Schweiz
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Der Daten-Kampf um das Coronavirus: Warum wir so unterschiedliche Zahlen zur Schweiz haben



Es werden täglich neue Zahlen zum Coronavirus in der Schweiz publiziert. Diese unterscheiden sich teilweise doch beträchtlich, je nachdem, woher sie stammen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sprach am Dienstag von etwa 90 Todesfällen. Das Statistische Amt des Kantons Zürich hingegen bezifferte die Anzahl Toter in der Schweiz mit 124 Fällen.

Auch bei der Anzahl Infizierter unterscheiden sich die Zahlen stark. Warum? Eine Erklärung, wie die unterschiedlichen Stellen zu ihren Daten kommen und wie oft diese aktualisiert werden.

Woher stammen die Daten?

Alle positiv getesteten Patienten müssen dem BAG gemeldet werden. Die Ärzte aus den unterschiedlichen Kantonen schicken also ihre Testresultate per Post oder Fax an das Bundesamt. Bald sollen die neuen Zahlen auch per Mail übermittelt werden können. Das bedeutet, dass jede positiv getestete Person in der Schweiz vom BAG erfasst wird.

Zudem veröffentlichen die Kantone in unregelmässigen Abständen selbst Zahlen auf ihren Webseiten. Diese werden von der Fach- und Koordinationsstelle Open Government Data des Statistischen Amtes des Kantons Zürich erfasst und gesammelt. Die Zahlen auf den Kantonswebseiten sind deshalb aktueller, weil sie nicht den ganzen Weg bis ins BAG hinter sich zu bringen brauchen, sondern sogleich publiziert werden können.

Neben dem BAG und dem Kanton Zürich gibt es auch internationale Internetseiten, die die Anzahl Fälle weltweit erfassen. Darunter zum Beispiel Worldometer. Die Daten hier beziehen sich auf unterschiedliche Quellen, wie die Betreiber der Webseite schreiben. Hier werden die Zahlen des BAG verwendet, diese werden aber durch Zahlen aus Medienberichten angereichert.

Grundsätzlich stützen sich also alle Parteien auf die gleichen Zahlen. Die Erklärung für die Unterschiede muss also an einem anderen Ort ihren Ursprung haben.

Todeszahlen Schweiz Unterschiede Coronavirus

Auf unterschiedlichen Plattformen werden unterschiedliche Zahlen publiziert. Welche stimmen? Bild: zvg

Wie oft wird aktualisiert?

Das BAG aktualisiert seine Zahlen einmal pro Tag. Beinhaltet sind alle gemeldeten Fälle, die bis am Morgen des aktuellen Tages aus den Kantonen beim BAG eingetroffen sind. Das Statistische Amt des Kantons Zürich aktualisiert seine Daten hingegen drei Mal am Tag. «Wir erneuern und überprüfen die Daten aus den Kantonen jeweils um 8, um 14 und um 20 Uhr», sagt Andreas Amsler vom Statistischen Amt des Kantons Zürich.

Und hier liegt der Grund für den Unterschied. Ein Beispiel:

Und dies gilt eben nicht nur für das Tessin, sondern für alle 26 Kantone und das Fürstentum Liechtenstein. Im Report des BAG mischen sich also aktuelle Zahlen und Zahlen von vor mehreren Tagen.

Fazit

Alle Daten stammen von der gleichen Quelle – den offiziellen Stellen der Kantone. Der Weg, den sie bis zur Publikation zurücklegen müssen, ist aber unterschiedlich lang. Die Zahlen des BAG sind deshalb tiefer, weil sie sich teilweise auf den Stand vor ein oder zwei Tagen stützen. Wie gross diese Verzögerung tatsächlich ist, werde gerade analysiert, sagte Patrick Mathys vom BAG an der Pressekonferenz am Dienstag.

Boris Zuercher, Leiter der Direktion fuer Arbeit SECO, zweite-rechts, spricht an der Seite von Raynald Droz, Brigadier, Stabschef Kommando Operationen VBS, links, Martin Tschirren, Direktor Bundesamt fuer Wohnungswesen WBF, zweite-links, und Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewaeltigung und internationale Zusammenarbeit BAG, rechts, waehrend einer Medienkonferenz ueber der Coronavirus (COVID-19), am Dienstag, 24. Maerz 2020 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Experten des Bundes stellten sich am Dienstag erneut den Fragen der Journalisten. Bild: KEYSTONE

«Grundsätzlich brauchen Experten und Medien möglichst aktuelle Daten, um die Situation besser einschätzen zu können», sagt Amsler. Deshalb habe das Statistische Amt bereits Kontakte mit anderen Kantonen geknüpft. Denkbar wäre, dass dadurch neue Zahlen aus der ganzen Schweiz direkt aktualisiert und somit noch zeitnaher publiziert werden können.

Das BAG arbeitet ebenfalls daran, den Weg der Daten zur Publikation zu verkürzen, versicherte Mathys am Dienstag. Es ist sogar möglich, dass das BAG dafür in Zukunft auf die Arbeit von Andreas Amsler und seinen Kollegen zurückgreift.

(leo)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nanggeli 25.03.2020 10:19
    Highlight Highlight Diese veralteten falschen Zahlen ergeben die Fall-Kurven (stark, exponetial ansteigend, abflachend etc) wovon das BAG die Verhaltensstrategie für die Bevölkerung ableitet. Einfach diletantisch. Das BAG kennt diesen Missstand seit langem, passiert ist nichts. Bis jetzt winkte das BAG ab wenn auf diese Unzulänglichkeit gewiesen wurde, Wenn man wenigstens die angebotenen aktuellen Daten ( Statistisches Amt ZH oder corona-data.ch.) nutzen würde. Wahrlich nach Ovid 19 gilt es einiges zu korrigieren, nicht mit mehr, sondern effizienterem Personal.
  • Grave 24.03.2020 23:18
    Highlight Highlight Möchten sie nicht gleich zur guten slten brieftaube zurückgreifen welche eine verschlüsselte botschaft via morsecode überbringt ?
    Okay im jahr 2020 wo das internet noch nicht so weitverbreitet ist ist es schon verständlich
  • Whaaaat?_Son 24.03.2020 23:15
    Highlight Highlight corona-data.ch fasst die Daten aller Kantone übersichtlich und aktuell zusammen.
  • Andy 24.03.2020 22:40
    Highlight Highlight Zumindest https://www.corona-data.ch/ schreibt bereits im Header, dass die Zahlen NICHT aus Medienberichten sondern von den Kantonen stammen.

    Mein Tipp ans BAG: Sich auf die Kompetenzen konzentrieren welche ihr im Griff habt und sich sonst helfen lassen bzw. Arbeit abnehmen lassen, wen andere schneller und besser sind. Das Zahlen nicht ernst genommen wurden (oder diese nicht zeitnah interpretiert wurden) welche seit spätestens Ende Januar offensichtlich waren, hatten wir ja bereits schon..
  • diaulu 24.03.2020 20:41
    Highlight Highlight Ich vermute, dass die Löhne im BAG nicht am Existenzminimum sind. Da muss offensichtlich anderswo gespart werden oder die Leute sind unfähig, die modernen Kommunikationsmittel zu nutzen. Ich schaue und lese Medien aus Österreich, Deutschland, England, Frankreich und Italien. Im Vergleich dazu fühle ich mich von unseren Ämtern und Behörden armselig und auch ein wenig „bünzlihaft“ informiert.
    • fidget 25.03.2020 10:08
      Highlight Highlight Es wäre sicherlich gut, wenn das BAG eine online-Meldeportal für meldepflichtige Erkrankungen unterhalten und nicht auf Fax setzen würde. Nach der Krise muss das in Angriff genommen werden. Aber das Problem ist doch, dass in normalen Zeiten keine Notwendigkeit gesehen wird und deswegen kein Budget dafür vorhanden ist. Man wollte vielleicht schon die Digitalisierung voran treiben, konnte mangels gesprochenem Budget aber nicht.
  • Unbreaky 24.03.2020 20:28
    Highlight Highlight Ich finds spannend, irgendwie auch traurig, dass es keine besseren, schnelleren Meldeverfahren gibt. Zum Beispiel eine zentrale Website mit einer Datenbank. Brief und Fax könnten das ganze noch ergänzen. Somit wären die Daten fast real-time.
  • Hansrüedl 24.03.2020 19:32
    Highlight Highlight Ein Armutszeugnis für das BAG mit solch veralteten Technologien zu arbeiten. Brief und Fax? Warum nicht Telegramm?
  • KarlWeber 24.03.2020 19:10
    Highlight Highlight Vorbidlich macht es z.B. der Kanton Genf:

    https://www.ge.ch/document/covid-19-situation-epidemiologique-geneve/telecharger

    Da kann man sich wenigstens als interessierter Bürger ein gewisses Bild machen, was die Zahlen in eigentlich bedeuten.
  • Bestand 24.03.2020 18:41
    Highlight Highlight Die Ärzte senden die Daten per Post? Auweia, da meint man immer man lebe in einem modernen Land.
  • lilie 24.03.2020 17:58
    Highlight Highlight Danke, @watson, für diese Erklärung! 👍
  • Mirischgliich 24.03.2020 17:55
    Highlight Highlight Wordometer:
    "Hier werden die Zahlen des BAG verwendet, diese werden aber durch Zahlen aus Medienberichten angereichert"

    HAHAHA 😂👍

    Und die Medien verwenden die mit Daten aus den Medien angereicherten Daten!
  • Denk nach 24.03.2020 17:22
    Highlight Highlight Hmmmm, jedes medium sieht sich gezwungen einen Liveticker zur Karastrophe zu unterhalten. Die Notwendigkeit über die tägliche Anzahl Neuinfizierte und Tote ist schon fraglich, da die Zahlen sicherlich auch stark variieren können und aufgrund der eingeschränkten Tests nur bedingt aussagekräftig sind, aber halt Klicks generieren..... Finde nur ich das Fragwürdig? Ist ja kein Fussball Spiel, oder?

    • Garp 24.03.2020 17:56
      Highlight Highlight Ich bin gern auf dem aktuellen Stand. Das BAG ist halt hinten nach, weil sie ihre Hausaufgaben in der Vergangenheit nicht gemacht haben. Aber kritisieren würde ja schon verboten. ;-) .
    • Mirischgliich 24.03.2020 17:59
      Highlight Highlight Das ist jetzt der Ersatz für Tennis und Fussball:
      Statt Goals zählen wir Leichen.
    • lilie 24.03.2020 18:00
      Highlight Highlight @Denk nach, wenn man zuhause sitzt und nichts tun kann, dann möchte man schon wissen, wie es um die Sache steht, die einem das eingebrockt hat.

      Im Unterschied zum Fussballspiel geht es ja nicht um Spass.
    Weitere Antworten anzeigen
  • annego 24.03.2020 17:15
    Highlight Highlight Ich verstehe wirklich nicht, wieso in der heutigen Zeit ein solch wichtiges Unterfangen mit Post und Fax gelöst wird und nicht digital.
    • fidget 25.03.2020 10:31
      Highlight Highlight Vermutlich sah man in der Zeit davor keine Notwendigkeit einer digitalen Lösung, weil das bestehende System gut funktionierte. Beziehungsweise wurde kein Geld budgetiert um eine solche Lösung zu implementieren.
      Ich gehe davon aus, dass sich dies nach der Krise schnell ändern wird.
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