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Feb 15, 2016; Calgary, Alberta, CAN; Calgary Flames goalie Joni Ortio (37) replaces Calgary Flames goalie Jonas Hiller (not pictured) during the second period against the Anaheim Ducks at Scotiabank Saddledome. Mandatory Credit: Sergei Belski-USA TODAY Sports

Für die Calgary Flames bestritt Ortio in drei Saisons 37 NHL-Spiele. Bild: usa today sports

Eismeister Zaugg

Der ZSC-Schachzug, der den Titelkampf gegen den SCB entscheiden kann

Die ZSC Lions haben den finnischen Nationaltorhüter Joni Ortio verpflichtet. Ein Transfer-Schachzug, den eigentlich SCB-Sportchef Alex Chatelain hätte machen müssen.



«Gouverner, c'est prévoir», sagte der französische Verleger und Politiker Emile de Girardin schon vor bald 200 Jahren. Er meinte damit, regieren (und managen) bedeutet vorausschauen.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger sass am letzten Samstag in Zug auf der Tribüne. Er sah, wie der SCB auch wegen miserabler Torhüterleistung verlor. Er sah, dass der finnische Verteidiger Miika Koivisto so schwach spielte, dass er, wenn er Schweizer wäre und Michael Kocher hiesse, von Kari Jalonen nicht mehr eingesetzt würde.

Berns Miika Koivisto, fotografiert waehrend dem ersten offiziellen Eistraining der Saison 2019/20, am Montag, 5. August 2019, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SCB-Verteidiger Michael Kocher Miika Koivisto ist bislang eine Enttäuschung. Bild: KEYSTONE

Seit Saisonbeginn trainiert Joni Ortio mit den ZSC Lions. Der finnische Nationalgoalie hat in der KHL trotz starken Leistungen in der letzten Saison keinen Vertrag mehr bekommen.

Leuenberger: «Das ist eine bösartige Interpretation.»

Welch ein Zufall: Kaum hat Leuenberger die Schwachstellen beim SCB erkannt, nimmt er Ortio unter Vertrag. Und verhindert so, dass der SCB seine grössten sportlichen Probleme mit der Verpflichtung des finnischen Torhüters lösen kann. Ganz nach dem Motto: «Gouverner, c'est prévoir.» Diese vorausschauende Verpflichtung von Joni Ortio könnte sich noch als ein Schachzug erweisen, der die Meisterschaft gegen den SCB entscheidet.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger an einer Medienkonferenz in Zuerich am Dienstag, 5. Maerz 2019. Die ZSC Lions verlieren das letzte Qualifikationsspiel gegen Genf mit 2:3 und verpassen damit erstmals seit 2006 die Playoffs. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Sven Leuenberger, der Sportchef der ZSC Lions. Bild: KEYSTONE

«Das ist eine bösartige Interpretation», sagt Sven Leuenberger. «Bei dem Entscheid spielt der SCB überhaupt keine Rolle. Wir brauchen einen starken zweiten Torhüter zur Absicherung, wenn Lukas Flüeler ausfallen sollte und auch, um unsere Nummer 1 entlasten zu können. Lukas Flüeler kann nicht alle 50 Partien bestreiten.»

Ortio bleibt bis Saisonende bei den ZSC Lions. Er hat keinerlei Ausstiegsoptionen und Leuenberger sagt, es sei nicht vorgesehen, den Finnen bei den GCK Lions einzusetzen oder zwischendurch leihweise einem anderen Klub zu überlassen. Ortio sei auch nicht teuer. Ausländische Torhüter seien nach der Weihnachtspause erstens schwieriger zu finden und zweitens teurer, weil dann viele Spitzenklubs zur Absicherung einen zusätzlichen Goalie suchen.

Berns Erfahrung mit Hexern aus dem Ausland

Weiter führt der ZSC-Sportchef aus, es habe kein Feilschen um das Salär gegeben. Es hat offensichtlich keine anderen Interessenten gegeben. Berns Trainer Jalonen hatte ja nach der Niederlage in Zug erklärt, man habe noch nicht einmal daran gedacht, einen ausländischen Torhüter zu verpflichten.

Der SCB braucht für eine erfolgreiche Titelverteidiger drei sehr gute und einen guten Ausländer. Zurzeit haben die Berner einen sehr guten (Mark Arcobello), einen recht guten (Andrew Ebbett), einen durchschnittlichen (Jan Mursak) und einen unbrauchbaren Ausländer (Mikko Koivisto).

Berns Goalie Jakub Stepanek jubelt nach dem vierten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions am Donnerstag, 10. Maerz 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Jakub Stepanek hexte den SCB zum Meistertitel. Bild: KEYSTONE

Das ausländische Personal kann in den nächsten Wochen noch in Form kommen und es gibt Argumente für oder gegen die Notwendigkeit eines ausländischen Goalies. So oder so: Einen ausländischen Torhüter haben die Berner zur Absicherung auch schon in früheren Jahren verpflichtet und einmal sogar einen ausländischen Meistergoalie (Jakub Stepanek, 2016).

Lüthi wie eine Löwenmutter

Die übliche SCB-Ausrede, man könne nur das Geld ausgeben, das man einnehme und der gängige Verweis auf die Mäzene (Geldgeber, die keine Gegenleistung einfordern), die den ZSC Lions halt so eine Goalie-Verpflichtung möglich machen, zieht für einmal nicht. In der letzten SCB-Erfolgsrechnung finden wir fast eine Million Franken Abschreibungen. Es ist richtig und lobenswert, dass SCB-Manager Marc Lüthi seine Kasse gegen sportliche Sonderwünsche verteidigt wie die Löwin ihre Jungen. Deshalb ist es ihm gelungen, in diesem Jahrhundert immer schwarze Zahlen zu schreiben. Das ist eine grössere Leistung als alle Meistertitel zusammen.

Der SCB-Manager und -Mitbesitzer hat in den letzten Jahren den Mittelweg zwischen Investitionen und Sparprogramm gefunden. Nun läuft er Gefahr, dass er zu wenig in seine Sportabteilung investiert. Der SCB ist am Ende des Tages ein Sport- und nicht ein Gastrounternehmen.

Aber angesichts der Transfers, die sein Sportchef Alex Chatelain in letzter Zeit so getätigt hat, ist es eigentlich besser, ihm nicht zu viel Geld zu überlassen. Marc Lüthi managt also nach dem Prinzip «gouverner, c'est prévoir». Er ist eben doch der Grösste.

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