DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Berns Eric Blum wird nach einem Check von Davos' Fabrice Herzog, nicht im Bild, behandelt, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und HC Davos, am Sonntag, 14. Februar 2021 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Eric Blum ist nach dem Check von Fabrice Herzog übel hergerichtet. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Der «Fall Herzog» – wenn Richter den Hockey-Verstand verlieren

Nur 8 Spielsperren für Fabrice Herzog – ein Fehlurteil mit fataler Signalwirkung.



Eishockey ist ein gefährlicher Sport. Das wissen die Klubkassiere am besten: Die Unfallversicherungen führen Eishockeyprofi in der höchsten Risikoklasse mit den höchsten Prämien. Kanadas Nationaldichter Al Purdy hat einmal geschrieben, Eishockey sei eine Mischung aus Ballett und Mord.

Das Spiel ist heute so schnell wie nie. Die Spieler sind so kräftig wie nie. Die Aufprallenergie steigt im Quadrat zum gesteigerten Tempo. Gehirnerschütterungen sind das grösste Gesundheitsrisiko. Angriffe gegen den Kopf des Gegenspielers eine hockeytechnische «Todsünde».

In den Verbandsbüros werden Broschüren gefertigt und T-Shirts mit der Botschaft «Respekt» bedruckt. Von Kindesbeinen an werden die künftigen Stars ermahnt, die Gesundheit der Gegenspieler zu respektieren. Und auf jeden Fall und unter allen Umständen Angriffe gegen den Kopf zu unterlassen Solche Checks können fatale Folgen haben und Karrieren beenden.

Und nun streckt ein «Wiederholungstäter» einen Gegenspieler ohne jede Not mit einem fürchterlichen Check gegen den Kopf nieder. Das Foul von HCD-Powerstürmer Fabrice Herzog gegen SCB-Verteidiger Eric Blum gehört zu den übelsten der jüngeren Geschichte.

Wenn es je ein Vergehen gegeben hat, das mindestens 10 Spielsperren verdient, dann dieses Foul von Fabrice Herzog.

Die Hockey-Richter haben ihn mit 8 Spielsperren «belohnt». Sie waren milde.

Drakonische Strafen, die beim Volk gut ankommen, wie den Sünder so lange «aus dem Verkehr ziehen» wie der verletzte Spieler ausfällt, oder 20 Spielsperren, sind unsinnig.

Eine Sanktion im Rahmen der Hockeygesetze wird problematisch, wenn sie in ein Berufsverbot mündet. 20 Spielsperren sind vor diesem juristischen Hintergrund nicht haltbar. Den Hockeyrichtern sind also die Hände gebunden. Aber sie können immerhin ihren begrenzten Spielraum ausreizen. 10 Spielsperren sind möglich.

Wenn die Hockeyrichter bei einem so üblen Foul mit so schwerwiegenden Verletzungsfolgen – wann Eric Blum wieder gesund sein wird, weiss niemand – diesen Spielraum nicht ausnützen und es bei 8 Sperren bewenden lassen, dann gibt es nur eine Bewertung: Fehlurteil mit fatalen Folgen.

Berns Thomas Thiry, rechts, sagt Davos' Fabrice Herzog, links, die Meinung, nach einem Check von Herzog gegen Berns Eric Blum (nicht im Bild), im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und HC Davos, am Sonntag, 14. Februar 2021 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die SCB-Spieler knüpfen sich nach dem Foul an Blum Fabrice Herzog vor. Bild: keystone

Formaljuristisch ist der «Fall Herzog» korrekt abgehandelt worden. Mag sein, dass es im Hinblick auf die Ewigkeit unerheblich ist, ob Fabrice Herzog 8 oder 10 Spiele zuschauen muss. Aber für die Signalwirkung ist es aus zwei Gründen erheblich, ob es 8 oder 10 Partien sind.

Erstens entfällt ein Teil der heilsamen Abschreckung. Ich war böse. Ich war rücksichtslos. Meinen Gegenspieler hat es übel erwischt. Die Empörung in der Hockeygemeinde ist allenthalben gross. Aber so schlimm wird es wohl doch nicht gewesen sein. Es hat ja bloss 8 Sperren abgesetzt. Auf geht’s!

Zweitens. Stars wie Fabrice Herzog sind Vorbilder für die Hockey-Jugend. Alle Ermahnungen, die Gegenspieler zu respektieren und vor allem Angriffe auf den Kopf zu vermeiden, verlieren ihre Wirkung, wenn solche üblen Regelübertretungen wie im «Fall Herzog» milde beurteilt werden.

Tief in der Seele, in der DNA des Hockeys schlummert eine archaische Roh- und Wildheit. Eine Verherrlichung von Härte und Gewalt. Das macht sogar einen Teil der Faszination dieses Spiels aus.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

Aber wenigstens von den Hockeyrichtern sollte man verlangen können, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind, dieser Faszination nicht erliegen und mit klarem Hockey-Verstand urteilen.

Im «Fall Herzog» hatten sie diesen Verstand nicht.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

Du bist ein echter Eishockey-Fan? So kriegst du das Stadion-Feeling zuhause hin.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Die grosse Frage beim SC Bern – wagt der Sportchef das «Experiment Schlegel»?

Das Thema Niklas Schlegel (24) beschäftigt SCB-Sportchef Alex Chatelain. Der ZSC-Goalie könnte die Lösung für sein Torhüter-Problem sein.

Niklas Schlegel hat für die ZSC Lions den Sieg gegen Gottéron (3:1) festgehalten. Mit einer famosen Fangquote von 96,15 Prozent. Aber die Nummer 1 wird er in Zürich trotzdem nicht. Die ist für Lukas Flüeler (30) reserviert. Den Meistergoalie von 2012, 2014 und 2018 mit Vertrag bis 2020. Den Titanen, der zweimal auswärts (in Bern und in Lugano) das 7. Finalspiel gewonnen hat.

Der SC Bern muss auf nächste Saison Leonardo Genoni (32) ersetzen. Er wechselt mit einem Fünfjahresvertrag zum EV Zug.

Noch …

Artikel lesen
Link zum Artikel