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bilder: shutterstock / montage: watson

Mein Ex, seine Neue, ihr Sex und ich

Manchmal spielt einem das Leben gerne einen Streich. So wie meines mir vor ein paar Tagen. Ein kleines Klagelied darüber, wie es ist, mit der alten Liebe und seiner neuen Flamme 20 Minuten zu verbringen.
14.09.2018, 09:57

«Emma?», sagt er. In seiner Stimme schwingt ein Mix aus Anschiss und Unsicherheit mit. Ich weiss das. Weil ich jede Facette seiner Stimme kenne, jeden Unterton raushöre und einordnen kann. Der Mann, der zu dieser Stimme gehört, und ich waren schliesslich drei Jahre ein Paar.

Ich drehe mich um, lächle ihn an. Küssli links, rechts, links. Finde ich merkwürdig. Immerhin haben wir mal Tisch, Bett und WC geteilt. Ich hole aus, um genau darüber einen Spruch zu machen, als er sagt: «Emma, das isch d Nadja, Nadja, das isch d Emma

Nadja also. Kenn ich nicht. Nadja sehe ich zum ersten Mal. Nadja trägt Jeans, hohe bunte Sneakers, ein weisses T-Shirt und dezenten Lippenstift. Sein Beuteschema. Unweigerlich spielt mir nicht nur das Leben, sondern auch mein Hirn einen Streich: «Play» macht's im Kopf, schon sehe ich die Zwei vor meinem inneren Auge beim Sex.

STOP. STOP. STOP.

Ich lächle Nadja an. Es ist kein entspanntes Lächeln. Warum, weiss ich nicht. Der Ex und ich sind schliesslich schon eine ganze Weile getrennt. Da ist keine körperliche Anziehung und auch das emotionale Band hat sich schon längst gelöst. «Ah, du bisch also d Emma!?», sagt sie und lächelt nicht weniger gequält. «Scho viel ghört!»

Ich schaue auf mein Zettelchen. Da steht 765 drauf. 16 andere sind vor mir dran. Das ist die bittere Realität an diesem Montagabend in der Sihlpost beim Hauptbahnhof Zürich. Der Ex und Nadja haben 766. Als geübte Sihlpost-Gängerin weiss ich schnell: bis ich dran bin, dauert es rund 20 Minuten.

Kleine Dissereien und grosse Lobhuldigungen

Bevor das hier noch bornierter wird, rattere ich Smalltalk-Fragen runter. Es geht ihm gut, seiner Familie auch. Der Job, «mal besser, mal schlechter», den Sommer hat er, Pardon, haben sie, in Zürich verbracht. Jetzt schmieden sie Ferienpläne für den Winter. Alles voll unkompliziert. Nadja fühlt sich überall wohl. Egal, ob Campingplatz oder 5-Sterne-Hotel. «Hauptsach mir sind zämme.»

Da ist er. Der erste Mini-Diss an meine Adresse. In Sachen Ferien war es kompliziert zwischen dem Ex und mir. Er wollte Massenschlag, Low Budget und lieber Sandwich im Rucksack als lokale Restaurants. Ich nicht. Seinen Seitenhieb ignoriere ich. Allgemein sei Nadja «überaus entspannt». Sie habe nicht ständig das Reissen, etwas unternehmen oder erleben zu müssen.

Zäck. Zweiter Diss.

Auch in Sachen Freizeitgestaltung war es suboptimal zwischen dem Ex und mir. Ich, in der Tat eher aktiver als der Durchschnitt, er vor allem von der passiven Sorte. Nadja ist also auch eher, wie er es nennt, gechillt. «Nöd so raschtlos.» Ist doch super, merke ich an. Blitze in seinem Blick.

Der kann mich mal.

Ich wende mich Nadja zu. Ich will nicht, dass sie sich ausgefragt oder schlecht fühlt. Also mache ich: Schuh-Talk. Ihre Sneakers sind zum Glück wirklich cool. Wir vertiefen das Thema. Und werden vom Ex unterbrochen. Was sie nachher kochen sollen, fragt er sie. Er wartet keine Antwort ab, dreht sich zu mir und sagt: «D Nadja chan super choche.»

Was Nadja nicht weiss: Ich kann nicht kochen. Ich werde es wahrscheinlich auch nie richtig lernen. Der Grund ist simpel: Mir macht kochen keinen Spass. Hat den Ex stets genervt. Ich drehe mich zu ihm um, sage rein gar nichts und schau ihm stattdessen einfach ins Gesicht. Hasst er. Immer noch. Treffer! Versenkt!

Je suis Team Nadja!

«Und du so?», fragt er. «Immer no Single, Tinder, Manne-Karussell?» Es ist Nadja, die interveniert. Schnell lenkt sie das Gespräch zurück auf … Schuhe. Sie und ich verstehen nonverbal, dass es gar nicht um Schuhe geht. Viel mehr zelebrieren wir hier gerade das Prinzip Sister before Mister.

Nur einer schnallt's nicht.

Bling. 765. Ich bin dran. Bevor ich meine drei grossen Pakete zu Schalter B balanciere, verabschiede ich mich.

Auf dem Heimweg schaltet sich ungefragt wieder das Kopfkino ein: Der Ex und Nadja. Nackt. Play. Statt auszuflippen horche ich kurz in mich rein, lass den Gedanken zu und merke: gar nicht so schlimm! Besser: gar nicht schlimm. Ich will wirklich nicht mehr die Nackte an seiner Seite sein. Die Angezogene auch nicht. Möge Nadja besser passen. Und mit ihm glücklich werden. Ihr wünsche ich es mehr als ihm.

Eben. Sister before Mister. 

PS: ÄRZTE, DIE MICH DATEN UND MICH IN DIE WELT DES G-PUNKTS EINFÜHREN WOLLEN, MELDEN SICH IMMER NOCH UNTER EMMA.AMOUR@WATSON.CH.

Adieu,

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Shutterstock-Illustration aussehen. Öppe.
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