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Die 7 schlechtesten Entscheidungen, die je gefÀllt wurden

Wir alle vertun uns mal in der Entscheidungsfindung. Wie schlecht diese Entscheidungen effektiv waren, zeigt sich erst im Verlauf der Zeit. Und so kommt es manchmal, dass aus schlechten Entscheidungen miserable Entscheidungen werden.
02.05.2021, 06:01

Niemand trifft aus Spass schlechte Entscheidungen. Wir entscheiden uns in der Regel basierend auf den uns bekannten Fakten und mit möglichst guter Absicht (zumindest was unsere eigene Position betrifft). Der Haken daran ist, dass wir niemals alle Fakten und Faktoren kennen können.

Und in dieser Blackbox - nennen wir sie kalkuliertes Risiko - wird aus einem klug abgewĂ€gten Entscheid unter UmstĂ€nden ziemlich rasch ein miserabler Beschluss, ĂŒber den man heute besserwisserisch den Kopf schĂŒttelt. So wie bei diesen sieben historisch schlechten Entscheidungen.

Vom BranchenfĂŒhrer in die Insolvenz

Beginnen wir mit dem Lieblingsbeispiel aller Betriebswirtschaftler, Management-Consultants und Wirtschaftssoziologen: dem spektakulĂ€ren Fall eines BranchenfĂŒhrers. Genauer gesagt dem Fall des Quasi-Monopols von Kodak in der Fotografie.

Fotografie und Kodak gehörten einst zusammen wie Google und «das Internet».
Fotografie und Kodak gehörten einst zusammen wie Google und «das Internet».
Bild: AP

Die Frage dabei ist, wie sich ein Unternehmen, das 1976 einen Marktanteil von zirka 90% auf KameraverkĂ€ufe in den USA hatte und folglich ĂŒber alle Ressourcen sowie das nötige Know-How verfĂŒgte, die Digitalisierung derart krass verpennen konnte.

Das Ironischste an der Affiche dabei ist, dass es ein Kodak-Ingenieur war, der die Digitalkamera ĂŒberhaupt entwickelte. Die Technologie hatten sie also In-House. Auch fĂŒhrten sie 1981 eine breitangelegte Marktforschung durch, die einheitlich darauf hindeutete, dass die Digitalkamera den Fotofilm ablösen wĂŒrde. Dieses Wissen hatten sie also ebenfalls aus erster Hand.

Kodak-Ingenieur Steven J. Sasson mit seinem 1975 entwickelten Digitalkamera-Prototyp.
Kodak-Ingenieur Steven J. Sasson mit seinem 1975 entwickelten Digitalkamera-Prototyp.
Bild: AP

Dennoch entschlossen sie sich, weiter auf analoge Fotografie zu setzen, da der Verkauf von Kameras, der direkt mit dem lukrativen Verkauf von Fotofilmen einherging, einfach zu lukrativ war. 1996 brachten sie mit dem Modell Advantix dennoch einen Hybrid auf den Markt, auf dem digital ausgewÀhlt werden konnte, welche Fotos entwickelt werden sollen.

Der ehemalige CEO von Eastman Kodak, George Fisher, prÀsentiert seine versiegende Goldquelle im Januar 1996, knapp zwei Jahre spÀter wurden 10'000 Stellen gestrichen.
Der ehemalige CEO von Eastman Kodak, George Fisher, prÀsentiert seine versiegende Goldquelle im Januar 1996, knapp zwei Jahre spÀter wurden 10'000 Stellen gestrichen.
Bild: AP

Das Unterfangen floppte, der Marktanteil von Kodak betrug 2012 gerade noch 10% und meldete noch im selben Jahr Insolvenz an.

Von Kobras und Ratten

Angeblich wollte einst ein britischer Gouverneur in Britisch-Indien die dort grassierende Kobraplage mittels Kopfgeld in den Griff kriegen – sprich: pro erlegte Kobra gibt es den Betrag X als Belohnung. Dies fĂŒhrte dazu, dass die Bevölkerung Kobras zĂŒchtete, um sich etwas dazuzuverdienen.

Und die britischen Beamten so:

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Bild: giphy

Folglich schaffte der Gouverneur das Kopfgeld ab, was die Kobras nutzlos machte. Die Schlangen wurden freigesetzt und die Plage hat sich letztlich verschlimmert. Der Kobra-Effekt war geboren.

Ähnliches geschah wĂ€hrend einer Rattenplage in Hanoi, als die französischen Besatzer ebenfalls Kopfgeld auf getötete Ratten ausschrieben. DafĂŒr musste als Beweis ein Rattenschwanz ausgehĂ€ndigt werden. Das Programm wurde schliesslich eingestellt, als sich die Ratten dennoch vermehrten und zusehends schwanzlose Ratten gesichtet wurden.

LĂ€uft.

Bild: giphy

Wie die Schotten die Pest zu sich holten und spÀter ihr Staatsvermögen verlochten

SpĂ€testens seit Braveheart wissen wir, dass die Schotten ein zĂ€hes, widerspenstiges Volk mit viel Charisma sind. Schaut man allerdings auf die Geschichte Schottlands, so zĂ€hlt auch ein Flair fĂŒr schlechte Entscheidungen zu ihrer IdentitĂ€t.

Schon mutig und so, aber in der Entscheidungsfindung historisch gesehen flatterhaft: die Schotten.
Schon mutig und so, aber in der Entscheidungsfindung historisch gesehen flatterhaft: die Schotten.
Bild: AP

Die UnabhÀngigkeit von England war den Schotten (wie wir bei Braveheart schon gelernt haben) lange heilig, ihre UnabhÀngigkeitskriege gehören zum Nationalstolz. Doch sie brachten nicht nur Ehre und Stolz nach Schottland, sondern auch die Pest.

Denn als England 1348 von der Pest gebeutelt in der Krise steckte, erachteten die Schotten dies als Chance, England zu erobern. Der Plan scheiterte, die RĂŒckkehrer schleppten die Pest ins Land und raffte verteilt ĂŒber mehrere Wellen rund die HĂ€lfte der schottischen Bevölkerung hin.

Oder um es nett auszudrĂŒcken:

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Bild: tenor

Noch ironischer wurde es Ende des 17. Jahrhunderts, als die Schotten das DariĂ©n-Projekt lancierten. Da Schottland nicht von englischen Kolonien profitieren konnte, wollten sie im Rahmen des Projekts in Panama ihre eigene Kolonie aufgleisen. Auch mittelstĂ€ndige Schotten investierten ihr ganzes Erspartes in die eigens dafĂŒr gegrĂŒndete Company of Scotland.

Malaria, Luftfeuchtigkeit, Moskitos, Klima, unfruchtbarer Boden - die GrĂŒnde fĂŒr das Scheitern waren mannigfaltig und der Untergang der Kolonie war schnell und spektakulĂ€r besiegelt. 900 der 1200 Siedler starben, die 300 Überlebenden brachen zur RĂŒckkehr auf. Derweil war eine weitere Flotte nichtsahnend unterwegs zur Kolonie, die lediglich Ruinen vorfand und letztlich von spanischen Siedlern belagert wurde.

Schön wÀr's ja schon gewesen in Darién.
Schön wÀr's ja schon gewesen in Darién.
Bild: wikimedia

Es wird geschÀtzt, dass durch diese Aktion rund die HÀlfte des liquiden schottischen Volksvermögens versenkt wurde. Das Land war in wirtschaftlich desolatem Zustand und konnte 1707 relativ locker von England eingenommen werden.

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Bild: gfycat

Die Vorlage fĂŒr eine Revolution verschenken

Xerox ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das sich ursprĂŒnglich auf Druckertechnologie spezialisierte. Aus Angst, dass sich dieser Markt aufgrund der sich vage abzeichnenden Digitalisierung verkleinern könnte, steckten sie frĂŒh schon MillionenbetrĂ€ge in die Forschung und grĂŒndeten 1970 das Palo Alto Research Center (PARC).

Schön.
Schön.
Bild: Shutterstock

Dort tĂŒftelten die hellsten Köpfe der Branche an den ersten Computern. 1973 hatten sie mit dem «Xerox Alto» bereits einen ersten Prototyp des Personal Computers (PC) erarbeitet – inklusive Maus, Copy Paste, Arbeits-Ordner, et cetera. Doch die Konzernchefs in New York konnten mit der Vision eines digitalen Arbeitsplatzes nichts anfangen, das PARC blieb vorerst ein Hort fĂŒr unverstandene VisionĂ€re.

Bild: wikipedia

1979 luden sie einen Jungunternehmer zu sich ein und zeigten ihm den Xerox Alto. Nach gerade mal zehn Minuten vor diesem PC war sich besagter Gast absolut sicher, dass die Zukunft des Computers nur so aussehen konnte. NatĂŒrlich war dieser Bursche Steve Jobs. Der Rest ist Geschichte – oder hast du jemals einen Xerox-PC gekauft?

Ein sehenswertes Video zu diesem folgenschweren Besuch:

Yahoo!. Alles.

Wenn wir schon bei Computern sind, so reden wir doch gleich ĂŒber das Internet. Da gibt es fĂŒr die meisten von uns nur Google. Dass dem so ist, ist eigentlich beinahe ein Zufall. Oder schlicht das Versagen von Yahoo. Die ganz kurze Timeline eines epischen Versagens:

  • 1998: Google-GrĂŒnder Larry Page und Sergej Brin brauchen fĂŒr ihr Projekt Geld und klopfen bei Yahoo! an: 1 Million US-Dollar fĂŒr die Lizenzierungsrechte. Yahoo! zeigt kein Interesse.
  • 2002: Google benötigt wieder Geld. Yahoo! offeriert 3 Milliarden US-Dollar, Page und Brin wollen fĂŒr ihr Unternehmen und vor allem deren Lizenzen aber deren fĂŒnf. Yahoo! springt ab.
  • 2008: Microsoft will das kriselnde Unternehmen Yahoo! fĂŒr 40 Milliarden ĂŒbernehmen. Yahoo! will nichts davon wissen.
  • 2016: Yahoo! wird an Verizon verkauft. FĂŒr 4,6 Milliarden US-Dollar.
  • 2021: Google allein hat einen Marktwert von 420 Milliarden US-Dollar, der Mutterkonzern Alphabet einen Wert von rund 900 Milliarden US-Dollar.

JĂ€nu.

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Bild: gifer

40'000 Elefanten erlegen – fĂŒr den Klimaschutz

Allan Savory ist ein Ökologe und Bauer aus Simbabwe. Seine Devise lautet, dass jegliche Form des Anbaus und der Haltung von Nutztieren in Einklang mit der Natur funktionieren kann. Diese Ansicht ist auch unter BerĂŒcksichtigung des heutigen Wissensstands absolut nachvollziehbar.

Allan Savory bei seinem TED-Talk 2013.
Allan Savory bei seinem TED-Talk 2013.
Bild: ted

Doch in den 1960er-Jahren empfahl er dem Staat eine eher unrĂŒhmliche Methode, um der zunehmenden Entwaldung in gewissen Regionen Herr zu werden. Ausgehend von der Annahme, dass eine Überpopulation von Elefanten zu immer kargeren Landschaften fĂŒhrte, sollten diese in rauen Mengen erschossen werden.

So sah Savory in den 1960er-Jahren aus.
So sah Savory in den 1960er-Jahren aus.
Bild: wikimedia

Nach rund 40'000 getöteten Elefanten kam jedoch auch er zur Einsicht, dass er sich wohl geirrt haben muss, denn der Effekt der Massnahmen blieb aus. Heute sieht er eine gesunde, ĂŒppige Tierpopulation gar als Voraussetzung fĂŒr gesunde Vegetation. Seine ehemalige Anweisung bezeichnet er daher wenig ĂŒberraschend als «den traurigsten und grössten Fehler meines Lebens.»

Dschingis Khan provozieren

Ganz generell legte man sich besser nicht mit Dschingis Khan an. Denn punkto Vergeltung kannte der aber mal gar nichts.

Aber zuerst alle gemeinsam: «HEY, HO, DSCHINGIS KHAN!»

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Bild: gfycat

Als Khans Reich gerade begann, sich expansiv auszuweiten, schickte er eine Handelskarawane von 500 HĂ€ndlern mit diversen GĂŒtern nach Otrar, um eine mögliche Handelsverbindung aufzubauen. Inaltschuck, der Gouverneur der Stadt, stimmte dies misstrauisch. Er griff die Karawane unumwunden an, exekutierte die Handelsleute, verkaufte ihre GĂŒter und weigerte sich, Khan eine Abfindung dafĂŒr zu zahlen.

Und Inaltschucks Soldaten so:

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Bild: tenor

Dschingis Khan entsandte daraufhin mehr oder minder gutmĂŒtig drei Boten fĂŒr Verhandlungen nach Choresmien, dem Reich, zu dem Otrar gehörte. Der Schah des Reichs schickte zwei davon mit dem Kopf des dritten zurĂŒck. Der wutentbrannte Dschingis Khan stellte also seine grösste Armee zusammen und fĂŒhrte sie nach Choresmien, nahm alles und jeden ein und machte dabei diverse StĂ€dte – Otrar inklusive – dem Erdboden gleich.

Und Otrar heute so:

Bild: wikimedia

Doch damit nicht genug. Er mobilisierte 20'000 Soldaten, um den geflĂŒchteten Schah zu töten. Zudem leitete er angeblich extra einen ganzen Fluss um (!), damit die Geburtsstadt des Schahs verarmte und verhungerte.

Weitere Aspiranten fĂŒr dumme (bis dĂŒmmste) Entscheidungen:

  • Maos Jagd auf die Spatzen, die 1958 in ganz China stattfand und den vermeintlichen SchĂ€dling ausrotten sollte, nur um ein Sommer spĂ€ter zu merken, dass sich Heuschrecken ohne Spatzen ungestört fortpflanzen konnten, was zu ausfallenden Ernten und Millionen von Hungertoten fĂŒhrte.
  • George W. Bushs Irakinvasion 2003 und die bedingungslose Verdammung aller Baath-Parteimitglieder, die letztlich zur GrĂŒndung von Terrororganisationen wie ISIS gefĂŒhrt hat.
  • WillkĂŒrliche geografische Grenzziehung (wie die Radcliffe-Linie zwischen Indien und Pakistan oder alle europĂ€isch geprĂ€gten Grenzziehungen in Afrika), die Millionen von sinnlosen Opfern forderten.
  • [Dein Vorschlag in den Kommentaren]
Redaktionelle Anpassung
In einer frĂŒheren Version wurde an erster Stelle dieser Liste die Ermordung Franz Ferdinands II. aufgefĂŒhrt, welche durch Maos Spatzenjagd ersetzt wurde, da sie die Leitidee des Artikels prĂ€ziser wiedergibt.

Noch mehr seicht Lehrreiches:

DANKE FÜR DIE ♄
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Bilder mit schrecklichen Kindern sind die beste VerhĂŒtung

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Schlechte Entscheidungen treffen wir alle ...

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