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Berns Torhueter Leonardo Genoni, Mitte, verabschiedet sich von den Zuger Spielern,  nach dem fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Samstag, 20. April 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die Spieler des SCB erhalten die Gratulationen der unterlegenen Zuger. Bild: KEYSTONE

Analyse

Darum machte der SCB im Final plötzlich kurzen Prozess mit Zug

Der SC Bern gewinnt den Playoff-Final mit 4:1 gegen den EV Zug. Die meisten Beobachter haben eine umkämpftere Serie erwartet. Wir analysieren, weshalb es nicht dazu gekommen ist.



Und dann ist die National-League-Saison plötzlich vorbei. Die Finalserie, von der wir uns so viel Spannung und Spektakel erhofft hatten, ging in fünf Spielen zu Ende. Bern schlägt Zug mit 4:1 und ist Schweizer Meister. Spannend und intensiv waren die Spiele auch. Man hatte das Gefühl, dass die Zuger oft auch nahe am Sieg waren. Aber es reichte nicht.

Wie kam es, dass der EVZ nach souveränen Viertel- und Halbfinals und dem Sieg im ersten Finalspiel plötzlich nur noch verlor? Wir haben analysiert.

Kontrolle im Slot

Die Playoffs des SCB waren ein Steigerungslauf. Hätten die «Mutzen» gegen Zug genau gleich gespielt, wie gegen Genf im Viertelfinal, es hätte nicht zum Titel gereicht. Kari Jalonen schaffte es, sein Team von Serie zu Serie zu verbessern. Insbesondere das Spiel im Slot wurde deutlich stärker.

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Prozentzahl Schüsse im Slot für und gegen die Finalisten in den ersten beiden Playoff-Runden. quelle: sihf.ch; Bild: watson, infogr.am

Zeichneten sich die Zuger über die ganzen Playoffs dadurch aus, oft aus dem Slot zu schiessen und selbst wenige Schüsse von dort zuzulassen, war im Final ab dem zweiten Spiel das Gegenteil der Fall. Nach der Niederlage im ersten Finalspiel trat der SCB viel konsequenter auf.

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Prozentzahl Schüsse im Slot in den Finalspielen. quelle: sihf.ch; bild: watson, infogr.am

Im ersten Finalspiel kamen 36 Prozent aller Zuger Schüsse aus dem Slot. Bei den vier Berner Siegen waren es fünf Prozent weniger, obwohl der EVZ oft einem Rückstand hinterherlief und viel Druck auf das Tor von Leonardo Genoni brachte. Die Berner selbst steigerten ihren Anteil an Slot-Schüssen von 26 Prozent aus dem ersten Spiel auf durchschnittlich 34,75 Prozent.

Unbezwingbare Wand

Ohne Leonardo Genoni wäre der SCB vermutlich nicht Meister geworden. Die defensive Disziplin erlangten die Berner wie oben aufgezeigt erst im Final. Ohne einen überragenden Torhüter hätten die Mutzen diesen aber kaum erreicht.

Auch im Final musste Genoni gegen die Zuger Spitzenstürmer nochmals sein ganzes können auspacken. Seine Fangquote über die gesamten Playoffs beträgt 94,55 Prozent. Der Kilchberger liess pro Spiel nur 1,66 Tore zu.

«Goals Saved Above Average»

«Goals Saved Above Average» (GSAA) – also gehaltene Tore über dem Durchschnitt – ist eine Statistik, die aufzeigen soll, ob ein Torhüter besser oder schlechter als der Ligadurchschnitt agiert. Dabei setzt man die durchschnittliche Fangquote der Liga ins Verhältnis mit den Schüssen, die auf das Tor des jeweiligen Torhüters geflogen sind. Damit kriegt man die Anzahl Tore, die ein durchschnittlicher Torhüter bei dieser Anzahl Schüsse kassieren würde. Dann vergleicht man die tatsächliche Anzahl erhaltener Tore mit dem Durchschnitt und sieht, ob der Torhüter darüber oder darunter liegt.

Und ein Blick auf die «Goals Saved Above Average»-Statistik bei nlicedata.com zeigt, dass Genoni dem SCB im Vergleich zu einem Durchschnittsgoalie 14 Tore erspart hat. Er hat Eishockey-Bern nochmals gezeigt, was ihm nächste Saison fehlen wird.

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«Goals Saved Above Average» über die Playoff-Serien. quelle: Nlicedata.com; Bild: watson, infogr.am

Auch Tobias Stephan müssen wir hier noch erwähnen. Dass der EV Zug den Final verloren hat, lag nicht am 35-Jährigen. Stephan spielte insgesamt gute Playoffs und auch einen guten Final. Doch wenn die eigenen Spieler weniger als zwei Tore pro Spiel erzielen, reicht eine gute Torhüterleistung nicht.

Check an Suri

Es ist ein unschönes Kapitel, doch auch der heftige Check von Adam Almquist gegen den Kopf von Reto Suri hat die Serie mitentschieden. Wir wollen dem SCB-Verteidiger keine Absicht unterstellen. Es war einfach eine unüberlegte Aktion. Der verzweifelte Versuch eines Spielers, angesichts der bevorstehenden Niederlage ein Zeichen zu setzen, obwohl das Körperspiel sonst nicht seine Stärke ist.

Der Check von Almquist an Suri.

Das Resultat war, dass nicht nur der SCB (vier Spielsperren gegen Almquist) sondern auch der EVZ vorübergehend einen guten Spieler verlor. Reto Suri war einer der besten Zuger in dieser Saison und insbesondere in den Playoffs. In den zehn Spielen vor Almquists Check erzielte er vier Tore und bereitete weitere vier vor. Der 30-Jährige kämpfte vorbildlich für den Verein, bei dem er keine Zukunft mehr hat.

Suri kehrte zwar nach nur einem Spiel Verletzungspause und einem Zahnarzttermin wieder zurück. Doch nachdem er derart einstecken musste, fand der Stürmer nicht mehr zu seiner vorherigen Form zurück. In den letzten drei Finalspielen kam er noch auf einen Assist.

Josh Holden tröstet Reto Suri nach der Finalniederlage.

Aufblühende Stars

Während Suri oder auch andere Zuger Stars wie Carl Klingberg im Final kein Faktor mehr waren, so schafften es die wichtigen Spieler des SC Bern in der wichtigsten Serie bereit zu sein. Captain Simon Moser oder Topskorer Mark Arcobello waren die ganzen Playoffs über präsent. Andere Stars wie Jan Mursak, Eric Blum, Ramon Untersander oder Gaëtan Haas blühten erst im Final so richtig auf.

Berns Gaetan Haas jubelt mit dem Meisterpokal, nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Samstag, 20. April 2019, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Gaëtan Haas, der beste Spieler des Finals. Bild: KEYSTONE

Haas war im Final mit vier Toren und zwei Assists der beste Berner. Das kommt überraschend, fiel er doch zwischendurch in den Playoffs verletzt aus. Doch der Center, der im zweiten Finalspiel sein Comeback gab, sprühte nur so vor Spielfreude. Er schoss Tore, spielt gute Pässe, war sich aber auch nicht zu schade, sich in der eigenen Zone in gegnerische Schüsse zu werfen.

Auch Untersander kam von einer Verletzung zurück, zwischenzeitlich wusste der Verteidiger nicht, ob er diese Saison überhaupt noch spielen kann. Doch als er dann grünes Licht erhielt, dauerte es nicht lange und der 28-Jährige konnte seine gewohnte Dominanz ausspielen.

Wurde Eric Blum in den vorhergehenden Serien noch stark kritisiert, fand er seine Form im Final plötzlich doch noch. Mit seinem Treffer zum 2:1 gestern in Bern avancierte der Verteidiger gar noch zum Meisterschützen.

Fazit

Die Serie war eng. Zug musste sich nur einmal deutlich geschlagen geben (beim 1:4 auswärts in Spiel 3). Doch insgesamt fehlte den Zentralschweizern extrem wenig, um die Final-Affiche gegen Bern ausgeglichener zu gestallten. Sie hatten das Pech, dass die teilweise schlummernden Bären gerade noch rechtzeitig erwachten und dass Goalie Leonardo Genoni gut genug hexte, um die Berner Chancen auf den Titel über 18 Spiele aufrecht zu erhalten.

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