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Briefe ans Christchindli zeigen, wie schwer die Coronakrise auf den Kindern lastet

Die Schweizerische Post verarbeitet jährlich Tausende von Schreiben mit Geschenk-Wünschen von Kindern. Doch dieses Jahr enthalten die Briefe oft auch traurige Zeilen - und manchmal sogar eine Maske fürs Christkind. Das sei gut so, sagt eine Psychologin.

Benjamin Weinmann / ch media



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Kinderbriefe an das Christkind und den Weihnachtsmann werden von der Post beantwortet - sofern der Absender ausfindig gemacht werden kann. Zvg/Die Schweizerische Post

Der Duft der Tanne im Wohnzimmer, von Mandarinen und Erdnüssli, das Leuchten der Adventsbeleuchtung. Weihnachten ist für fast alle Kinder vor allem etwas: ein Zauber. Doch dieses Jahr ist anders. Die unbeschwerte Freude auf die Bescherung an Heiligabend ist getrübt. Die Corona-Krise hinterlässt auch bei den Jüngsten Spuren.

Das zeigen die Briefe an den Weihnachtsmann und ans Christkind, welche die Schweizerische Post jeden Dezember erhält. Natürlich gehe es darin vielfach um materielle Wünsche, wie zum Beispiel eine neue Playstation. Man sehe aber aktuell, dass die Coronakrise die Kinder beschäftige, heisst es bei der Post auf Anfrage. Das Thema Gesundheit sei in den Briefen ein grosses Thema. «Kinder haben sogar schon Masken verschickt, die das Christkind oder den Weihnachtsmann schützen sollen.»

Die Schweizerische Post begann 1950 damit, die kindlichen Schreiben zu beantworten. Bis dahin wurden sie jeweils mit dem Vermerk «Empfänger unbekannt» abgestempelt und an die enttäuschten Kinder zurückgeschickt. Seither hat die Zahl der Kinderbriefe in der Adventszeit stetig zugenommen, schreibt die Post. Damals seien es jeweils rund 450 Briefe gewesen.

In den 80er-Jahren rund 1800, Mitte der Nuller-Jahre dann 17000 und im vergangenen Jahr sogar über 30’000 – ein Rekord. Sie alle waren an den Weihnachtsmann, ans Christkind, an Père Noël und Babbo Natale adressiert. Die Antwortschreiben werden von Post-Angestellten in Cadenazzo TI verarbeitet und mit einem kleinen Geschenk bestückt.

Wenn die Mutter kein Geld für Geschenke hat

Der amerikanische Postdienst beobachtet dasselbe Phänomen, wie «CNN» kürzlich berichtete. In den Briefen an den «Santa Claus», der gemäss US-Tradition am Nordpol lebt, kommt die Last der Pandemie zum Ausdruck. Manche Kinder wünschten sich, das Coronavirus würde verschwinden, andere hoffen auf Gesichtsmasken unter dem Weihnachtsbaum.

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Die Post beantwortet die Kinderbriefe seit 1950. Zvg/Die Schweizerische Post

So schreibt der kleine Jonah: «Lieber Santa, ich will nichts zu Weihnachten, aber ich wollte dich fragen, ob du mir einen Gefallen tun könntest: Könntest du bitte ein Heilmittel für Covid-19 finden und es uns geben, um die Welt zu retten? Danke.» Der 5-jährige Andy sehnt sich Umarmungen herbei Ein anderes Kind schreibt: «Dieses Jahr war hart, aber wegen Corona hoffe ich auf ein Lego-Set, weil meine Mami sagt, sie kann mir nichts schenken diese Weihnachten, weil sie nicht mehr bezahlt wird und sie sich nichts leisten kann.»

«Ich wünsche mir, dass wir uns wieder umarmen können.»

Die kleine Nhea aus Floria will von Santa wissen, ob es Covid-19 auch am Nordpol gebe. «Wenn nicht, dann hast du Glück! Mein Vater sagt, dass er zwar seinen Job verloren habe, aber wir trotzdem einen Weg finden werden, um zu feiern.» Und der 5-jährige Andy aus Kalifornien wünscht sich einen Nintendo-Switch für sich und seinen kleinen Bruder. Seine grösste Hoffnung folgt zum Schluss seines Schreibens: «Ich wünsche mir, dass Covid vorbei wäre, damit wir uns wieder umarmen können.»

Susanne Walitza, Direktorin an der Universitätsklinik Zürich für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, überrascht es nicht, dass sich die Jungen mit ihren Sorgen an den Weihnachtsmann wenden: «Für Kinder kann das eine sehr hilfreiche Strategie im Umgang mit Ängsten sein, genauso wie wenn das Kind ein Mutmachlied singt oder ein Kuscheltier in den Arm nimmt.»

Der Rat der Kinderpsychologin

Es sei möglich, dass ein Kind gegenüber seinen Eltern seine Sorgen für sich behält, und diese nur im Brief äussere, sagt Walitza. «Vielleicht vermutet manches Kind, dass der Weihnachtsmann viel Erfahrung oder speziell viel Zeit für ihre Fragen hat.»

Eltern rät die Kinderpsychologin, mit den Söhnen und Töchtern ehrlich und verständlich über Corona zu sprechen, ohne zu bagatellisieren oder zu dramatisieren. Das Thema totschweigen zu wollen, sei falsch, sagt Walitza. «Man kann Kinder nicht ohne Angst erziehen. Ausgestandene Ängste sind für eine normale Entwicklung von Kindern wichtig.»

Am meisten Briefe aus der Romandie

Seit Jahren erhält die Post die meisten Weihnachtsbriefe von Kindern aus der Westschweiz (rund 60 Prozent). Danach folgen die Geschenk-Wunschlisten aus der Deutschschweiz und dem Tessin. In der Westschweiz haben die Briefe an den «Père Noël» eine lange Tradition. Im Genfer Stadtteil Carouge beispielsweise wurde dieses Jahr sogar ein roter Briefkasten installiert, wo Kinder ihre Nachricht an Père Noël einwerfen können.

Innerhalb von drei Wochen zählte man mehr als 1500 Briefe, auch solche aus dem Kanton Waadt und aus Frankreich, wie die «Tribune de Genève» berichtete. Auch hier komme die Corona-Verunsicherung zum Ausdruck, sagt Carouges Bürgermeisterin Katia Vuagniaux. «Viele schreiben, dass sie traurig sind, ihre Grosseltern nicht besuchen zu können.»

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