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Le president du FC Sion Christian Constantin, lors de la rencontre de football de Super League entre le FC Sion et le Servette FC le samedi 26 octobre 2019 au stade de Tourbillon a Sion. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Sion-Präsident Christian Constantin schaut mit Sorgenfalten in die Zukunft. Bild: KEYSTONE

Froh über die Hilfe – dennoch verzichten Schweizer Profiklubs vorerst auf Staatshilfe



Der Schweizer Profi-Sport erhält vom Bund die geforderte finanzielle Unterstützung. Den Fussball- und Hockeyklubs der obersten Ligen will der Bundesrat Darlehen bis 350 Millionen Franken gewähren. SFL-CEO Claudius Schäfer und Hockey-Ligadirektor Denis Vaucher geben sich erfreut: «Es ist eine wichtige Botschaft von der Politik an den Sport», betont Schäfer, durch die möglichen Darlehen habe die derzeitige Situation «weniger Sprengkraft».

Doch wer wird überhaupt von den Bundes-Darlehen, die an harte Bedingungen wie eine 20-prozentige Lohnreduktion in drei Jahren geknüpft sind, Gebrauch machen? Die meisten Super-League-Klubs winken derzeit noch ab.

«Finanzielle Hilfe ist bei uns aktuell nicht dringend», erklärt Thun-Präsident Markus Lüthi gegenüber dem SRF. «Es wird dann akut, wenn wir den Spielbetrieb unter reduzierten Bedingungen wieder aufnehmen – ohne Zuschauer. Wenn die Kosten wieder aufwärts gehen, sind wir auf finanzielle Hilfe angewiesen.» Es sei dann zwar schon ein Risiko, ein Darlehen aufzunehmen, besonders wenn man nicht wisse, wie sich die Situation entwickeln werde, aber «sonst heisst es Lichterlöschen, weil man kein Geld mehr hat. Da nimmt man notfalls ein Darlehen auf.»

Markus Luethi, Praesident vom Fussball Super League Club FC Thun, stellt an einer Medienkonferenz den neuen Investor Pacific Media Group aus Neuseeland vor, am Dienstag, 26. November 2019, in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Thun-Präsident Markus Lüthi braucht erst finanzielle Hilfe, wenn länger ohne Zuschauer gespielt wird. Bild: KEYSTONE

Die Angst vor der Rückzahlung

Xamax-Besitzer Jeff Collet nahm die Neuigkeit ebenfalls erfreut zur Kenntnis. «Es ist eine gute Sache. Jede Hilfe ist willkommen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es ein Darlehen ist, das zurückbezahlt werden muss. Damit das möglich ist, müssen die Einnahmen erhöht werden.»

Collet selber denkt, dass sein Klub durchkommt, wenn es keine Geisterspiele gibt. «Wenn wir die Saison mit Geisterspielen zu Ende spielen, benötigt Xamax Hilfe.» Die geforderte Lohnreduktion sieht Collet als kleines Problem: «Die Saläre werden in der aktuellen Situation wohl ganz von alleine sinken.»

Ähnlich tönt es beim FC Lugano: «Die Darlehen des Bundesrats sind Sauerstoff für die Vereine», sagt Präsident Angelo Renzetti im «Blick». «Falls die Saison unter Ausschluss der Öffentlichkeit beendet wird, dürften auch wir einen Antrag auf ein Darlehen stellen. Aber dieser Entscheid ist noch nicht gefallen.»

Sion-Boss Christian Constantin freut sich vor allem über die Lohnreduktion um 20 Prozent. «Wir haben nun die Verpflichtung, den Betrieb so schlank wie möglich zu halten, weil wir derzeit schlicht keine Einnahmen haben.» An ein Darlehen denkt auch er momentan nicht: «Mit der Kurzarbeit haben wir derzeit ein Mittel, mit welchem der Staat uns mit ‹A-fonds-perdu›-Beiträgen hilft. Ein Kredit ist rückzahlbar. Dazu muss man Gewinn machen. Doch wir sind in einer Branche, in welcher alle glücklich sind, wenn sie keine Verluste einfahren.»

Christian Constantin, President of FC Sion, looks his players during the warm-up, prior the Super League soccer match of Swiss Championship between FC Sion and Neuchatel Xamax FCS, at the Stade de Tourbillon stadium, in Sion, Switzerland, Saturday, February 15, 2020. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Für «CC» ist klar: Lieber Kurzarbeit statt ein Darlehen. Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat hat die erste Tranche der Darlehen in Höhe von 175 Millionen Franken erst für Ertragsausfälle im zweiten Halbjahr 2020 vorgesehen und die zweite Tranche in Aussicht gestellt für den Fall, dass auch in der Folge der Spielbetrieb nur eingeschränkt möglich ist. «Wir gehen aber momentan davon aus, dass die nächste Saison mit Zuschauern beginnt», sagte Schäfer.

Challenge-Ligist GC ist dank der neuen Investoren aus China auch im Fall von Geisterspielen nicht auf die neuen Bundesgelder angewiesen. «Stand heute nicht», erklärte Präsident Andras Gurovits gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Wir brauchen das Darlehen nicht. Wir sind diese Saison gesichert und die folgenden auch, weil wir das Glück einer sauberen Rechnung haben.»

Am Zeitplan der Swiss Football League ändert das Hilfspaket nichts. An der am 29. Mai angesetzten Generalversammlung soll entschieden werden, ob die Saison mit Geisterspielen fortgesetzt wird. Der Bundesrat hat in Aussicht gestellt, den Spielbetrieb in den beiden höchsten Ligen unter Einhaltung eines von der Liga erarbeiteten Schutzkonzepts ab dem 8. Juni wieder zuzulassen.

«Das Kopfweh wird nur verschoben»

Auch im Schweizer Hockey freut man sich über die Unterstützung des Bundes, doch auch hier herrscht Unsicherheit. Die grosse Frage: Wie sollen die Darlehen dereinst zurückbezahlt werden? Liga-Direktor Denis Vaucher bezeichnet die Konditionen für die Rückzahlung als «sehr hart» und gibt zu bedenken: «Wir müssen aufpassen, dass Klubs, die dank der Gelder kurzfristig überleben, dann nicht mittelfristig zu Boden gehen.»

Langnau-Präsident Peter Jakob gibt sich denn auch skeptisch: «Mit dieser Massnahme wird nur das Kopfweh verschoben. Es tönt gut, aber bringt effektiv nicht viel», sagte er dem «Tages-Anzeiger». «Wollen wir Ende nächster Saison vier Millionen Franken Schulden haben? Wie sollten wir das je zurückzahlen können?» Tigers-Geschäftsführer Peter Müller fügt an: «Ein Darlehen kann nicht das Ziel sein. Es wäre vielleicht ein letztes Aufbäumen. Aber klar: Es ist gut, gibt es ein Sicherheitsnetz, sollte es noch schlimmer kommen, als alle befürchten.»

Peter Jakob, Verwaltungsratspraesident der SCL Tigers, waehrend der Vorsaison-Pressekonferenz, am Sonntag, 6. September 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Langnau-Präsident Peter Jakob hätte am liebsten gar kein Kopfweh. Bild: KEYSTONE

Mit dem Hilfspaket des Bundes kann dem Hockey auf Dauer nicht geholfen werden, falls länger nur Geisterspiele durchgeführt werden können, glaubt SCB-Boss Marc Lüthi. «Spielen wir längerfristig ohne Zuschauer, kannst du mit 20 Prozent Einsparungen bei den Spielerlöhnen nichts anfangen. Dann müssten wir das ganze System infrage stellen und Wege finden, dass jeder zweimal kleinere Brötchen bäckt.»

Es sei gut, gäbe es nun ein Auffangnetz. Im Worst-Case-Szenario, «also wenn sich die Situation im Herbst noch immer unverändert präsentiert», müsste man sicher ein Darlehen in Anspruch nehmen, sagt Lüthi. «Im Moment ist aber alles Kaffeesatzlesen.» (pre/sda)

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