DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

SC Bern ist Cupsieger

Gibt's den entscheidenden Schub?

Eismeister Zaugg

Der SCB holt den Cup – aber Marc Lüthi fehlt das meisterliche Selbstvertrauen

Ein «Final-Verlierer-Grand-Slam» für Martin Gerber und der Ehrentitel «Silberschmied von Bern» für Sean Simpson. Aber mit einem 3:1 gegen die Kloten Flyers feiert der SCB den grossen Triumph und gewinnt den Cup. 



Der sportliche Gehalt war mittelmässig. Aber die Unterhaltung vorzüglich. Zumindest vor dem Spiel. Sogar Verschwörungstheoretiker sind beim ersten Cup-Final seit 1973 auf die Rechnung gekommen.  

Der Teambus der Kloten Flyers bleibt bei der Anreise nach Bern im Gubrist-Tunnel stecken. Mehrere Unfälle und Rauchentwicklung führen zu einem Megastau. Die Spieler müssen aussteigen, durch den Notausgang den Tunnel verlassen und 300 Meter zu Fuss gehen. Bald können sie wieder einsteigen und es geht weiter Richtung Bern. Nach Wangen an der Aare sorgt eine Polizei-Eskorte für zügige Fahrt.  

Klotens Spieler, enttaeuscht nach dem  Final des Swiss Ice Hockey Cups 2014/15 zwischen dem SC Bern und den Kloten Flyers, am Mittwoch, 11. Februar 2015, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Waren meist einen Schritt zu spät: Die Kloten Flyers. Bild: KEYSTONE

Verspätung wegen Unfall keine Entschuldigung

Woher kam der Rauch? Hatte Armin Meier, der tüchtige Chef der Vermarktungsagentur, die den Cup veranstaltet (InfrontRingier), eine Rauchpetarde zünden lassen um noch einmal auf allen Kanälen ordentlich Werbung für «sein» Endspiel zu machen? Natürlich nicht. Aber die Meldung vom blockierten Teambus macht am Vorabend die Runde durch alle Medien. Am Ende ist es gar nicht so schlimm. Die Zürcher treffen um 19:04 Uhr in Bern ein – rund 45 Minuten später als geplant. Deshalb beginnt die Partie mit einer viertelstündigen Verspätung um 20.30 Uhr. «Die Verspätung hat unsere Vorbereitung nicht gestört», wird Sean Simpson hinterher sagen. «Als wir in Bern 5:1 gewannen, waren wir wegen Schneefalls auch zu spät in Bern angekommen.» 

Die Kloten Flyers sind dann auch auf dem Eis meistens in den meisten Szenen zu spät gekommen und haben viel zu spät ihren einzigen Treffer zum 3:1 erzielt (50. Min.). Bereits nach 24 Minuten ist mit dem 3:0 alles vorbei und der SCB steht zum zweiten Mal in seiner Geschichte (nach 1965) als Cup-Sieger fest. Fortan braust eigentlich vor allem Jubel auf, wenn ein bisschen gerauft wird oder wenn auf dem grossen Videowürfel ein Pärchen von der Kamera erfasst, in ein grosses Herz gebeamt wird und sich zu küssen hat. Der Werbegag eines Hauptsponsors.  

Bern bangt um Bertschy

Der SC Bern hat den Cup gewonnen aber Christoph Bertschy nach einem Zusammenstoss mit Klotens Patrick von Gunten (kein Foul) verloren. Es war ein schräges Bild: Der Nationalstürmer humpelte an Krücken im SCB-Dress zur Siegerehrung aufs Eis und heizte die Jubelgesänge der Fans mit dem Gehbesteck an. Der Pechvogel sagt: «Ich kann nicht einmal sagen, wie es zu dieser Verletzung gekommen ist.» Er sei nach einem Zweikampf gestürzt. Nun habe er Schmerzen im Hüftgelenk. Eine genaue Diagnose wird erst nach weiteren ärztlichen Untersuchungen möglich sein. Ein vorzeitiges Saisonende ist nicht auszuschliessen.

Sean Simpson: «Wir waren einfach zu wenig gut»

Wenn schon auf dem Videowürfel geschmust wird, dann gehört sich auch, dass die Verlierer getröstet werden. Für die Klotener gibt es am Schluss einen netten Trostpreis. Eine Silbermedaille für den Final-Verlierer. Sean Simpson ist nun ein doppelter Silberschmied. 2013 gab es nach dem verlorenen WM-Final in Stockholm auch Silber. Nun ist der Kanadier auch der Silberschmied von Bern. 

Für jeden Spieler und Betreuer beim Sieger gab es eine Goldmedaille, für alle Verlierer also Silber. Auch für Sean Simpson. Der Kanadier verzichtete allerdings auf das Edelmetall. Er verliess das Eis schon vor der Medaillenübergabe und verschwand in der Kabine. Er zeigte sich aber als guter Verlierer. «Wir waren einfach zu wenig gut.» Und sagte, 2013 im WM-Finale sei die Nationalmannschaft dem Sieg viel näher gekommen als jetzt seine Kloten Flyers dem Cup-Triumph.  

Kloten Flyers Cheftrainer Sean Simpson ruempft die Nase waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und Geneve Servette HC am Freitag, 16. Januar 2015, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Fairer Verlierer: Sean Simpson. Bild: KEYSTONE

Gerber verliert als erster Schweizer vier verschiedene Finals

Wer will, kann auch noch erwähnen, dass dem Titan Martin Gerber einen «Grand Slam» gelungen ist. Als erster Schweizer Goalie hat er vier verschiedene Finals verloren. Die Stanley-Cup-Finals von 2003 und 2007, den Playofffinal 2005 in Schweden, den WM-Final von 2013 und nun eben unseren Cup-Final von 2015. Das mag eine statistische Boshaftigkeit sein. 

Bedenklicher ist schon die «Poulidorisierung» der Kloten Flyers. Nach den Playoff-Finals von 2009, 2011 und 2014 haben sie nun schon zum vierten Mal hintereinander ein Final verloren. Der Begriff «Poulidorisierung» geht auf den Radrennfahrer Raymond Poulidor zurück. Er ist einer der populärsten Sportler Frankreichs geworden, weil er die Tour de France eben nie gewonnen hat und in so vielen Rennen nur Zweiter geworden ist. 

11.02.2015; Bern; Eishockey Schweizer Cup Final - SC Bern - Kloten Flyers; 
Torhueter Martin Gerber (Kloten) nach dem Tor zum 3:0
(Urs Lindt/freshfocus)

Martin Gerber holt sich den unrühmlichen «Grand Slam». Bild: Urs Lindt/freshfocus

Langweiliges Spiel, aber gut inszeniert

Haben wir im Cup-Final grosses Hockey gesehen? Nein, ganz und gar nicht. Die Kloten Flyers waren eine Nummer zu klein. So wie das halt im Normalfall ist, wenn der NLA-Leader gegen den 10. der Tabelle spielt. Es war gut inszeniertes, aber langweiliges Alltagshockey im Sonntagsgewand des Kommerz und des Spektakels. Der Auftakt war gar festlich: Erst der Berner Marsch zu Ehren des SC Bern. So wie vor jedem SCB-Heimspiel: 
«Tram, Tram, trädiri, Mueter, morn mues g’chüelet si
Träm, räm, trädiri, Rösti u Späck im Häfeli»

Anschliessend die Nationalhymne. Die SCB-Anhänger singen mit, aber die unanständigen, vaterlandslosen Gesellen im Fansektor der Kloten Flyers stören die patriotische Feierstunde und singen ihre eigenen Songs. Später zünden sie auch noch verbotenerweise Pyros. 

11.02. 2015; Bern; Eishockey Schweizer Cup Final - SC Bern - Kloten Flyers:  Berner Fans mit Choreografie. (Christian Pfander/freshfocus)

Die ausverkaufte Halle sorgte für gute Stimmung. Bild: Christian Pfander/freshfocus

Der Cup-Sieg kann den entscheidenden Schub geben

Auch fürs Spiel gilt: Gly isch g’chüelet gsi. Aber wir sollten uns davor hüten, den so früh sichergestellten SCB-Sieg gering zu schätzen. Die psychologische Wirkung des Triumphes ist nicht zu unterschätzen. Zum ersten Mal in seiner Karriere hat SCB-Trainer Guy Boucher im Erwachsenenhockey einen Titel errungen. Wir wissen jetzt, dass er kein Verlierer ist und Meister werden kann. 

SCB-General Marc Lüthi sagt, nun habe der SCB wenigstens einen Teil des letztjährigen Misserfolges (Playoffs verpasst) wieder gutgemacht. Das alte, meisterliche Selbstvertrauen ist aber noch nicht ganz zurückgekehrt. Auf den Vorschlag eines vorwitzigen Zaungastes, doch das Siegerpodest, das dann auch für die Siegerehrung der Meisterschaft gebraucht wird, gleich für die Meisterfeier im Berner Hockey-Tempel einzulagern, ging er nicht ein. Und so muss die ganze Einrichtung, die einen 14 Meter langen Lastenzug füllt, wieder ins Magazin nach Muttenz/BL gekarrt werden. 

epa04379112 CEO Marc Luethi of Swiss Ice Hockey club SC Bern poses for the photographer during the season media day of the SC Bern, 01 September 2014, Bern, Switzerland.  EPA/ANTHONY ANEX

Marc Lüthi will das Podest nicht beim SCB einlagern. Bild: EPA/KEYSTONE

Jetzt gilt es für Kloten ernst

Die Feier im Stadion war nicht so emotional und ausgelassen wie nach dem Gewinn einer Meisterschaft. Ein finaler Triumph am Ende der Saison ist halt schon noch etwas ganz anderes. Logisch, es geht ja am Freitag für den SC Bern und für die Kloten Flyers schon weiter. Für Kloten ist die Niederlage nicht soooo schlimm. Erst am Freitag, im Heimspiel gegen Biel, ist verlieren verboten. Sonst verpassen die Zürcher als Vorjahresfinalisten die Playoffs. 

Freinacht gab es in Bern keine und die Stimmung im Stadion ebbte rasch ab. Kurz nach Mitternacht brausten aber dann in der Stadionbeiz noch einmal Jubelgesänge auf. Aber nicht um den Cupsieg zu feiern. Ein Gast feierte in den Geburtstag hinein und seine Freunde sangen «Happy Birthday to you!»

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wird von Apple als «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Allen ist klar, dass die Party eigentlich vorüber ist – Kloten wird aufsteigen

Kloten gewinnt den ersten Final gegen Ajoie 5:2. Aber das ist eigentlich unerheblich: Der Aufstieg ist vollbracht.

Früher gab es allerorten Tanzabende. Wenn es Zeit wurde, nach Hause zu gehen (allein oder auch nicht) und sich der Saal langsam leerte, spielte die Band leise noch ein paar Takte.

So ist es irgendwie mit dem Final der Swiss League zwischen Kloten und Ajoie. Die Saison ist eigentlich gelaufen. Unten auf dem Eis spielen die Teams noch ein wenig. So wie damals die Band. Durchaus flott. Aber allen ist klar, dass die Party eigentlich vorüber ist.

Kloten hat die Liga im Frühjahr 2018 nach einem der …

Artikel lesen
Link zum Artikel