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Die Berner Tristan Scherwey, hinten, und Pascal Berger im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Samstag, 24. Januar 2015, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Scherwey und Berger nach der Pleite in Zug. Bild: KEYSTONE

Zwei Niederlagen in Folge

Eismeister Zaugg

So ist der SC Bern zu weich, um Meister zu werden

4:5 in Ambri und 1:2 nach Penaltyschiessen gegen Zug. Für diese zwei vermeidbaren Niederlagen des SC Bern gibt es zwei Gründe. Der erste ist nicht beunruhigend – der zweite aber schon.



Zum ersten Grund für die zwei Niederlagen: Es geht um die Frage der Spielweise, nicht die Taktik. Hat der SC Bern meisterliche Härte? Findet der SCB neben allen spielerischen und taktischen Qualitäten auch jene Härte und jenes Einschüchterungspotenzial, die für einen Titelgewinn unabdingbar sind?

Trainer Guy Boucher hat inzwischen eine auf vier Linien laufende, taktisch sehr gut funktionierende Hockeymaschine zusammengebaut und damit die Tabellenspitze erreicht. Mit Simon Moser, Ryan Gardner und Thomas Rüfenacht hat er eine Formation gefunden, die in den Playoffs noch Schneisen durch die gegnerischen Zonen schlagen wird. Die eine ähnliche Rolle übernehmen kann wie einst das «Jüngste Gericht» («The Legion of Doom») in den 1990er Jahren bei den Philadelphia Flyers. Die Linie mit John LeClair, Eric Lindros und Mikael Renberg.

  In this May 31, 1997 file photo Philadelphia Flyers Eric Lindros roughs up Detroit Red Wings Vladimir Konstantinov during the final minutes of Detroit's 4-2 victory over the Flyers in Game 1 of the Stanley Cup Finals, in Philadelphia.  Lindros returns Thursday night, Nov. 20, 2014, to the Wells Fargo Center when he is inducted into the Flyers Hall of Fame.  (AP Photo/Ron Frehm, File)

Eishockey-Legende: Philadelphias Eric Lindros (rechts) mischt Detroits Wladimir Konstantinow auf. Bild: RON FREHM/AP/KEYSTONE

Das reicht noch nicht für den Titel

In einer beschaulichen Qualifikationspartie überrollen die Berner an einem guten Abend inzwischen fast jeden Gegner, spielen mit den ähnlich strukturierten ZSC Lions auf Augenhöhe und halten selbst das Tempo des HC Davos aus.

Aber genügt das? Dieses Wochenende hat nun gezeigt: Nein, das genügt noch nicht für höchste Ansprüche. Die spielerische und taktische Überlegenheit ist nicht genug. Wenn ein gut organisierter Gegner einen Titanen im Tor hat (wie der EV Zug mit Tobias Stephan) oder Härte ins Spiel bringt (wie Ambri ) – dann gerät der SC Bern ins Wanken.

Die Gegner haben keine Angst vor dem SC Bern

In Ambri symbolisierte SCB-Vorkämpfer Tristan Scherweys blutige Abfuhr im Boxkampf gegen Ambris alten Leitwolf Paolo Duca die 4:5-Niederlage. Und in Bern wagte es Zugs Johan Morant, bereits im ersten Drittel Berns bissigen Finnen Jesse Joensuu nach einem Check zum Faustkampf zu fordern. Es wurde daraus zwar nur ein harmloses kurzes Ringen und Zugs Sportchef Reto Kläy verwahrte sich gegen die Vermutung, sein schlagkräftigster Spieler habe ganz bewusst ein Zeichen gesetzt. «In Bern eine Prügelei anzuzetteln, wäre vermessen.»

Aber es ist, wie es ist. Die Zuger zeigten mit dieser Geste: Wir haben keine Angst vor dem bösen SC Bern. 18 Sekunden vor der zweiten Pause kassiert der SCB genau deshalb das 0:1. Philippe Furrer lässt es zu, dass er von Zugs Topskorer Pierre-Marc Bouchard in den eigenen Torhüter gecheckt wird und lässt den Provokateur ungeschoren davonfahren. Noch im gleichen Spielzug trifft Fabian Sutter, einer der weichsten Center der Liga, zum 0:1. Und wo war eigentlich Tristan Scherwey? Er liess keinen Pulverdampf aufsteigen und spielte sich erst einmal die Ambri-Prügel aus den Gliedern. Seine wahre Zeit kommt in den Playoffs.

23.01.2015; Ambri; Eishockey NLA - HC Ambri-Piotta - SC Bern; Ambri Fans singen die Montanara nach dem Sieg gegen Bern (Michela Locatelli/freshfocus)

Singen «La Montanara»: Ambri-Fans nach dem Sieg gegen Bern. Bild: Michela Locatelli/freshfocus

Goalie Bührer, wieder einmal ein Sorgenkind

Selbst für diesen neuen SC Bern ist ein Rückstand gegen eine taktisch gefestigte Mannschaft mit einem guten Torhüter wie Zug eine grosse Gefahr – und die Wahrscheinlichkeit, dass der SCB im Halbfinale auf eben dieses Zug trifft, ist nicht gering. Gegen diesen Gegner ist es nicht mehr gelungen, das Spiel in der regulären Spielzeit zu drehen. Die Berner hatten vielmehr Glück, dass sie sich durch die Verlängerung ins Penaltyschiessen retten konnten. Und dort wurden sie geradezu gedemütigt. Lino Martschini, Pierre-Marc Bouchard, Dario Bürgler und Sandro Zangger versenkten den Puck mit einer Coolness sondergleichen im Kasten.

Aber eben: Der SCB wird in den Playoffs im Quadrat härter Rumpeln als zuletzt gegen Zug. Die Umstellung auf eine rauere Spielweise ist kein Problem. Dafür genügt eine Anweisung des Trainers. Der SCB hat die Spieler mit der Postur und der Mentalität für uriges Playoffhockey. So gesehen ist also der erste Grund für die zwei Niederlagen – fehlendes Einschüchterungsvermögen, fehlende Härte – kein Anlass zur Beunruhigung.

Aber der zweite Grund für die zwei Pleiten gibt hingegen Anlass zur Sorge. Zu grosser Sorge. Marco Bührer war weder in Ambri noch gegen Zug ein Meistergoalie. Und diese Schwäche lässt sich nicht einfach durch eine Anweisung des Trainers ändern. Es ist dringend erforderlich, dass Nolan Schaefer für die Playoffs fit wird und Marco Bührer durch Konkurrenz wieder aus dem behaglichen Mittelmass aufscheucht. Sonst gibt es keine Meisterfeier.

Der Zuger Sandro Zangger, links, erzielt das entscheidende Tor im Penaltyschiessen gegen Berns Marco Buehrer, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Samstag, 24. Januar 2015, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Zangger verwertet den entscheidenden Penalty, Bührer ist geschlagen. Bild: KEYSTONE

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