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Doppelmord in Suberg BE: Angeklagter Sohn bringt kaum ein Wort zur Tat über die Lippen



ARCHIV -- GERICHTSFALL IN BIEL: DOPPELMORD VON SUBERG VON 2017 -- Polizisten stehen vor einem Einfamilienhaus in Suberg BE, am Mittwoch, 15. November 2017. Laut einer Meldung hat die Kantonspolizei Bern in der Nacht auf Mittwoch zwei Personen in einem Haus tot aufgefunden. Die Polizei geht derzeit von einem Gewaltverbrechen aus. Bei den Verstorbenen handelt es sich um ein aelteres Ehepaar. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der Tatort. Bild: keystone

Der 27-jährige Mann, der im November 2017 im bernischen Suberg seine Eltern getötet haben soll, hat sich am Montag vor Gericht sichtlich schwergetan, über die Tat zu sprechen. Noch immer gibt es zur Tat viele Fragezeichen.

So blieb letztlich am Montag unklar, wie der Streit am Tatabend im Elternhaus des Angeklagten ausbrach. In der Anklageschrift heisst es, dass es zwischen Mutter und Sohn - allenfalls auch zwischen den beiden Ehegatten - zu einem handgreiflichen Streit gekommen sei, bei dem die Mutter eine Treppe hinunterstürzte und verletzt wurde.

Der angeklagte Sohn sagte am Dienstag vor Gericht, er habe ein dumpfes Geräusch gehört und einen Schrei der Mutter. Er sei nachsehen gegangen und habe seine Mutter auf einem Zwischenboden liegen sehen. Die verletzte Mutter habe sich dann ins Wohnzimmer auf ein Sofa begeben.

Zwischen Vater und Sohn soll dann ein Handgemenge eingesetzt haben, in dessen Verlauf, der Vater über zwei Treppen bis ins Kellergeschoss fiel. Dort behändigte der Sohn laut Anklage eine Kurzhantel und schlug auf den Vater ein.

Als die verletzte Mutter zum Geschehen dazukam, versuchte sich der Sohn zu erklären. Als dies nicht gelang, kam es zu einem weiteren Handgemenge. «Ich wollte einfach, dass diese Situation aufhört», gab der junge Mann am Montag kaum hörbar zu Protokoll.

«Und dann schlugen Sie mit der Hantel auf ihre Mutter ein?», wollte der Gerichtspräsident wissen. Der Angeklagte nickte nur stumm.

Noch immer «Mami» und «Papi»

Der Angeklagte selber hatte sichtlich Mühe, das Geschehen in Worte zu fassen. Immer wieder verstummte er mitten im Satz, seufzte schwer und rang um Fassung. Von den beiden Todesopfern sprach er noch immer von «Mami» und «Papi». Er könne sich an vieles nicht mehr erinnern, sagte er mit leiser Stimme.

Nach der Tat versuchte er, im Wohnhaus der Eltern einen Einbruch vorzutäuschen und leerte verschiedene Schubladen und Möbel. Er duschte sich und traf sich schliesslich mit seiner damaligen Freundin zum Essen in Bern.

Diese sagte später der Polizei, ihr sei an diesem Abend nichts Aussergewöhnliches an ihrem Freund aufgefallen. In der Anklageschrift spricht die Staatsanwaltschaft von grosser Gefühlskälte, die der junge Mann in dieser Situation gezeigt habe.

Nach dem Ausgang kehrte der junge Mann allein an den Tatort zurück und rief die Polizei an. Ihr gab er an, soeben seine Eltern tot aufgefunden zu haben. Da die Polizei am Tatort keine Hinweise fand, dass jemand von aussen ins Haus eingebrochen wäre, rückte rasch der Sohn ins Zentrum der Ermittlungen.

Er wurde in Untersuchungshaft genommen, wo er eine Tatbeteiligung zunächst leugnete, später aber schriftlich ein Geständnis ablegte. Bei den Einvernahmen erfuhr der junge Mann zudem, dass der Vater nicht sein leiblicher Vater war. Davon hatte der Sohn bei der Tat nichts gewusst.

Lebenslüge

Die Tat ereignete sich im November 2017 im beschaulichen Seeländer Dorf Suberg. Der Angeklagte entstammt einer Mittelschichtsfamilie und verlebte dort nach eigenen Angaben eine gute Kindheit und Jugend.

Risse in der heilen Familienwelt wurden sichtbar, als der Angeklagte von einer abgebrochenen Lehre, langer, erfolgloser Arbeitssuche und eigenen finanziellen Schwierigkeiten berichtete.

Er sei ein richtiges «Muttersöhnchen» gewesen, beschrieb eine Ex-Freundin bei Einvernahmen den jungen Mann. Die Mutter habe alles für ihn getan. Der Vater wiederum sei zunehmend unglücklich darüber gewesen, dass der Sohn keine Arbeit fand und habe dessen Finanzlöcher gestopft.

Um die Mutter bei Laune zu halten, gab der Sohn im Wissen des Vaters vor, bei der Swisscom zu arbeiten. So verliess er jeden Morgen das Haus als würde er zur Arbeit fahren. Auch seine Freundinnen machte er glauben, er arbeite.

Vor Gericht ist der 27-Jährige des Mordes eventuell der vorsätzlichen Tötung seiner Eltern angeklagt. Das Urteil wird voraussichtlich am Donnerstag bekanntgegeben. (aeg/sda)

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