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Les spectateurs observent le match du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le Geneve-Servette HC, GSHC, ce mardi 24 septembre 2019 a la patinoire de la Vaudoise Arena a Lausanne. L'inauguration de la patinoire de la Vaudoise Arena, exploitee par le centre sportif de Malley, CSM, se deroule ce soir. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Siehst du die Servette-Fans im Lausanner Stadion? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Stehplätze für Gästefans – ein Relikt aus der «Belle Epoque» wird verschwinden

Grosse Aufregung, weil im neuen Hockey-Tempel in Lausanne der Gästesektor nur rund 180 Plätze gross ist. Aber das ist die neue Zeit. Der Gästesektor ist ein Kostenfaktor und wird in absehbarer Zeit ganz aus den Stadien verschwinden.



Zu den Besonderheiten unserer Hockey-Kultur gehören die Stehplätze für Gästefans. Sie sind ein Teil der ganz besonderen Stimmung in unseren Stadien, die wahrscheinlich weltweit die beste ist. Weil in keinem anderen wichtigen Hockeyland der Welt die Distanzen so kurz sind, ist es bei uns einfacher möglich, Auswärtspartien zu besuchen als in Skandinavien oder Nordamerika.

Aber Gäste-Stehplatzfans kosten. Das ist eine ganz nüchterne Feststellung. Keine Polemik. Die gesetzlichen Grundlagen haben sich in den letzten Jahren verändert.

So sieht das neue Stadion des HC Lausanne aus

Stark vereinfacht gesagt: Die Klubs werden für die Sicherheitskosten rund um ein Spiel vom Staat nach dem Verursacher-Prinzip zur Kasse gebeten. Je mehr Polizisten im Einsatz stehen, desto höher sind diese Kosten. Sie sind heute schon für eine ganze Saison sechsstellig.

Wie viel Polizisten eingesetzt werden, kann nicht der Klub entscheiden. Wie viele Sicherheitskräfte die Sicherheitslage erfordert (und damit wie hoch die Kosten sind), entscheiden die Verantwortlichen der Polizei. Was grundsätzlich richtig ist. Weil die Sicherheit und nicht die Kosten oberste Priorität haben müssen.

Eine weitere, ganz nüchterne Feststellung. Keine Polemik: Je weniger Gästefans zum Spiel kommen, desto geringer das Konfliktpotenzial, desto kleiner das Sicherheitsrisiko rund ums Stadion herum, desto weniger Probleme, desto geringer die Kosten.

«Die Gästefans gehören zu unserer Eishockeykultur.»

Marc Lüthi, CEO SC Bern

Der Kostendruck wird immer grösser. Also suchen die Klubs nach Möglichkeiten, die Ausgaben zu verringern.

Ein Gesamtueberblick in die neue Eishalle aus den Zuschauerraengen waehrend dem 1. Spiel in der neuen Tissot-Arena, zwischen dem EHC Biel und dem HC Lausanne, am Dienstag, 1. September 2015, in der Tissot-Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die Tissot Arena in Biel wurde noch mit einem grosszügigen Gästesektor ausgestattet. Bild: KEYSTONE

Noch eine ganz nüchterne Feststellung. Keine Polemik: Das Beispiel von Lausanne wird Schule machen. Mehr noch: um die Sicherheitskosten zu senken, wird es in absehbarer Zeit in den meisten Stadien keine Stehplatz-Sektoren mehr für die Gästefans geben wie wir sie heute kennen und wie sie heute zu unserer Hockeykultur gehören. Wer auswärts seine Mannschaft sehen und unterstützen will, muss ein Sitzplatzticket kaufen.

Marc Lüthi, SCB-Manager und -Mitbesitzer, schliesst das unter den heute gegebenen Umständen aus: «Die Gästefans gehören zu unserer Eishockeykultur.»

Der SCB hat die höchsten Zuschauerzahlen ausserhalb der NHL und lebt wie kein anderes Hockeyunternehmen von den im Stadion anwesenden Kunden. Eine Hege und Pflege der ganz besonderen Stimmung, ein hoher Erlebniswert der Spiele ist von zentraler Bedeutung. Sonst wird es nicht möglich sein, den 17'000-Plätze-Tempel mit der grössten Stehrampe der Hockeywelt zu mehr als 90 Prozent zu füllen. Da gehört der Gäste-Stehplatzsektor dazu.

Aber die neuen, modernen und bequemeren Stadien sind eigentlich nur noch für Sitzplätze konzipiert. Die Stehplätze für die eigenen Fans passen noch rein und werden bleiben. Weil die Stehplätze für die Gästefans abgetrennt werden müssen, sind zusätzliche (und teure) bauliche Massnahmen vorgeschrieben (der Gästesektor muss auch einen separaten Eingang haben). Und dazu kommen bei jedem Spiel Sicherheitskosten, die auch dann hoch sind, wenn nur wenige Gästefans kommen. Die Anzahl Gästefans wird sowieso immer kleiner. Hier spielt es wohl eine Rolle, dass jedes Spiel live am Bezahl-TV übertragen wird.

Die Rechnung ist einfach: Die Kosten im Zusammenhang mit den Gäste-Stehplätzen sind höher als die Einnahmen. Ein Geschäftszweig, der rote Zahlen schreibt, wird geschlossen.

In einem ersten Schritt ist in den neuen Stadien (Zug, Lausanne) der Gästefansektor klein. In einem nächsten Schritt werden die Klubs bereits in absehbarer Zeit dazu übergehen, den Stehplatzsektor für die Gästefans zu schliessen und den gewonnenen Platz für Sitzplätze umnutzen.

Was passiert, wenn es tatsächlich soweit kommen sollte? Gar nichts. Es wird ein bisschen organisierten Lärm und aufgeregtes Schnattern in den sozialen und sonstigen Medien geben, hin und wieder eine Protestaktion, vorzugsweise mit Plakaten im Schwenkbereich der TV-Kameras. Wenn die Klubmanager cool bleiben und diese Proteste ignorieren, wird sich die Situation beruhigen und wir werden nur noch in Bern einen Stehplatz-Sektor für Gästefans haben. Wer auswärts zum Spiel geht, muss ein Sitzplatzticket kaufen.

Die 32 Stadien der 31 NHL-Teams

Ist das ein Problem? Nein. Die Spiele werden dann zwar nicht mehr ganz so stimmungsvoll sein. Aber deswegen wird nicht ein einziger gut zahlender Sitzplatz-Kunde weniger ins Stadion kommen. Wenn es noch weniger Sicherheitsprobleme und –Kosten gibt, weniger Polizei rund um die Stadien, dann gewinnt unser Eishockey auf der ganzen Linie.

Das Hockeygeschäft konzentriert sich mehr und mehr auf den Sitzplatz-Kunden, der mehr für den Eintritt bezahlt, rund ums Spiel mehr konsumiert und weniger Sicherheitskosten verursacht. So ist es in Nordamerika und in allen grossen Profi-Ligen und so wird es in absehbarer Zeit auch bei uns sein.

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Wer dereinst die «Belle Epoque» noch einmal erleben will, von der die Väter so schön erzählen, pilgert dann einmal oder zweimal pro Saison nach Bern, wo es in einem «Ballenberg des Eishockeys» noch das letzte Stadion mit einem Gäste-Stehplatzsektor gibt. Marc Lüthi wird dieses besondere Erlebnis schon zu vermarkten wissen.

Er kann auch «Museums-Manager.»

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