DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Le joueur bernois Mauro Dufner, gauche, montre sa deception avec ses coequipiers a la fin du 6eme match du quart de finale de play off de National League A du championnat suisse de hockey sur glace, saison 2014-2015, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le SC Bern, SCB, ce jeudi 12 mars 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Der SC Bern muss nach der gestrigen Niederlage zur «Belle» antreten. Bild: KEYSTONE

Der SCB zieht den chancenlosen Spielfeld-Protest zurück – aber es war mehr als bloss Zwängerei

Der Spielfeld-Protest gegen die Wertung der 1:2- Niederlage in Lausanne war aussichtslos. Das hat SCB-Sportchef eingesehen. Er hat den Protest nicht bestätigt.



Auf den ersten Blick sind die Berner ganz einfach schlechte Verlierer. Die ganze Aufregung um einen Spielfeldprotest in einer Playoffserie hinterlässt diesen Eindruck. Zumal es ja keine skandalöse Schiedsrichterentscheidung oder eine andere ganz offensichtliche Benachteiligung des SC Bern gegeben hat.

Der SCB hat klar und wahr in Lausanne 1:2 verloren. Dabei bleibt es nun auch: Kein Spielfeldprotest und auch keine Videos – weder vom SC Bern noch von Lausanne – und vor dem siebten Spiel auch keine von den ZSC Lions oder Biel.

Und doch macht dieser scheinbar sinnlose Aktivismus des SCB-Sportchefs Sinn. In den Playoffs gewinnt die Mannschaft, die im Rahmen der Regeln ALLES für den Sieg tut. Diese kompromisslose Einstellung entscheidet am Ende des Tages. Es ist eine Einstellung, die wir auch als Sieger-Mentalität bezeichnen. Sie zeigt sich in einem Sportunternehmen auf allen Stufen. Von ganz oben bis ganz unten.

Le defenseur lausannois Jannik Fischer, gauche, lutte pour le puck avec le top scorer bernois Martin Pluess, droite, lors du 6eme match du quart de finale de play off de National League A du championnat suisse de hockey sur glace, saison 2014-2015, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le SC Bern, SCB, ce jeudi 12 mars 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (PHOTOPRESS/Laurent Gillieron)

Ein hoher Stock von Martin Plüss gibt zu reden. Bild: PHOTOPRESS

Wenn von den Spielern ein Maximum verlangt wird, dann müssen die Spieler umgekehrt auf ein Maximum von ihrem Umfeld erwarten können. Dazu gehört in den Playoffs ein Sportchef, der ALLE Möglichkeiten ausschöpft, die ihm die Spielregeln geben.

Es ist geradezu seine Pflicht, jede noch so winzige Chance zu packen – auch dann, wenn es sich um einen unpopulären und wahrscheinlich aussichtslosen Spielfeldprotest handelt. Und es ist auch seine Pflicht, alle TV- und Video-Bilder auf mögliche Vergehen zu prüfen und allenfalls einen wichtigen gegnerischen Spieler einer Sperre zuzuführen.

Video du mir, so Video ich dir

Entscheidend ist bei all diesen Aktionen die Wirkung nach innen – und die Gelassenheit jener, die sie inszenieren. Wenn solche Aktionen wie dieser chancenlose SCB-Spielfeldprotest in Lausanne das Resultat blank liegender Nerven, Hektik und schierer Ratlosigkeit sind – dann wirkt der Aktivismus kontraproduktiv. Wenn diese Aktionen nach innen als Entschuldigung für eine Niederlage akzeptiert werden, dann wird es ebenfalls gefährlich.

Wenn hingegen Proteste und das Spielchen «Video du mir, so Video ich dir» mit kühlem Verstand und kalter Berechnung inszeniert werden, dann ist das jeweilige Theater Ausdruck einer kompromisslosen Siegermentalität.

Sven Leuenberger, Sportchef des SC Bern aeussert sich an einer Medienkonferenz am Montag 16. August 2010 in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

SCB-Sportchef Sven Leuenberger ist ein gewiefter Taktiker. Bild: KEYSTONE

Wenn wir wüssten, ob SCB-Sportchef Sven Leuenberger seinen Spielfeldprotest aus schierer Verzweiflung oder kalter Berechnung gemacht hat, dann wüssten wir auch, wer das siebte Spiel gewinnt. Sven Leuenberger kann seine Nervosität gut unter Kontrolle halten und selbst dann auf cool machen, wenn in der SCB-Sportabteilung in Extremsituationen wie vor einem siebten Playoffspiel alles drunter und drüber geht.

Aber es gibt viele Anzeichen, dass bei SCB-Trainer Guy Boucher die Nerven blank liegen. Ein Scheitern wäre für ihn verheerend – er wäre dann weiterhin ein Verlierer, der abgesehen vom Schweizer Cup mit einem Profiteam noch nie etwas gewonnen hat. Mit etwas Boshaftigkeit können wir aber auch sagen: der SCB kann nicht nur dank, sondern eben auch trotz seines Cheftrainers gewinnen, ins Halbfinale einziehen und Meister werden.

NLA-Playoffs 2015

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Skandal! Arosa verkauft seinen Platz in der NLA dem SC Bern

13. März 1986: Der SC Bern erkauft sich den Wiederaufstieg in die NLA im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser grösste Betrugsfall und Skandal in der Geschichte unseres Eishockeys hat letztlich aber allen geholfen.

Skandal? Das Wort stammt aus dem spätlateinischen Scandalum und bedeutet Ärgernis. Doch eigentlich ist der grösste Skandal des Schweizer Eishockeys kein Ärgernis und kein Betrug. Sondern im Urteil der Geschichte ein Glücksfall. Es ist eine Geschichte, wie sie nur das Schweizer Eishockey schreiben kann. Im Mittelpunkt steht Peter Bossert, von 1976 bis 1986 Präsident des EHC Arosa, später auch beim EHC Kloten engagiert.

Sein Pech ist es, dass er 20 Jahre zu früh kommt. Dieser tüchtige, visionäre …

Artikel lesen
Link zum Artikel