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Kommentar

Heidi Klum und Tom Kaulitz sollen das «ungleichste Paar» sein – ernsthaft?

Gunda Windmüller / watson.de



Heidi Klum ist Model, Moderatorin, Produzentin. Die 45-Jährige steht seit mehr als 20 Jahren in der Öffentlichkeit, verdient damit sehr viel Geld und lebt in Los Angeles. Kurz: Sie ist reich, sie ist anerkanntermassen schön und erfolgreich.

Tom Kaulitz ist Musiker. Der 29-Jährige steht seit mehr als zehn Jahren in der Öffentlichkeit, verdient damit sehr viel Geld und lebt in Los Angeles. Kurz: Er ist reich, auch er ist anerkanntermassen schön und erfolgreich.

Die beiden sind ein Paar. Wenn man sich die äusseren Merkmale ihrer beider Leben ansieht, muss man sagen: Passt doch ganz gut. Viele Gemeinsamkeiten, gleiche Muttersprache, gleicher Wohnort. Auf einer Dating-Website würden die beiden sehr wahrscheinlich von jedem Algorithmus zusammengewürfelt.

Und doch stimmt etwas mit diesem Paar vermeintlich nicht.

Denn medial werden die beiden gerne mit einem Attribut belegt: «unterschiedlich». Sie seien das «unterschiedlichste Paar Deutschlands», führten die «ungewöhnlichste Beziehung», ihre Liebe ist «so anders».

Was genau so ungewöhnlich an der Liebe der beiden sein soll, versteckt sich in der Berichterstattung manchmal nur zwischen den Zeilen, manchmal ist es aber auch sehr plakativ. Es geht um den Altersunterschied. Um sagenhafte 16 Jahre.

Ein solcher Altersunterschied stört bei Promi-Paaren, bei denen der Mann der Ältere ist, selten.

George Clooney ist 11 Jahre älter als Amal Clooney. Brad Pitt war 12 Jahre älter als Angelina Jolie. Darren Aronofsky war 21 Jahre älter als Jennifer Lawrence. Wir könnten noch viele Beispiele nennen.

Der Altersunterschied zwischen diesen Paaren war jedoch so gut wie nie Gegenstand der Berichterstattung: Unterschiedlich? Ungewöhnlich? Nö. Berühmte Leute sind zusammen? Passt doch! Aber wehe, die Frau ist älter.

Seufz. Wir merken also: Der vermeintliche «Cougar-Trend», bei dem die Kombi ältere Frau/jüngerer Mann angeblich salonfähig gemacht wurde, war auch nur ein kurzer liberaler Schluckauf.

Denn hinter diesen ganzen Zuschreibungen stecken vor allem hartnäckig stereotype Geschlechterbilder, die nicht von der Vorstellung loskommen, der Mann müsse der Frau überlegen sein. In Bezug auf Alter. Aber eigentlich bitte auch in Bezug auf Status.

Dass die Frau die Berühmtere von beiden ist? Ungewöhnlich.

Dass diese Kombination aber vielleicht einfach nur der Tatsache geschuldet ist, dass zwei Leute, die sehr ähnliche Leben führen, sich mehr als nur sympathisch sind, wird dabei wegignoriert. Ernsthaft? 

Wir finden, es wird Zeit, diesen vermeintlichen Tabubruch dahin zu befördern, wo er hingehört: in die Mottenkiste der Geschlechterrollen. Und da gucken wir dann bitte erst wieder rein, wenn wir unseren Enkeln mal erklären wollen, wie rückschrittlich wir mal über Liebe gedacht haben.

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Video: watson/Angelina Graf

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