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montage: watson / material: shutterstock

Und auf einmal date ich eine ganze Männer-Clique!

Eigentlich wollte ich zuhause bleiben und TV schauen – bis es mir in der Werbung langweilig wurde. Also mache ich ein Date aus. Mit Severin – und seiner ganzen Männertruppe. Bühne frei für mein nächstes Tinder-Kapitel.
23.05.2019, 09:51

Grundsätzlich macht man das nicht. Mann lädt keine Dame zu einem Date ein, ohne ihr zu sagen, dass man seine ganzen Bros dabei hat.

Severin tut genau das. Neulich an einem Freitagabend. Ich sitze sehr gechillt und ungeschminkt auf der Couch, ziehe mir selbstbewusst «Let’s Dance» auf RTL rein und fühle mich verdammt gut. Bis ich mein Leben im zweiten Werbeblock wahnsinnig langweilig finde.

Also zücke ich mein Handy und öffne Tinder. Ich checke meine alten Matches. Und entdecke Severin. Die Chats mit Severin waren super. Bis er einfach nicht mehr antwortete. Ein klassischer Fall von Tinder-Ghosting halt.

Hoi Herzklopfen, schön bist du da!

Ich tippe die Worte «Your Ghosting hurts me deeply» ins Telefon und schicke sie ab. Noch bevor ich mir überlegen kann, welche alte 2.0-Liebelei ich auch noch reaktivieren könnte, antwortet Severin bereits: «Lass mich dein Herz flicken. Drink jetzt?»

Sowas mag ich sehr. Die besten Dates sind die, die unerwartet an der Türe klopfen. Ich hüpfe auf: Duschen, Trockenshampoo ins Haar, anziehen, biz Make-up, fertig in 30 Minuten. Breche eigenen Rekord. High five to me.

Ich antworte: «Los. Flicke. Wo treffen wir uns in 15 Minuten?»

Severin bestellt mich in eine schummrige Bar. Mag ich. Hab auf dem Weg leichtes Herzklopfen und weiche Knie.

Severin ist vor mir da. Severin ist, wie es scheint, schon seit Stunden da. Severin hat nämlich gut einen sitzen. Genau wie all die Typen, die sich rund um Severin versammeln und ihre Augen auf mich richten.

Vielleicht ist er ja Stammgast, denke ich. Und liege falsch. Severin zieht schon seit Feierabend mit seinen Bros um die Häuser. Er hoffe, dass es mich nicht stört, sagte er. Dann legt er den Arm um mich und bestellt mir einen Drink.

Ein anderer nimmt mir die Jacke ab. Ein weiterer Dude räumt seinen Barsessel für mich. Ein Dritter bietet mir eine Zigarette an. Fehlen nur noch zwei halbnackte Götter, die mir mit einem Palmenblatt Luft zufächern.

Wie gesagt. Grundsätzlich lädt Mann keine Dame an ein Tinder-Date ein, an dem auch die ganze Clique zugegen ist.

Grundsätzlich.

Im Fall von Severin feire ich, dass er genau das getan hat. Wie und wann sonst komme ich als Single-Frau in den Genuss einer ganzen Männertruppe, die sehr um mich und mein Wohlergehen bemüht ist?

(Danke, Tinder-Gott!)

Severin selber ist nicht ganz mein Typ. Vielleicht ist er aber einfach etwas zu lallend unterwegs. Aus Alkohol-Gründen. Ja nu. Dafür finde ich Mat entzückend. Lachgrübchen, schwarzer Humor und grosse Hände.

Philipp aber ist ebenfalls herrlich. Weil er mit sehr viel Selbstironie über die «Grete» herzieht, die ihm gerade das Herz brach.

Derweil stelle ich fest, dass mich auch Felix nicht kalt lässt. Wie er so da mitten in der Bar steht, Luftgitarre spielt und lauthals zu «Africa» von Toto singt, das hat schon was. Wie er mich dann auch noch an sich zieht, um mich übers Parkett zu fegen, finde ich etwas zwischen heiss und lustig.

«Africa» von Toto

Die Nase vorn aber haben immer noch Matts Lachgrübchen.

Irgendwann, es ist schon fast hell, schmeisst uns ein Türsteher mit Gesichtstattoos aus dem Schuppen. Da ist Severin schon längst weg. Ohne Tschüss zu sagen. Logisch, macht man nicht. Während ich also beleidigt sein sollte, stehe ich da – und lache.

Dummerweise haben Mat und ich nicht den gleichen Heimweg. Dafür wohnt Felix in meiner Richtung. Ich flüstere Mat meine E-Mail-Adresse ins Ohr.

Daheim angekommen, checke ich meine Mails.

Nix.

Nach zehn Stunden Schlaf checke ich wieder als erstes meine Mails.

Nix.

Ich checke die nächsten paar Tage meine Mails gefühlt alle 47 Sekunden.

Nix.

Nada.

Nüüt.

Bis gestern. Da war tatsächlich eine Mail. Von einem Matthew. Aus Kanada. Er sei der Grosscousin meines Urgrossvaters und freue sich, mich endlich gefunden zu haben. Da sei noch das ganze Erbe, das er mir überweisen will. Ich soll meine Adresse und meine Kreditkartennummer geben. Ausserdem soll ich ihm zuerst 1000 Dollar überweisen. Die braucht er als Depot, bevor er so einen hohen Betrag überhaupt überweisen kann. Sobald er aber alles hat, kriege ich die zehn Millionen Dollar.

Haha.

Ich frage Matthew, ob es ein getragenes Höschen auch tut als Depot.

Seit da herrscht wieder gähnende Leere in meiner Inbox. Tammisiech!

Adieu,

Nächsten Freitagabend lese ich wohl am besten einfach etwas aus dieser Slideshow:

1 / 9
Do-it-yourself-Bücher, die wir haben MÜSSEN
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Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

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Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:
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Emma Amour ist ...
... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deinen Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
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