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Portrait vom CEO des SC Bern, Marc Luethi, am Montag, 13. August 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

SCB-Boss Marc Lüthi: «Es wäre schön, wenn wir uns fünf Ausländer leisten könnten»

Nur noch der SC Bern und die Ticino Rockets haben den Trainer für die nächste Saison noch nicht offiziell bestätigt. SCB-Mitbesitzer, Verwaltungsrat und Manager Marc Lüthi (59) spricht über die Trainersituation in Bern, Geisterspiele und den Ernst der Lage.



Wir erleben gerade einen historischen Moment in der SCB-Geschichte.
Marc Lüthi: So? Das müssen Sie mir erklären.

Zum ersten Mal seit Sie 1998 das Management übernommen haben, versenden Sie die Rechnungen für die Saisonabis aber noch niemand weiss, wer nächste Saison SCB-Trainer sein wird.
Das hat mir der Corona-Krise zu tun.

«Die TV-Einnahmen sind viel zu gering.»

Aber bis auf die Ticino Rockets haben alle anderen Klubs ihre Trainer unter Vertrag. Polemisch könnte man formulieren: der SCB taumelt sportlich führungslos durch den Sommer.
Das wäre in der Tat polemisch. Aber jetzt ist ganz und gar nicht Zeit für Polemik. Ich bin nicht ganz sicher, ob sich alle bewusst sind, in welch kritischer Lage wir alle nach wie vor stecken. Wir sind in Bern durch die Corona-Krise auf Feld eins zurückgeworden worden und die Situation ist so ernst wie 1998, als ich nach der Nachlassstundung beim SCB angefangen habe. Niemand weiss, wann die Meisterschaft beginnen kann und ob Zuschauer im Stadion erlaubt sein werden. Wir wissen nur, dass bis Ende August keine Spiele mit über 1000 Zuschauern möglich sind. Wir sind völlig von der Politik abhängig und je früher wir Rechtssicherheit haben und wissen, wie es weiter geht, desto besser.

Sollte nicht wegen der TV-Gelder trotzdem gespielt werden?
Nein, diese Einnahmen sind viel zu gering. Wir könnten damit die Löhne nicht bezahlen. Sobald wir mit dem Mannschaftstraining und dem Spielbetrieb beginnen, entfällt auch die Entlastung durch die Kurzarbeitsregelung.

Wir sind vom Thema abgekommen: Der SCB hat nach wie vor keinen Trainer.
Das ist kein Problem. Mit Lars Leuenberger haben wir einen Assistenten, der die Mannschaft sehr gut kennt. Es reicht, wenn der Trainer mit dem Beginn des Eistrainings Anfang Juli da ist. Während des Sommers brauchen wir keinen Trainer. Wir sind also sportlich keineswegs führungslos.

«Bis Ende Juni wird der Trainer bekannt sein.»

Das stimmt nicht ganz. Kari Jalonen kam jeweils schon nach der Eishockey-WM Ende Mai nach Bern um alles zu überwachen und im Griff zu haben. In drei Jahren hat er dreimal die Qualifikation und zweimal die Meisterschaft gewonnen.
Aber sein Vorgänger kam erst kurz vor Beginn des Eistrainings nach Bern. Ich muss nochmals den Ernst der Situation betonen. Wir geben beim SCB nur das Geld aus, das wir einnehmen. Das Geld, das nun für die Saisonabis hereinkommt, gehört uns erst, wenn wir dazu in der Lage sind, eine Gegenleistung zu erbringen. Wir können es uns ganz einfach nicht leisten, jetzt schon einen Trainer und einen oder zwei weitere Ausländer unter Vertrag zu nehmen und zu bezahlen. Wir brauchen einen Trainer beim Start zum Eistraining. Wir haben zurzeit drei Ausländer unter Vertrag und wir wollen beim ersten Meisterschaftsspiel vier ausländische Spieler einsetzen.

Eigentlich sollten es fünf Ausländer sein. Tomi Karhunen ist ja Goalie und wenn Philip Wüthrich im Tor steht, sollten Sie vier ausländische Feldspieler zur Verfügung haben.
Es wäre schön, wenn wir uns fünf Ausländer leisten könnten. Das ist zurzeit noch nicht der Fall. Wenn sich die Lage normalisiert hat, können wir auch im Oktober oder November einen fünften Ausländer verpflichten.

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS FLORENCE SCHELLING SPORTCHEFIN BEIM SC BERN WIRD --- Florence Schelling, ehemalige Schweizer Eishockey-Nationaltorhueterin, in ihrer neuen Funktion als Assistant Coach beim Spiel der Schweizer Damen U18 Eishockey Nationalmannschaft gegen Russland, aufgenommen am Donnerstag, 23. August 2018, in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Spätestens Ende Juni soll SCB-Sportchefin Florence Schelling den neuen Trainer vorstellen. Bild: KEYSTONE

Wenn der neue Trainer Anfang Juli seine Arbeit mit dem Eistraining aufnehmen soll, dann werden Sie bald wissen, wer es sein wird.
Das ist so. Bis Ende Juni wird der Trainer bekannt sein.

Sie waren mit Kari Jalonens Nachfolger Hans Kossmann sehr zufrieden. Er kostet auch nicht soooo viel und weiss, wie man Meisterschaften gewinnt. Er wäre eigentlich in diesen schwierigen Zeiten ein logischer und günstiger SCB-Trainer.
Ich sage zur Trainerfrage nichts.

Aber Sie bestimmen den neuen Trainer?
In unserer Sportabteilung arbeiten sehr gute Leute, sie werden Vorschläge ausarbeiten und der Verwaltungsrat wird in der Trainerfrage entscheiden.

Haben Sie schon Vorschläge bekommen?
Ich sage nichts zur Trainerfrage.

Wie steht es an der Sponsorenfront?
Wir haben für nächste Saison 95 Prozent der Werbung verkauft.

Sind alle auch dazu in der Lage, diese Werbung zu bezahlen?
Das können wir noch nicht sagen. Auch unsere Geschäftspartner leiden unter der Krise. Wenn uns ein langjähriger Partner sagt, er sei aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht dazu in der Lage, zu zahlen, dann werden wir im Gespräch eine Lösung finden.

Haben Sie schon Signale in dieser Richtung bekommen?
Nein.

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