Leben
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bild: watson / material: shutterstock

Emma Amour

Emma & Cleo – eine Liebesgeschichte in 4 Akten 👩‍❤️‍💋‍👩

Kid Cleo
Kid Cleo



Manchmal ist das Leben eine Tragödie. Manchmal eine Komödie. Manchmal besser als ein Film. Oder ein verdammtes Theater. Wären Emma und ich eine Geschichte, sie ginge so:

Der Prolog aka das Vorspiel

Den Anfang unserer Liebesgeschichte kennt ihr ja schon. (Es war bloss ein Kuss, Ems, steh doch dazu!) Aber was ich heute erzählen will, ist nicht wie, sondern warum Emma meine Freundin wurde. Und warum ich glaube, dass sich jeder eine Emma suchen soll. (Also, nehmt mir nicht meine Emma weg, sucht euch gefälligst eure eigene.)

Dass man mit Emma befreundet sein will, ist logisch. Emma hat ein Lachen, das knallt dich weg! Julia Roberts kann einpacken mit ihrem Grinsen. Der Pretty Woman Award gehört nach Zürich. Und Emma hat diese französische Eleganz, obwohl sie kein Wort Französisch spricht. Die vielen Zigaretten haben ihre Stimme versaut, was zu ihrem Vorteil ist, die Stimme ist tief und rauchig. Wenn Emma einmal nicht mehr arbeiten will, könnte sie sofort eine Karriere als Sex-Telefonistin starten. (Gibt's das überhaupt noch?)

Meine Freunde reden von «der mit der krassen Stimme», wenn sie von Emma reden. Oder allgemein von «der Krassen». Denn im Gegensatz zu mir ist Emma «krass». Emma ist ein Cool Kid. Emma ist Rock 'n' Roll. Emma ist wie Eminem, einfach schöner und besser und weiblicher. Ich bin das Gegenteil.

Ich bin lieb und fürsorglich. Zuweilen unbeholfen und naiv. Ich weiss nie, welche Party angesagt ist, nie, wo «man» sich trifft. Statt die Passwörter zu neuen Clubs kenne ich sämtliche Torten-Rezepte und weiss, welche Wickel man für welche Krankheit machen muss. Ich lege die Wäsche meiner Affären gefaltet auf einen Stuhl, wenn sie bei mir übernachten und ich bringe am Morgen Kaffee mit Sojamilch ans Bett. Laktoseintoleranz hab ich natürlich auch.

Dies also die Figuren dieser Geschichte. Nun die Handlung.

1. Akt: Das Kennenlernen

Nach besagter Party traf ich Emma ein halbes Jahr nicht mehr. Obwohl ich sie sofort auf Facebook fand. Auch so eine uncoole Seite von mir. Ich stalke Leute, die ich kennenlerne. Und finde jeden. Wenn ich mal nicht mehr gebucht werde, beginne ich eine Karriere als Detektivin. Oh ja!

Nach einem halben Jahr sahen wir uns erneut an einer Party. Diesmal war Emma ebenfalls Gast und: Es ging ihr so richtig mies. Sie hat mir ihr Herz ausgeschüttet. Hat Rotz und Wasser geheult. Ich habe sie später mal gefragt, was sie da geritten hat, dass sie sich mir so anvertraute, mir, einer Frau, von der sie sogar nicht mal mehr den Namen wusste. Sie sei «so am Arsch gewesen», sie hätte jedem ihr Herz ausgeschüttet, sagte sie auf meine Frage. Was ich eine bescheuerte Antwort fand. (Gibs doch zu, Ems, du hast unbewusst gespürt, wie toll ich bin. Unbewusst!)

Sie hatte damals eine miese Beziehung und noch miesere Trennung hinter sich. Ich hatte keine Ahnung von Beziehungen, aber ich hörte zu – was ich gut kann – und als die Party fertig war, gingen wir zu mir und ich habe ihr selbstgebackene Hafer-Kekse und Ingwer-Zitrone-Honig-Tee serviert.

2. Akt: Die Freundschaft

Wir merkten, dass wir ganz in der Nähe wohnten. Also mein Dad, der in Zürich lebt, und sie. Und dass wir beide viel Zeit tagsüber hatten. Wenn ich in Zürich war, war ich ja nicht auf einem Job und sie arbeitete nur nachts. Wir trafen uns zum Kaffee. Zum Spazieren. Zum Shoppen. Ich überredete sie manchmal, mit mir schwimmen zu gehen. Ich gehe sehr, sehr oft schwimmen, mein Job erlaubt keine Hafer-Keks-Kilos. Emmas Raucherlunge erlaubt kein Schwimmen. Sie hat es jeweils knapp eine Länge weit geschafft. Dann ist sie am Beckenrand rumgehangen und hat mit Männern in Speedo geflirtet.

Dass wir so unterschiedlich sind, hat uns nie gestört. Sie findet meinen Wunsch nach Kamin, Kind und Kompost unverständlich, aber sie akzeptiert ihn. So, wie sie alles akzeptiert, was ich erzähle. Und deshalb ist es toll, eine Emma im Leben zu haben. Weil alles geteilt wird. Habe ich etwas Peinliches erlebt, dann ist es lustig, nachdem ich es Emma erzählt habe. Habe ich etwas Gutes erlebt, freut sie sich so sehr, dass ich mich gleich noch mehr freue. Alles wird doppelt so gut oder halb so schlimm, wenn man eine Emma hat.

Ausser es ist richtig scheisse. Dann kann eine Emma kurzzeitig weh tun...

3. Akt: Die Trennung

Ich war in dieser einen Beziehung, die länger dauerte als drei Monate. Was erstaunlich ist, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie absolut toxisch war, die Beziehung. Der Mann war brutal und irr. Gecheckt hab ich das nicht. Was ich in jener Zeit hören wollte, war, dass Emma wie alle meine anderen Freunde, sagt, es komme «schon noch gut». Aber das tat sie nicht. Als Einzige sagte sie, dass das nicht gut sei. Und dass es nicht gut kommen werde. Dass die Beziehung scheisse und der Mann scheisse sei. Ich verurteilte sie dafür. Ich war so verletzt, dass ich sie eine Weile nicht sehen wollte.

Irgendwann trennten wir uns, der Mann und ich, und Emma erfuhr es.

4. Akt: Happy End

Emma hätte sich nicht melden müssen, so wie ich es davor bei ihr getan habe, wäre ihr gutes Recht gewesen, aber das hat sie nicht getan. Vielleicht, weil sie etwas ähnliches erlebt hatte. Vielleicht, weil sie einfach ein geiler Mensch ist. Emma hat sofort angerufen. Ist vorbeigekommen. Hat Stund für Stund, Tag für Tag, Woche für Woche zugehört und mit mir jede Einzelheit dieser abgefuckten Geschichte durchgekaut. Nie hat sie gesagt: «Habs dir ja gesagt, Mädel, hättest doch auf mich hören sollen». Nie.

Epilog aka Schlusswort

Und deshalb ist Emma meine Emma. Weil eine Emma, also eine richtig gute und richtige Freundin, nicht nachtragend ist. Weil sie sich Zeit nimmt. Und: Weil sie es wichtiger findet, dass es dir gut geht, als dass es der Freundschaft gut geht. Sie sagt Dinge, die dir helfen, auch wenn du sie nicht hören willst. Sie ist ehrlich, aber nicht weil sie sich gut darstellen, sondern weil sie dich schützen will. Das ist ein grosser Unterschied. Freunde wie Emma können auch unbequem werden, Abstand aushalten, und dann aber sofort wieder für dich da sein... was ich sagen will: Jede und jeder sollte sich eine Emma suchen, wenn er noch keine Emma hat.

(Ach das ist jetzt irgendwie ernster geworden, als ich wollte. Entschuldigt. In einer Woche erzähl ich euch von meinem Erlebnis an der Sexparty. Kein deeper Freundinnenscheiss. Nur Sex und Schweiss. Oh ja.)

Kiss und Klits fĂĽr euch,

Cleo

Kid Cleo ist ...

... eine der besten Freundinnen von Emma Amour und aktuell ihre Ferien-Vertretung. Cleo ist Mitte 20, pendelt zwischen Zürich und Genf und liebt Männer und Frauen gleichermassen – und ihren Hund Bella. Während den nächsten Wochen wird uns Cleo mit Storys aus ihrem Leben unterhalten – so lange, bis Ems genug vom «Sommer ihres Lebens» hat. Und noch ein Hinweis von Emma selbst: «Seid nett zu Cleo, sie ist noch sehr klein!» (PS: Cleo ist grösser als Emma.)

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Das bin nicht ich. Aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. PS: Einen Hund hab ich tatsächlich. Aber meiner sabbert. bild: watson / shutterstock

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Video: watson/Adrian MĂĽller, Nico Franzoni

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