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Kommentar

Wie Spongebob meine Generation geformt hat

Spongebob-Gründer Stephen Hillenburg ist verstorben. Aber nicht, ohne vorher meine Generation zu formen.
28.11.2018, 13:48

Es wäre geheuchelt, zu behaupten, dass ich auch nur irgendetwas über das Leben von Stephen Hillenburg wusste. Sein Name war mir bestenfalls geläufig (danke, Spongebob-Intro), aber dass er an der tödlichen Nervenkrankheit ALS litt, war mir nicht bekannt. Bis zum 26. November 2018.

Dies ist kein Nachruf. Dies ist eine Laudatio auf den ersten und einzigen TV-Charakter, den ich als Kind verstehen konnte. Wer diesen geschaffen hat, ist und bleibt für mich nur ein Name. So leid es mir tut.

Spongebob Schwammkopf mit seinem Schöpfer Stephen Hillenburg

Bild: imgur

Der Generationenkonflikt

Kennst du den Moment, wenn du dich aus tiefstem Herzen verstanden fühlst, ohne beschreiben zu können, wieso genau, oder wieso das so guttut? Was in der heutigen Zeit von Memes und Gifs schlicht «relatable» genannt wird, empfand ich bereits als Kind, ohne mir dessen gewahr zu sein. Dank Spongebob.

Ein in einer Ananas hausender Schwamm, befreundet mit einem Seestern und einem Eichhörnchen. Wie kindisch. Quallenfischen, Krabbenburger, Plankton bekämpfen. Lächerlich. Meerjungfraumann, magische Miesmuschel, Hausschnecke. So en Seich!

So eN sEicH!

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Ich werde es meinen und auch sonst welchen Eltern (oder anderweitig erwachsenen Menschen) nie übel nehmen, was sie über Spongebob gesagt haben oder sagen. Weil sie es nie verstehen werden können.

Die Essenz von Spongebob

Vielleicht war es die Überstilisierung alltäglicher «Struggles», die deren Absurdität erkennbar machte und so aus beklemmenden Problemen und Unsicherheiten eine bekömmliche Komödie – sagt die rationale Stimme in mir.

... sagt Patrick.

Vielleicht ist es der Umstand, dass alle Figuren in Bikini Bottom als de facto Erwachsene nicht unfehlbar sind und mir als Kind begreiflich gemacht haben, dass auch später viele Probleme dieselben bleiben werden – sagt die rationale Stimme in mir.

... sagt Thaddäus.

Vielleicht war der absurd-abstrakte Humor das Ventil für all die weltlichen Ungereimtheiten, die ich mir nicht erklären konnte – sagt die rationale Stimme in mir.

... sagt Spongebob.

Klar, das alles ist und bleibt nur Inhalt einer moralpädagogisch mässig gehaltvollen Kindersendung. Rumgealbere überragt die Exemplifizierung der Konsequenz misslichen Tuns bei weitem. Naive Dämlichkeiten sind zentraler als die gewissenhafte Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Belanglose Neckereien zählen mehr als tugendhaftes Streben.

Wer dies jedoch als sinnfreie Blödeleien abtut, verkennt die Banalität des Erwachsenseins, weil er sich zu ernst nimmt. Wer sich daran stört, stört sich an der Tatsache, dass Spongebob das «Sein» meist über das «Sein-Sollen» stellt.

Unter dem Strich

Es ist vermutlich die Kinderserie der Generation Y. Denn sie spricht allen Overthinkern, FOMO-Opfern, ADHS-Betroffenen, Ironikern, Besserwissern und Alternativ-Denkenden gleichermassen aus dem Herzen. Ohne zu urteilen oder zu richten. Zumindest nicht ohne Augenzwinkern.

Spongebob ist eine Allegorie auf das Kind in uns, das sich weigert unter dem Druck einer verwirrenden und teils angsteinflössenden Umwelt einzuknicken.

So gut es geht, versteht sich.

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Kinder verstehen, ja, fühlen das. Und Erwachsene der Generation Y (die als Kind zumindest einen Teil ihrer Freizeit in Bikini Bottom verbracht haben) eben auch.

Danke dafür.

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Gif: gyfcat

«Ihr müsst mein Kind nicht toll finden, aber ...» – Hach, die Welt und ihre Kinder!

Video: watson/Emily Engkent

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