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epa07849333 Dortmund's head coach Lucien Favre reacts during the UEFA Champions League group F soccer match between Borussia Dortmund and FC Barcelona in Dortmund, Germany, 17 September 2019.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL

«Ich weiss, wie es läuft»: Lucien Favre spürt die Kritik. Bild: EPA

Lucien Favre auf Prozentsuche: «Ich habe keine Wahl»

Vor dem Wiedersehen mit Gladbach steht der Dortmund-Trainer unter Druck. Ändern will er sich nicht.

thomas nowag / schweiz am wochenende



Lucien Favre knetete angestrengt seine Finger, seine Botschaft sprach er laut und klar. «Wir wollen unbedingt, unbedingt gewinnen», sagte er mit viel Nachdruck. Erst danach kehrte vor dem Wiedersehen mit dem Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach sein freundliches Lächeln zurück.

Die Diskussionen, die Kritik, die leidige Mentalitätsdebatte nach einer Serie enttäuschender Spiele hat der Trainer von Borussia Dortmund selbstverständlich mitbekommen. Aber was hilfts? «Ich habe keine Wahl», sagte der Schweizer. «Ich weiss, wie es geht. Ich bin schon sehr lange in der Branche. Das ist leider so, heutzutage.» Und dann, kämpferisch: «Aber ich mache weiter.»

Dortmund wird in 21 Tagen förmlich überrollt

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm jedenfalls nicht – denn es folgt eine gewaltige «Ballung von Topspielen», wie BVB-Sportdirektor Michael Zorc das Hammerprogramm am Donnerstag nannte. Gladbach, Inter Mailand, das Derby auf Schalke, erneut Gladbach im Pokal, Wolfsburg, wieder Inter, das Spiel beim FC Bayern – der BVB wird innerhalb von 21 Tagen förmlich überrollt. «Von Spiel zu Spiel!», sagte Favre lachend.

Umso wichtiger wird es sein, seinen Spielern eindringlichst zu vermitteln, was jüngst schon Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gefordert hatte: Siege schlagen Zauberei. Drecksarbeit geht vor Schönspielerei. «Langfristig musst du gut spielen», betonte Favre, der von seiner Philosophie nicht abrücken will, «aber manchmal müssen wir realistischer sein.»

Die Realität traf den BVB zuletzt sehr hart. Dreimal in Serie hat Dortmund in der Liga 2:2 gespielt; in der Rechnung eines Titelanwärters, der den Anspruch erhebt, Meister zu werden, sind das sechs verlorene Punkte. Dreimal verspielte der BVB eine Führung, zweimal durch ein Eigentor. «Es lief auch vieles sehr unglücklich», sagte Zorc bei der Analyse nachsichtig.

Dennoch haben Sportdirektor und Trainer, sie hatten sich vorher wohl abgesprochen, eine gewisse Schludrigkeit ausgemacht. «Fünf bis zehn Prozent» hätten zuletzt häufig gefehlt, «nicht viel», wie Favre betonte, aber eben der Unterschied zwischen einem Unentschieden und einem Sieg, zwischen einem Punkt und deren drei. Zorc forderte sie ebenfalls ein, diese «fünf, sieben, zehn Prozent Konzentration und Konsequenz. Da waren wir zuletzt nicht immer top».

Unterstützung erhält Favre von seinem Schweizer Goalie. Roman Bürki sagt: «Wir sind ein Team – es liegt an uns Spielern, gemeinsam da rauszukommen.» Mit Bürki und Manuel Akanji werden sich am Samstag zwei Schweizer gegen die Krise stemmen. Auf der Gegenseite werden bei Gladbach aber vier Schweizer etwas dagegen haben: Goalie Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria und Breel Embolo.

epa07862020 Dortmund's goalkeeper Roman Buerki (L) reacts during the German Bundesliga soccer match between Eintracht Frankfurt and Borussia Dortmund in Frankfurt Main, Germany, 22 September 2019.  EPA/ARMANDO BABANI CONDITIONS - ATTENTION: The DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video

Dortmund gegen Gladbach ist auch ... Bild: EPA

epa07854630 Moenchengladbach's goalkeeper Yann Sommer reacts during the UEFA Europa League group J soccer match between Borussia Moenchengladbach and Wolfsberger AC in Moenchengladbach, Germany, 19 September 2019.  EPA/SASCHA STEINBACH

... das Duell der beiden besten Schweizer Torhüter. Bild: EPA

Gladbachs Trainer Marco Rose, so sagt er es zumindest, womöglich aus taktischer Erwägung, kann beim Rivalen «keine Krise» erkennen. «Sie hätten alle ihre Spiele auch gewinnen können», sagte er. Allerdings ist es ja genau das, was den Gegner so quält – auch Lucien Favre.

Gladbach will nicht vom Titel sprechen

Das Spiel zuletzt beim SC Freiburg (es endete durch ein spätes Gegentor 2:2) hat sich der BVB-Coach noch einmal in Gänze angetan und eine Erkenntnis gewonnen. «Es war Platz für mehr Tore von uns», sagte er. Beruhigend. Nur: Sie wurden nicht erzielt. Auch deshalb sind an der Tabelle derzeit sieben Plätze und vier Punkte Differenz zur anderen Borussia abzulesen.

Diese wiederum ist bemüht, den Ball flach zu halten: «Wir haben ein paar Dinge richtig gemacht, das sollte uns ein gutes Gefühl geben», sagte Rose. Sportdirektor Max Eberl sieht nach sieben Spieltagen ohnehin keinen Trend. «In der vergangenen Saison hatten die Bayern auch ihre Herbstkrise», betonte er.

Und sie kamen zurück – zum Leidwesen von Lucien Favre und dem BVB.

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