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ARCHIV --- Das leere dunkle Stadion, die Diners Club Arena, in Rapperswil am Freitag, 10. April 2015. Wie die in die NLB abgestiegenen Rapperswil-Jona Lakers am Mittwoch, 24. Juni 2015, bekannt gaben, heisst der Klub neu SC Rapperswil-Jona Lakers. Auch das Logo wurde angepasst. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Gibt es im Herbst wieder Eishockey mit Zuschauern im Stadion? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der Sport profitiert von politischen Fehlern – Hockey-Saisonstart spätestens im Oktober?

Die bange Frage: Wann kehrt die Normalität in den Sportbetrieb zurück und kann die Eishockeymeisterschaft im September mit Zuschauern beginnen? Die Chancen stehen inzwischen nicht schlecht.



Der politische Prozess zur Wiederaufnahme des Sportbetriebes ist im Gange. Ein Gremium «Exit Strategie Sport» wird für den Bundesrat noch vor Mitte Mai einen Plan vorlegen, wie es mit der Wiederaufnahme im Sport weitergehen soll.

Diesen Plan erarbeiten Vertreter aus dem Sport, aus den kantonalen und kommunalen Sportämtern und den entsprechenden Fachstellen des Bundes. Zur Kerngruppe gehören auch Denis Vaucher und Claudius Schäfer, die Ligadirektoren aus dem Fussball und Eishockey.

In normalen Zeiten würde die Erarbeitung eines solchen Planes inklusive politischer Vernehmlassung (Ämterkonsultationen) mindestens ein Jahr dauern. In unseren unruhigen Zeiten wird der Prozess nun in einem Monat «durchgepeitscht».

Meisterschaftsbetrieb frühestens ab September

Die Sportvertreter drängen darauf, dass ab Mai stufenweise und unter Einhaltung der gesundheitlichen Vorsichtsmassnahmen sportliche Aktivitäten in Kleingruppen wieder möglich werden. Gruppentrainings – als Training in Mannschaftsportarten – sollten spätestens ab Juni wieder zugelassen werden.

Wann ein Meisterschaftsbetrieb mit Zuschauern im Stadion wieder stattfinden kann, ist zur Zeit offen. Ab September oder Oktober sollte dies der Fall sein. Vor Ende August ist demzufolge ein normaler Spielbetrieb oder eine Sportveranstaltung mit Zuschauern voraussichtlich unmöglich. Die Fussballmeisterschaft ist nicht mehr zu retten und ein Anlass wie beispielsweise das Tennis Turnier («Swiss Open», 18. bis 26. Juli) in Gstaad nicht möglich.

Die Chancen stehen hingegen gut, dass die nächste Eishockey-Saison wie geplant oder wenigstens fast wie geplant Mitte September beginnen kann. Ein Monat Spielraum bleibt. Spielplangeneral Willi Vögtlin hat bereits einen Plan: wenn die ersten Partien noch nicht gespielt werden können, dann werden die einfach an den Schluss der Saison auf die Termine verlegt, die von den Klubs für die Playoffs bzw. Auf-/Abstiegsspiele reserviert worden sind. So sind keine Spielplanänderungen notwendig und die Klubs müssen dann eben neue Stadionreservierungen für die Playoffs bzw. Auf-/Abstiegsspiele machen. Der internationale Eishockeyverband hat bereits signalisiert, dass es möglich ist, die WM im Mai um eine oder zwei Wochen nach hinten zu schieben.

Klubs verlieren kaum TV-Gelder

Das Eishockey hat den Vorteil, dass die TV-Gelder für die vergangene Saison (rund 35 Millionen) bereits ausbezahlt sind. Bei den nun laufenden Verhandlungen um die Schadensminderung (keine Playoff-Partien) mit dem Rechtehalter UPC («MySports») geht es im Grunde um einen Rabatt für die nächste und übernächste Saison bis zum Ablauf des Vertrages im Frühjahr 2022.

Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass die Klubs bei den TV-Geldern mit einem «blauen Auge» davonkommen. Zwar ist diplomatisches Geschick geboten, damit UPC bei der nächsten Rechtevergabe im Sommer 2022 wenigstens wieder mitbietet. Aber UPC steckt in engen Hosen: der Kabelnetzbetreiber hat es unterlassen, den «Geldverbrennungsofen» MySports (der Jahresverlust wird von Kennern auf mehr als 20 Millionen geschätzt) in eine Tochtergesellschaft auszugliedern. UPC muss also für den TV-Vertrag (rund 35 Millionen pro Saison) geradestehen. Die jährliche Rechtesumme von durchschnittlich etwas mehr als 30 Millionen ist progressiv ausgestaltet – sie steigt also von Jahr zu Jahr. Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab: die Klubs verzichten auf die Mehreinnahmen, die ihnen durch diese Progression in den letzten zwei Jahren zustehen würden. Das kostet jeden einzelnen NL-Klub weniger als 200'000 Franken.

Eine Veränderung der politischen Landschaft und politische Fehler helfen den Sportklubs. So lange Zwangsmassnahmen alle gleich betreffen, werden sie mehr oder willig akzeptiert. Wenn aber diese Zwangsmassnahmen auf ungeschickte Art und Weise gelockert und so Ungerechtigkeiten geschaffen werden, dann regt sich schnell Widerstand – es ist die gleiche Wirkung, wie wenn sich bei einem Staudamm Risse zeigen. Niemand kann beispielsweise nachvollziehen, warum ein Besuch beim Coiffeur mit intensiven Kundenkontakt erlaubt sein soll, aber die Führung eines Cafés oder ein Tennis-Match nicht.

Im Mai verändert sich die politische Landschaft. Das Parlament nimmt seinen Betrieb wieder auf. Die Demokratie kehrt zurück. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben wieder eine Bühne zur Profilierung. Immerhin gibt es die vom SP-Selbstdarsteller Matthias Aebischer präsidierte «Parlamentarische Gruppe Sport» mit insgesamt 142 eingeschriebenen Parlamentarierinnen und Parlamentariern aus dem National- und Ständerat. Der politische Druck auf den Bundesrat, die Zwangsmassnahmen zu lockern, wird massiv steigen. Bald folgt eine Güterabwägung: richten die Zwangsmassnahmen mehr Schaden an als sie Schaden verhindern? Das alles hilft dem Sport.

Niemand kann heute sagen, wie sich die Gesamtlage in den nächsten Monaten verändert. Aber mit dem Wissensstand von heute dürfen wir sagen: die Chancen stehen gut, dass wenigstens die Eishockey-Meisterschaft mit Zuschauern spätestens im Oktober gerade noch rechtzeitig beginnen kann. Gerade noch rechtzeitig um die Klubs vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten.

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