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 shutterstock / KEYSTONE/Walter Bieri / bearbeitung & montage: watson

Am Public Viewing reisse ich Thorsten auf – und schiesse ein Eigengoal

Ich gehöre zu den Fussball-Fans, die den Sport nur während der EM und WM feiern. Und das auch nur wegen der Public Viewings. Weil es nie und nirgends einfacher ist, Männer kennenzulernen. Bühne frei für Thorsten, meinen persönlichen Um-ein-Haar-Torschützen.
06.07.2018, 09:57

Ich stehe vor einem Spunten an der Langstrasse. Um mich herum haben sich enorm viele Menschen versammelt, die die Sündenmeile in ein rotes Meer verwandeln.

Auf den Bildschirmen um uns herum spielt gerade die Schweizer Nati gegen Costa Rica. Auch ich bin hier, um Petkovics Boys die Daumen zu drücken. Ein bisschen aber bin ich auch da, weil ich weiss, dass Public Viewings Single-Mekkas sind.

Die Männer hier sind aufgekratzt. Gewinnt ihre Mannschaft, wollen sie feiern. Hier komme ich ins Spiel. Verliert ihre Mannschaft, wollen sie getröstet werden. Hier komme ich ebenfalls ins Spiel.

Von weitem erblicke ich einen Mann. Er sticht raus. Weil er ein Deutschland-T-Shirt trägt. Ich bin Deutschland-Fan (I miss you, Jogi, i love you, Hummels!). Der Mann, der im T-Shirt steckt, ist mit einer Horde Jungs da.

Ich versuche Blickkontakt herzustellen. Es klappt nicht. Cleo und Sophie, meine besten Freundinnen, lachen mich aus. Ich bleib dennoch dran.

Rocky Balboa als Ice-Breaker!

In der Halbzeit kämpft er sich zur Bar. Ich tu's ihm gleich. Obwohl ich eigentlich dringend mal müsste. Aber wer will schon pinkeln, wenn er vielleicht die Liebe seines Lebens auf sich aufmerksam machen muss? Eben.

Also drängle ich mich an seine Seite. Am Bartresen lobe ich sein T-Shirt. Und er meines. Ich trage heute Sylvester Stallone als Rocky Balboa auf meiner Brust. Wir reden über den Match, ich bluffe damit, dass ich weiss, was ein passives Offside ist. Er ist beeindruckt. Und/oder einfach betrunken.

Thorsten heisst er. Thorsten ist aus Hamburg. Und zu Besuch bei seinem Bruder, der in Zürich arbeitet. Thorsten ist nur bis Freitag hier. Morgen geht's in die Berge. Schlechte Aussichten für uns beide. Nun wird der Gute auch noch von seinem Bruder zurück gepfiffen. Die Horde will Bier. Und ich will Thorsten.

Noch bevor ich mir überlegen kann, wie ich den Mann kriege, ist er weg. Verschwunden in der Menge. Von weitem sehe ich ihn mit der Schulter zucken und lächeln.

Das war's also. Ein kurzes Gastspiel in meinem Leben. Adieu, Thorsten.

Ich bin hell begeistert – von Thorstens schwarzer Seele

Immerhin kann ich mich jetzt wieder aufs Spiel konzentrieren. Und ein bisschen neidisch auf Lara Gut sein. Ich bin nicht unbedingt stolz drauf, aber ich finde Valon Behrami sexy.

Nach dem Match bahnen wir uns einen Weg durch die Menschenmasse, als ich eine Hand auf meiner Schulter spüre. Es ist Thorsten. Seine Crew wolle heim, ob ich ihm noch eine tolle Bar zeigen kann. Ich kann.

Thorstens Humor ist schwarz. Thorstens Seele ist schwarz. Ich bin hell begeistert. Zwei Stunden später spazieren wir zu einem Spielplatz. Wir legen uns auf so eine grosse runde Schaukel. «Wir könnten knutschen», sag ich. Beziehungsweise die Promille in mir. Thorsten lacht und küsst mich.

Wir knutschen ewig. Ich brauche Zeit. Um mir zu überlegen, ob ich Thorsten mit nach Hause nehme. Wo wir dann Sex hätten. Es wäre mein zweiter One Night Stand. Aber ich finde One Night Stands scheisse. Auch glaube ich nicht an Sex mit Fremden. Wobei Thorsten wie ein Weltmeister küsst. Vielleicht sollte ich dieser Sache eine Chance ...

«Jetzt hast du zu lange überlegt, liebe Zürcherin», sagt Thorsten während er auf die Uhr schaut. Er muss los. Sein Zug Richtung Berge fährt bald. Ich gebe Thorsten meine Nummer. Wohlwissend, dass ich vermutlich nie mehr was von ihm hören werde.

Das, liebe Freunde, nennt man dann wohl ein Eigengoal!

Shit und Adieu,

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Shutterstock-Illustration aussehen. Öppe.
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bild: shutterstock/unsplash/watson
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