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Das sagen die Aarauer Skater-Jungs, die sich den Corona-Demonstranten entgegenstellten

Die Kantischüler und Lernenden wollten eigentlich das schöne Wochenende geniessen. Als sie sahen, wie viele Coronaskeptiker zur Demonstration in Aarau eintrafen, konnten sie aber nicht länger auf dem Balkon sitzen bleiben

Nadja Rohner / ch media



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Zeigten Haltung: Die Skater aus dem Aarauer Schachen. Bild: Tim Sykes/az

Die meisten Aarauerinnen und Aarauer nahmen stoisch zur Kenntnis, wie sich der Zug der Corona-Massnahmengegner seinen Weg durch ihre Stadt bahnte. Ein paar zustimmende Kopfinicker hier, ein paar ausgestreckte Mittelfinger da, zudem erstaunte Gesichter – so sahen die allermeisten Reaktionen aus. Aber eben nicht alle.

Insbesondere eine Gruppe Jugendlicher machte in den Sozialen Medien die Runde. Es existieren Bilder, die zeigen, wie Teenager im Schachen am Strassenrand stehen: ihre Skateboards vor dem Körper wie Abwehrschilder, Hygienemasken , Plakate in den Händen. Darauf steht: #noaarau, #maskeAuf, #noliestal, «Mit Nazis marschiere heisst solidarisiere», etc.

Für ihre Kritik an den Corona-Demonstrierenden werden die Jugendlichen in den Sozialen Medien gefeiert. Es gibt auf Twitter sogar einen Hashtag für sie und zwei, drei andere Gegenprotestler: #HeldenVonAarau.

Sie sehen sich nicht als Helden

Wer sind diese Teenager? Die AZ hat sie ausfindig gemacht. Sie haben sich bereit erklärt, schriftlich ihre Erlebnisse zu schildern. Ihre Namen möchten sie aber nicht in der Zeitung lesen.

Die meisten skaten – daher die Skateboards. Es sind Jugendliche aus Aarau und den umliegenden Dörfern; Lernende und Kantischüler, alle unter 18. Ja, politisch stünden sie links, sagen sie, «aber keine Antifa oder Sonstiges».

Sehen sie sich als Helden, so wie sie in den Sozialen Medien bezeichnet werden? «Nein – für uns war das selbstverständlich, da wir mit gesundem Menschenverstand handelten.»

«Solidarität ist unsere Antwort»

Ihr Gegen-Protest sei letztlich eine spontane Entscheidung gewesen, schreiben sie. Auch wegen der Mitteilung der Polizei, man solle Aarau am Wochenende meiden, hätten sie zunächst davon abgesehen, sich zu organisieren: «Wir wollten unser Wochenende geniessen, schliesslich sind wir Jugendliche.»

Dann kam der Samstag. «Wir waren zu dritt auf dem Balkon, genossen das Wetter. Da flatterten schon die ersten Bilder aus der Stadt ein. Die ‹Freiheitsvertreter› waren da. Schon wenige Minuten später opferten wir Kartons, um unsere Messages aufzuschreiben.»

Auf dem Weg in die Stadt hätten sie weitere Freunde angetroffen und «direkt mobilisiert». Sie schreiben: «Leute, die sich ihrer Freiheit beraubt und unsere Demokratie gefährdet sehen durch die Massnahmen? Klar, wir haben auch keinen Spass daran, aber geht es hier um uns selber oder um unsere Mitmenschen? Solidarität ist unsere Antwort.»

Nach ihren Beweggründen gefragt, schreiben die Jugendlichen, diese «sollten klar sein: Es laufen Nazis offen auf der Strasse herum». Worauf stützen die Aarauer diese Behauptung? «Sie haben uns ins Gesicht gesagt, es gebe keine Nazis in der Demo – und wenige Sätze später hiess es, es sei schade, gebe es keinen Adolf mehr, um uns aus dem Weg zu räumen.»

Wie haben sie den Tag erlebt?

Vier Stunden waren sie vor Ort. Standen mal hier und mal da am Strassenrand, folgten der Demonstration, trafen weitere Freunde, die sich mit ihnen solidarisierten, sprachen auf dem Kirchplatz mit Gleichgesinnten. «An der Laurenzenvorstadt bekamen wir einen Motivationsschub durch einen anderen Aarauer, der sich dem Geschehen ebenfalls entgegensetzte.»

Als sie sahen, dass die Demonstranten vom Leichtathletikstadion im Schachen wieder auf dem Rückweg in die Altstadt waren, «entschlossen wir uns, uns beim Oberstufenschulhaus am Strassenrand den Demonstranten und Demonstrantinnen entgegen zu stellen». Dann kam es zu den Szenen, die auf dem Video zu sehen sind, das mittlerweile einige zehntausend Leute gesehen haben:

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Auch dieser junge Aarauer stand am Strassenrand. bild: tim sykes/az

Die Jugendlichen schildern die Geschehnisse so: «Es entstand schnell ein Gedränge mit vielen abschätzigen Kommentaren uns gegenüber – ein hasserfüllter Monolog ihrerseits. Es stellte sich als unmöglich heraus, eine Diskussion zu führen. Es gab immer wieder Leute, die uns zu nahe kamen, wie man auch im Video sieht. Einige Querdenker versuchten, ihre sehr aggressiven Sympathisanten zurückzuhalten, Männer wie Frauen. Ob sie das aus Imagegründen gemacht haben oder zu unserem Schutz, sei dahingestellt».

Nach den Rangeleien seien ein paar von ihnen durch die Polizei weggewiesen worden, schreiben die Jugendlichen.

«Es freute uns, dass einige der Personen, die unter anderem uns angefeindet hatten, im Nachhinein verhaftet wurden.»

Mit der massnahmenkritischen Jugendgruppierung «Massvoll» seien sie kurz im Gespräch gewesen, schildern die Aarauer. «Es war sehr hektisch – wir wurden beschimpft, angegangen und ausgelacht». Man habe ihnen sogar Handgreiflichkeiten angedroht und Plakate weggerissen. «Da wurde uns klar, dass es ein Muss ist, hier Widerstand zu leisten. Sie haben uns immer wieder ihre ‹grossartige› Aktion angepriesen, diese sei für unsere Zukunft. Doch Freiheitskämpferinnen des 21. Jahrhundert sind für uns nicht Bekämpferinnen der Corona-Massnahmen.»

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Die Aarauer Jugendlichen fühlen sich von der Gruppierung «Massvoll» nicht vertreten. Bild: Raphael Huenerfauth/az

Was halten die Jugendlichen von den Massnahmen? «Wir können froh sein, dass diese Massnahmen nur soziale Einschränkungen, Maskenpflichten oder Gleichwertiges sind», schreiben sie. Und:

«Wir sind dankbar, dass wir unsere geliebte Garage-Bar aufgrund der epidemiologischen Lage nicht besuchen konnten und nicht etwa, weil Krieg herrscht.»

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