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radar-reuters  Spätestens beim Blick in Schaufenster und auf Verkaufsflächen wird den Deutschen klar: es weihnachtet bald. Noch mehr als einen Monat Zeit bleibt, um Geschenke zum Fest zu besorgen. Doch der Einzelhandel, wie hier in Berlin, ist schon jetzt im November vorbereitet.
Und wie sieht es bei den Konsumenten aus? Kommt beim Gang durchs Einkaufszentrum Weihnachtsstimmung auf? Wird in diesem Jahr gespart oder geprasst?
KUNDIN GIORGINA GÖDSCHE

Bleiben die Kaufhäuser in diesem Jahr leer? Bild: kaltura://1789921/178992100/137000/1_3slr76fr

Wegen Corona dürfte das Weihnachtsgeschäft magerer ausfallen

Weltweit planen Konsumentinnen und Konsumenten, für die Festtage weniger Geld auszugeben. Laut Umfragen vermissen sie den Konsum nicht.

Gabriela Jordan / ch media



Weihnachten ist zwar erst in sieben Wochen, die Läden übertrumpfen sich aber schon jetzt mit dekorativen Päckchen, funkelndem Baumschmuck und ganz viel Schokolade. Letztes Jahr hätte das unter Leuten noch für Diskussionen gesorgt: «Das Weihnachtsgeschäft beginnt immer früher!», regten sich viele jeweils auf. «Es regieren wieder Kitsch und Kommerz!»

Dieses Jahr scheint sich daran kaum jemand zu stören. Wegen der Pandemie ist das Weihnachtsfest ohnehin schon in unseren Köpfen, seit Wochen spekulieren wir darüber, wie und ob wir am 24. Dezember feiern werden dürfen. Manche dürften sich deswegen früher als sonst um die Geschenke kümmern - auch aus Sorge, dass die Päckchen sonst nicht rechtzeitig ankommen. Denn die grosse Masse wird wegen Corona online bestellt, angefangen an Aktionstagen wie Black Friday.

Konsumenten weltweit planen Ausgaben für Festtage zu reduzieren

Bei vielen könnte die Bescherung diesmal allerdings magerer ausfallen. Die Konsumentenstimmung ist aufgrund der Krise immer noch getrübt und hat sich seit dem Sommer sogar leicht verschlechtert (-13 Punkte im Oktober). Schweizerinnen und Schweizer haben laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) tendenziell weniger Geld im Portemonnaie und sorgen sich zunehmend darüber, den Job zu verlieren.

Anfang Februar sagte eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY der Schweiz noch ein starkes Weihnachtsgeschäft voraus. Das durchschnittliche Geschenke-Budget würde mit 310 gar einen neuen Höchststand erreichen. Das war aber vor Ausbruch der Coronapandemie. Die Prognose ist daher ebenso überholt wie jene, dass 64 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ihre Geschenke im Laden und nicht online kaufen werden.

Vielleicht verzichtet der eine oder andere sogar ganz auf den Kaufrausch: So stellt das Beratungsunternehmen McKinsey in einer jüngsten Untersuchung fest, dass das Weihnachtsgeschäft weltweit schlechter wird. Genaue Zahlen für die Schweiz gibt es zwar nicht, Konsumenten rund um den Globus haben aber angegeben, ihre Ausgaben für die Festtage gegenüber dem Vorjahr zu reduzieren. Sinken werden sie demnach etwa in Italien (-49 Prozent), Frankreich (-38 Prozent), Deutschland (-22 Prozent) und in den USA (-25 Prozent). Steigen werden sie lediglich in China (+4 Prozent).

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Solche Szenen wie kürzlich im Shoppi Tivoli in Spreitenbach werden wir wohl nicht mehr sehen. Bild: forms://13/219428

Detailhändler wagen keine Prognosen zu machen

Für den Schweizer Detailhandel sind das keine guten Aussichten. Das Weihnachtsgeschäft macht jeweils einen grossen Teil des Jahresumsatzes aus, bei Manor sind es etwa bis zu 30 Prozent. Manor, Globus, Jelmoli und weitere Händler wagen nun keine Prognosen zu machen. Sie geben sich aber optimistisch: «Die Bevölkerung wird die Festtage grösstenteils in der Schweiz verbringen und so auch Geld in Essen, Getränke und Geschenke investieren», heisst es bei Manor.

Corona dürfte die Entwicklung im Detailhandel jedenfalls weiter spalten. Während Läden in Innenstädten sowie vor allem die Fashionbranche stärkere Einbussen haben werden, rechnen Onlinehändler und die Paketbranche mit Rekordzahlen.

Abstriche seien bei unserem hohen Konsumniveau problemlos möglich

Dock könnte es nicht auch sein, dass die Leute aufgrund anderer Defizite Kompensationskäufe machen werden? Sich sozusagen in den Konsum flüchten? Geld für Ausflüge oder Events kann man schliesslich kaum mehr ausgeben. Jakub Samochowiec, Forscher am Gottlieb Duttweiler Institut, glaubt das nicht: «Der Konsum ging bisher zurück. Teils aus Verunsicherung, teils fehlte es schlicht an Gelegenheiten, Gekauftes zu präsentieren. Gefehlt haben den Menschen laut Umfragen eher die Freunde als das Shoppen.» Laut Samochowiec könnte die Gesellschaft an diesem Lebensentwurf sogar Gefallen gefunden haben. «Bei unserem hohen Konsumniveau können viele Menschen völlig schmerzlos Abstriche machen. Vielleicht merken einige, dass hinzugewonnene Freizeit oder nur schon mehr Schlaf wertvoller sind als noch mehr Kaufkraft.» Eine radikale Abkehr vom Konsum erwartet der Forscher trotzdem nicht: «Wie viel Entbehrung die Romantik des Konsumverzichts tatsächlich erträgt, bleibt offen.»

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