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alle bilder: shutterstock / montage: watson

Der Typ, der von Beruf Sohn ist, sein Mami und ich

Wenn ich Loris heirate, kriege ich eine Villa, eine fette Karre, Stutz en masse und Luxusferien an den geilsten Stränden dieser Welt. Wie gross das Opfer aber ist, das ich eingehen muss, merke ich erst, als seine Mutter ins Spiel kommt.
26.10.2018, 09:57

Machen wir es kurz und unromantisch: Loris’ und meine Geschichte beginnt auf Tinder. Wir matchen, er schreibt nicht. Weil ich aber sein sehr exotisches Äusseres sehr ansprechend finde, mache ich den ersten Schritt und schicke ihm folgende Parolen: 

«Wenn du so lustig wie schön bist, dann will ich dich eventuell mal heiraten, wenn ich gross bin. Für den Anfang könnten wir eine Bank ausrauben und in einem geklauten VW-Bus nach Südfrankreich abhauen. Willst du?»

Seine Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Er will. Wir chatten noch ein bisschen hin und her. Mehrheitlich bin ich aber damit beschäftigt, mich in seine Bilder zu verlieben und dem Himmel im Drei-Sekunden-Takt ein Stossgebet zu schicken, dass der Gute face to face zumindest ein bisschen so heiss ist wie auf seinen Pics.

Als Treffpunkt schlägt Loris eine protzige Bar am Seeufer vor. Da ich davon ausgehe, dass er den Ort aus ironischen Gründen wählt, sage ich zu. Bonzen-Watching finde ich ja amüsant. In der Bar angekommen sehe ich Loris schon von weitem am Tresen stehen.

Ich bin zum ersten Mal hardcore verliebt.

Loris ist gross. Er trägt einen dunkelblauen Wollpulli zu perfekt sitzenden Jeans und coolen Boots. Dazu das sehr dunkle Haar, der dunkle Bart, die dunklen Augen. Von mir aus können wir noch vor dem «Hoi» unsere gemeinsame Zukunft starten.

30'000 Stutz am Handgelenk!

«Hi», sagt er. Und umarmt mich herzlich. Ich vermute, dass ich ihn bereits verschossen anhimmle. Er himmelt zurück. Danke, Universum. Danke, Gott. Und sorry, dass ich bis jetzt nicht an dich geglaubt habe.

Wir bestellen, setzen uns und reden. Und reden. Und reden. Und wir lachen. Auch berühren wir uns zufällig. Läuft äusserst super hier. Was mich ein bisschen irritiert, ist die 30'000-Franken-Uhr an seinem Handgelenk. Und der Blick in sein Portemonnaie. Ich erblicke mehrere 200er-Nötli.

Auf die Frage, was er beruflich macht, antwortet er «etwas mit Immobilien im High Class Segment». Er arbeite aber nicht sooo viel. Findet er anstrengend. Sein Autoschlüssel aber verrät mir, dass er einen richtig teuren Boliden fährt.

Die Firma, für die Loris tätig ist, gehört seinem Vater. Die Mutter betreibt derweil eine Kunstgalerie. Geschwister hat Loris keine. Dafür seit 35 Jahren die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eltern. All eyes on him halt. Und dazu alles Materielle, was er sich jemals gewünscht hat.

Je länger er mir von seinem Leben in Saus und Braus erzählt, desto abgeturnter bin ich. Komplett ins Aus manövriert er sich, als er mir von seiner Mutter erzählt. «Ich liebe sie mehr als mein Leben. Ich liebe sie auch mehr als jede Freundin, die ich hatte.»

Ihm sei nicht klar, warum keine von seinen Ex-Freundinnen damit klarkam. «Frauen kommen und gehen. Meine Mama ist immer für mich da.» Und kritisch sei sie. Nur das Beste wolle sie für ihren Sohnemann. Bis jetzt habe sie jede Freundin seiner nicht würdig gefunden.

(Ich verabschiede mich gerade innerlich von einem Leben als Bonzen-Braut. Sorry, Mum, Pardon, Dad. Ich weiss, ihr hättet euch so für mich gefreut.)

Sonntag ist Siff-Tag!

Loris kann eben nicht mit einer Frau zusammen sein, die seine Mutter nicht gut findet. Nur schon wegen der geografischen Nähe. Loris bewohnt den Westflügel der elterlichen Villa. Weg will er da nie. Warum auch? Es hat mehr als genug Zimmer und Umschwung für seine Familie, die er auch noch plant.

Ich könne sehr gerne am Sonntag zum Brunch vorbeikommen, wenn ich will. Dieser Sonntag würde sich super eignen. Neben seinen Eltern werden auch sein Grossvater und dessen Partnerin da sein. «Alles voll unkompliziert». Und ein hübsches Kleid und schöne Schuhe würde ich sicher im Schrank haben.

Ja, habe ich. Mag ich aber sonntags nicht anziehen. Sonntage zelebriere ich in Hoodies und Trainerhosen. Gerne ungeschminkt.

Das teile ich Loris genau auch so mit und werde Zeugin davon, wie die Begeisterung aus seinem Gesicht weicht. Ob er mich nach Hause fahren soll, fragt er. Braucht er nicht. Ich bin mit meinem 150-Stutz-Velo da, das quietscht und jederzeit auseinanderfallen kann. Mich stört das null. Loris dafür sehr.

Ich lehne mich etwas zurück, bevor ich das Kind beim Namen nenne: «Gell, du und ich, das passt null?» – «Ja, leider», sagt Loris und seufzt. Dabei würde er mich noch eine Lustige finden. Und eine Herzige. Aber, wenn er ehrlich sei, hätte er sich das Treffen schon im Vorfeld sparen können. «Warum?», will ich wissen.

Sein Mami habe schon beim Betrachten meines Tinder-Profils gewusst, dass ich nichts sei. Also nichts, was zu ihrem Loris passe. Ich wirke zu unseriös und zu unaufgeräumt. Nehme ich locker. Ich kenne Mütter dieser Art. Denen sind alle Frauen ein Dorn im Auge, die ihren Buben an die von ihnen hübsch gewaschene und gebügelte Wäsche wollen.

Schnell weg hier also. Und, liebes Loris-Mami, lassen Sie sich etwas gesagt sein: Sie machen Ihrem Jungen keinen Gefallen, wenn Sie noch mehr in ihn verknallt sind, als er es schon selber ist.

Da ich jetzt aber ein bisschen Blut/Gold geleckt habe, suche ich mir nun einen anderen High-Society-Dude. Ich habe alle Folgen «Gossip Girl» gesehen und «Pretty Woman» ist einer meiner Lieblingsfilme. Also weiss ich schon mal bestens, wie man sich bei den Reichen und Schönen benehmen muss.

Das muss reichen.

Adieu

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Emma Amour ist ...
... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deinen Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deiner Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Shutterstock-Illustration aussehen. Öppe.
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