David Freedman, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Universität Alabama washington post

Der Mann, von dem die vier Infektionen nachweislich ausgingen, wurde 48 Stunden vor Boarding in Zürich negativ auf das Coronavirus getestet. An Board zeigte der sogenannte «Index-Patient» keine Symptome – erst 71 Stunden nach dem Flug.

Die Fallstudie kommt zu dem Schluss, dass sich die Person nach dem durchgeführten PCR-Test angesteckt haben muss und ab da ansteckend war.

«Dieser Fall spricht dafür, wie schwierig es ist, infizierte Personen von einem Flug fernzuhalten, auch wenn der PCR-Test negativ war», sagt David Freedman, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Universität Alabama in Birmingham gegenüber der Washington Post. Die Universität habe den Bericht überprüft.

Eigentlich besteht in Flugzeugen eine «niedrige» Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren

Diverse Studien und auch die Fluggesellschaften selbst sprachen immer wieder davon, wie sicher Flugreisen seien und dass aufgrund der Lüftungssysteme die Übertragung durch Aerosole sehr unwahrscheinlich sei.

In einer anderen Studie vom neuseeländischen Verteidigungsdepartement müssen infektiöse Passagiere mindestens 54 Stunden neben einer anderen Person sitzen, um diese zu infizieren. Deshalb sei die Ansteckungsgefahr auf einem Flugzeug «niedrig».

Der Flugzeughersteller Airbus hat sich dazu geäussert. Das Belüftungssystem diverser Maschinen sei komplex und sorge für eine sehr saubere Luft und ein geringes Infektionsrisiko an Bord. Die Luft in der Kabine werde alle zwei bis drei Minuten erneuert. «Die Luft im Flugzeug ist bei der Landung sauberer als nach dem Schliessen der Türen beim Start», sagt Airbus-Chef-Ingenieur Jean-Brice Dumont. Partikel wie das Coronavirus können nach Angaben von Airbus mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,97 Prozent aus der Luft entfernt werden.

Video-Simulation zeigt, wo die Virusgefahr lauert:

Video: watson/nfr

Diesen Studien widerspricht allerdings die neue Fallstudie. Gemäss den Studienautoren sassen die Fluggäste, die sich mit dem Zürcher Virus infizierten, maximal zwei Reihen vor oder hinter dem bereits Infizierten. In dem betroffenen Bereich der Boeing 777 waren nur 15 von mehr als 70 Plätzen besetzt. Zudem gab die infizierte Person an, dass sie beim Sitzen und während des Schlafens die Maske abgenommen hätte.

Ein Grund für die Ansteckungen sei nach Freedman höchstwahrscheinlich unter anderem die Motivation der Flugpassagiere, die Maske für solch eine lange Zeit aufzubehalten. «Es ist bestimmt schwierig, eine Maske für 18 Stunden am Stück zu tragen», meint Freedman.

Viele Fluggesellschaften überlegen sich, die Passagiere vor dem Flug einem Schnelltest zu unterziehen. Die Swiss verzichtet nach wie vor auf einen Corona-Test vor Antritt des Fluges. (cki)

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