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Die Spieler des HC Davos bedanken sich fuer die Unterstuetzung ihrer Fans nach dem 4-2-Sieg im Eroeffnungsspiel des Spengler-Cups gegen den tschechischen Meister Vsetin am Samstag, 26. Dezember 1998, in Davos. (KEYSTONE/Juerg Mueller)

Feurige Stimmung! Die Mannschaft des HCD in der Saison 1998/99 hatte es in sich. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Heisse Schlussparty! Als die Ausrüstung des Topskorers in der HCD-Kabine brannte

Spätestens im April steigen die legendären Kabinen-Schlusspartys. Bis heute die verrückteste und heisseste gab es im Frühjahr 1999 in Davos. Die Spieler verbrannten die Ausrüstung ihres unbeliebten Topskorers Kai Nurminen.



Kai Nurminen ist eine grosse Nummer. Er weiss, wo das gegnerische Tor steht. Meister und bester Torschütze in der finnischen Liga, WM-Teilnehmer 1996 und 1997. Mit 30 Jahren im besten Alter. In der Qualifikation 1998/99 erzielt er für den HC Davos in 42 Spielen 26 Tore. Und doch ist er in der Mannschaft nicht beliebt.

Die Geschichte geht so. Wenn es drauf angekommen sei, habe der Finne meistens nicht getroffen (kein Skorerpunkt in den Playoffs). Ein dem HCD nahestehender Zöllner soll Arno Del Curto mal gefragt haben, ob er eigentlich wisse, was sein finnischer Stürmer ständig in Italien treibe. Er überquere manchmal noch morgens um 04.00 Uhr die Grenze. Auch an Spieltagen.

TPS Turku's Kai Nurminen, right, tries to score against Sparta Prague's defender Radek Hamr, left, and goalkeeper Petr Prikryl, during the game between TPS Turku vs Sparta Prague, at the Spengler Cup in Davos, Switzerland, Sunday, December 30, 2001. (KEYSTONE/Michele Limina)

Kai Nurminen kehrt doch noch nach Davos zurück: 2001 am Spengler Cup mit Turku. Bild: KEYSTONE

Kai Nurminen mag offensichtlich die Modemetropole Mailand. Er soll Massanzüge geliebt haben. Aber die HCD-Spieler mögen ihren ausländischen Stürmer nicht: zu egoistisch.

Das kümmert die Hockey-Schweiz wenig. Alles blickt im Frühjahr 1999 gebannt ins Tessin. Ambri und Lugano bestreiten zum ersten und bis heute einzigen Mal den Playoff-Final. Lugano wird Meister.

Aber die beste Story liefert der HC Davos. Die Bündner sind noch keine Titanen. Sie scheitern bereits im Viertelfinal gegen Lugano. Die Entscheidung fällt im 6. Spiel in Davos. Der HCD verliert 3:4. Die Saison ist zu Ende. Oder wenigstens fast.

Kai Nurminen hat die Kabine nach dem letzten Spiel bereits verlassen. Auch Reto und Jan von Arx sowie Sandro Rizzi sind schon gegangen. Da machen sich die Spieler unter wohlwollendster Duldung von Cheftrainer Arno Del Curto über Nurminens Ausrüstung her.

Davostrainer Arno Del Curto am Mittwoch den 30. Dezember 1998 beim Spengler Cup Spiel HC Davos gegen Canada Selects in Davos. (KEYSTONE/Juerg Mueller)

Arno Del Curto 1999: Wie war der HCD-Trainer beim «Lagerfeuer» involviert? Bild: KEYSTONE

Später wird erzählt, drei sonst schüchterne und brave Musterprofis hätten ihre Kameraden an hitzigem Engagement und feurigem Eifer noch übertroffen: Ivo Rüthemann, Mark Streit und René Müller. Zuerst zersägen sie die Schlittschuhe. Dann verwünscht die versammelte Mannschaft in einer Zeremonie zwischen Voodoo und Indianertanz Kai Nurminen in die ewigen Hockey-Jagdgründe.

«Falls ich im Juli wiederkomme, wird sowieso alles wieder aufgeräumt sein ...»

Kai Nurminen

Die zerstückelten Schoner und zersägten Schlittschuhe werden am Kabinen-Platz des Finnen zu einem Lagerfeuer aufgeschichtet und angezündet. Oben ein Schild «Go back ...» und unten eines «and never come back». Die Feuermelder sind ausgeschaltet worden.

Bild

So berichtete damals der «Blick». Bild: screenshot smd

Mit einer Wolldecke und gezielten Bierspritzern werden Feuer und Rauchzeichen gesteuert. Gerne hätte man auch die Von-Arx-Brothers und Sandro Rizzi dabeigehabt und versucht deshalb, sie telefonisch zu erreichen. Aber die drei haben ihr Hosentelefon bereits ausgeschaltet und kommen so um die denkwürdige Abschlussparty herum.

Gegen 2.00 Uhr ist das Werk vollbracht, Kai Nurminens Ausrüstung verkohlt, der Frust abgebaut. Als der Finne am nächsten Tag das Zerstörungswerk sieht, soll er nur gelacht haben: «Falls ich im Juli wiederkomme, wird sowieso alles wieder aufgeräumt sein ...»

Er kehrt im Juli nicht zurück. Nach nur einer Saison verlässt er die Schweiz und kehrt wieder nach Finnland zurück. Dort verlebt er noch acht gute Jahre, nur unterbrochen von einem missglückten Nordamerika-Abenteuer (2000/01), das er grösstenteils im Farmteam verbringt (nur 2 NHL-Spiele).

Swiss players Mark Streit (7) and Ivo Ruethemann (32) discuss after losing the Group B Preliminary Round Robin game between Russia and Switzerland at the IIHF 2009 World Championship at the Postfinance-Arena in Bern, Switzerland, April 28, 2009.(KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Mark Streit und Ivo Rüthemann konnten nicht nur neben dem Eis Feuer entfachen. Bild: KEYSTONE

Sollten wir diese wilde Kabinen-Schlussparty als Skandal bezeichnen? Ach was. Es ist die überbordende Energie einer wilden Truppe, die sich anschickt, die Hockey-Welt zu erobern. Rock’n’Roller im guten Sinne. Mark Streit wird eine grandiose NHL-Karriere machen, Ivo Rüthemann beim SCB Kultstatus erlangen und die Davoser stehen am Vorabend ihrer ruhmreichsten Jahre. Sie werden unter Arno Del Curto 2002, 2005, 2007, 2009, 2011 und 2015 die Meisterschaft gewinnen.

Hat sich wirklich alles so zugetragen? Ich habe damals die Geschichte so geschrieben und Arno Del Curto mochte sie weder bestätigen noch dementieren. Auch sonst hat niemand reklamiert.

Heute, mehr als 20 Jahre später, mag er – wie damals – weder bestätigten noch dementieren. Immerhin sagt er jetzt, es sei damals wahrscheinlich schon wild zu- und hergegangen. Aber inzwischen sei die Erinnerung verblasst. Es sei eben schon lange her.

Wo er recht hat, da hat er recht: Das Ganze hat sich ja im letzten Jahrtausend zugetragen.

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