Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08644976 Switzerland head coach Vladimir Petkovic reacts during the UEFA Nations League group stage soccer match between Ukraine and Switzerland in Lviv, Ukraine, 03 September 2020.  EPA/SERGEY DOLZHENKO

Vladimir Petkovic hat gegen die Ukraine ein neues Spielsystem ausprobiert – wie funktioniert es gegen Deutschland? Bild: keystone

Ein bisschen wie die Bayern sein – die Schweizer Nati vor dem Duell mit Deutschland

Das Schweizer Nationalteam entwickelt seinen Stil ohne Kompromisse und mit prominentem Vorbild weiter – kann das wirklich gut gehen?

etienne wuillemin / ch media



Die Schweiz und die Nations League, vielleicht ist das am besten zu vergleichen mit einer Ferienliebe im Sommer. Am Anfang geht alles schnell, die Gefühle sind intensiv, die Zeit soll am liebsten stillstehen, der Abschied tut weh und die Erinnerungen sind schön. Doch dann, wenn es zu einem Wiedersehen im Alltag kommt, ist alles nicht mehr so prickelnd.

2018, bei der ersten Austragung der Nations League flog die Schweiz über ihre Gegner Island und Belgien hinweg. Vor allem das 5:2 gegen den Weltranglistenersten war rauschend, die Nati wurde mit dem Finalturnier belohnt.

Im Juni 2019 war das. Jetzt ist wieder Nations League, trotz Corona, es ist gewöhnungsbedürftig und die Spiele finden ausschliesslich darum statt, weil die Uefa auf die vielen Millionen an TV-Geldern angewiesen ist – und statt eines 6:0 gegen Island verliert die Schweiz in der Ukraine 1:2. Prickelnd ist anders.

abspielen

Die Highlights des Hinspiels. Video: YouTube/SRF Sport

Nun folgt das Heimspiel gegen Deutschland. Es ist, immerhin, ein Spiel gegen eine Weltklasse-Equipe. Ein Spiel, das die Schweiz und ihr Nationaltrainer Vladimir Petkovic aber auch wieder dafür nutzen will, um an ihrem Stil zu feilen.

Probelauf gegen die Ukraine

Eine der wenigen Erkenntnisse aus der Niederlage in der Ukraine ist diese: Die Schweizer Nati probt das Pressing, kompromisslos, manchmal nimmt sie sogar explizit das Risiko in Kauf, ins Verderben zu laufen. Es ist ein Tanz auf schmalem Grat. Aber – und deshalb ist das konsequente Testen eben richtig – diese Art des Fussballs funktioniert nur, wenn das ganze Team die gleichen Gedankengänge hegt. Etwas, das alleine schon wegen der fehlenden regelmässigen Trainings der Nationalteams viel schwieriger zu realisieren ist als auf Klubebene.

Switzerland's Granit Xhaka, left, and Ukraine's Olexandr Zinchenko challenge for the ball during the UEFA Nations League soccer match between Ukraine and Switzerland at the Arena Lviv stadium in Lviv, Ukraine, Thursday, Sept. 3, 2020. (AP Photo/Efrem Lukatsky)

Die lange Pause konnte die Nati um Granit Xhaka gegen die Ukraine nicht kaschieren. Bild: keystone

Man muss sich nicht gleich mit Bayern München vergleichen wollen. Zu imposant sind die Bayern in dieser Coronasaison zu den Titeln in der Bundesliga, des DFB-Pokals und vor allem der Champions League gerauscht.

Aber ein bisschen Bayern soll’s dann doch sein. Und es muss auch noch nicht zwingend schlimm sein, wenn sowohl Trainer Petkovic als auch verschiedene Spieler die «letzte Konsequenz» und den letzten «Willen» in einigen Aktionen noch vermissen. Hauptsache, die Akteure lernen, in welchen ­Situationen es sich tatsächlich lohnt, Risiken einzugehen. ­Spätestens an der EM dürfen Fehler wie in der Ukraine dann nicht mehr passieren.

Und immer wieder die Frage nach Xherdan Shaqiri

Auch die Deutschen dürften am Sonntag offene Räume wohl gnadenlos ausnutzen mit ihren schnellen Stürmern um Leroy Sané oder Timo Werner. Und doch macht es durchaus Sinn, auch den Weltmeister von 2014 früh und heftig unter Druck zu setzen. Denn die umgebaute deutsche Verteidigung um Süle, Can und Rüdiger ist bei weitem nicht so stilsicher wie der Rest der Mannschaft.

Unbeachtet der Schweizer Pressinglust, ein Problem bleibt auch im Jahr 2020: Was tun, wenn die zuweilen ­genialen Einfälle von Xherdan Shaqiri fehlen? Wenn der Gegner kompakt steht, fehlt der Schweiz zu häufig die Kreativität, die es bräuchte, um Chancen zu kreieren.

epa04551092 Swiss forward Xherdan Shaqiri waves to supporters as he leaves the pitch after the UEFA EURO 2016 qualifying soccer match between Switzerland and England at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, 08 September 2014. As media reports Xherdan Shaqiri has signed with Inter Milan with immediate effect.  EPA/PETER KLAUNZER

Was macht die Nati in der Offensive ohne Shaqiri? Bild: EPA/KEYSTONE

Man kann diese Erkenntnis nun langweilig finden. Oder die Diskussionen verfrüht, weil es in diesem Jahr bis anhin nur ein einziges Länderspiel gab. Doch vielleicht würde es sich gleichwohl lohnen, wenn Petkovic einen «Plan B» hätte für Shaqiri. Der wirblige Renato Steffen beispielsweise erfreute sich zuletzt einer tollen Form, er hätte einmal eine echte Chance verdient. Auch Breel Embolo hat in Gladbach hinter den Stürmern schon tolle Auftritte hingelegt, überzeugender jedenfalls als mit der Nati auf der Seite.

Und Shaqiri selbst? Sein letztes Länderspiel datiert vom 9. Juni 2019, Nations League ­Finalturnier gegen England, es scheint eine Ewigkeit her. Die Verletzungen häufen sich. Die Aussichten auf Einsätze in Liverpool werden nicht grösser. Dafür diese Sorge: Eine Nati noch auf Monate hinaus ohne Shaqiri.

Die Erinnerungen an ihn verblassen wie jene an eine Sommerliebe.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die wichtigsten Transfers des Corona-Sommers 2020

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zum Tod von Diego Maradona: Wie die «Hand Gottes» zur Legende wurde

Diego Armando Maradona stirbt im Alter von 60 Jahren. Kein anderer Spieler hat je eine WM so dominiert wie Diego Maradona 1986. Die beiden Treffer gegen England haben ihn nicht nur in Argentinien zum Fussballgott gemacht.

Diego Maradonas Augen waren noch glasig, sagen diejenigen, die ihn an diesem 22. Juni 1986 in der Kabine haben sitzen sehen. Sein Lächeln sei steinern gewesen. Er war sich bewusst, dass er mit seinem Tor zum 2:0 gegen England einen Akt sublimer Kunst vollbracht hatte. Sublime Kunst bedeutet, etwas Grosses, Überwältigendes, das nur mit dem Gespür für das Aussergewöhnliche überhaupt verstanden und nicht wiederholt werden kann.

Das war sein sublimes Kunststück: Er startete in der eigenen …

Artikel lesen
Link zum Artikel