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Kristina Mladenovic, of France, returns a shot to Varvara Gracheva, of Russia, during the second round of the US Open tennis championships, Wednesday, Sept. 2, 2020, in New York. (AP Photo/Seth Wenig)

Mladenovic fühlte sich beim US Open wie eine «Gefangene». Bild: keystone

Kontroversen in der Tennis-Bubble: «Hätte ich das gewusst, hätte ich niemals teilgenommen»

Die einen wähnen sich in einem Hochsicherheitstrakt, einer nennt es eine «Fake Bubble» und andere wiederum fühlen sich wohl. Die Sicherheits- und Hygienevorschriften in der Tennis-Blase von Flushing Meadows sorgen für Kontroverse. Einige bezahlen einen hohen Preis.



Kristina Mladenovic hielt mit ihrer Meinung nicht zurück. «Ich erlebe einen Albtraum», sagte die 27-Jährige am Mittwochabend unter Tränen. Der Frust sass tief bei der Französin. Gerade hatte sie in ihrem Zweitrunden-Spiel gegen die Russin Warwara Gratschewa eine 6:0, 5:1-Führung aus der Hand gegeben und verloren. Ein Albtraum für jede Tennisspielerin, tatsächlich.

Doch ihre Aussage bezog sich nicht auf die Niederlage, sondern auf ihr Leben in der Blase von Flushing Meadows. Nach dem positiven Coronatest von Benoît Paire und den weitreichenden Konsequenzen für Personen, die Kontakt zum Franzosen hatten, wurde die Kritik am organisierenden amerikanischen Tennisverband (USTA) lauter.

Bekanntlich gelten für die Teilnehmer am US Open wegen des Coronavirus strenge Vorschriften. Der Tross befindet sich in einer Art Blase, die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, mehr als Hotel, Transport und Anlage geht nicht. Es gibt regelmässige Tests, ist man positiv oder war in Kontakt mit einer infizierten Person, wird man zusätzlich isoliert.

Es sei «mega komisch», sagte Stefanie Vögele vor ihrem Aus gegen Maria Sakkari, «aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt». Auch Jil Teichmann, die ebenfalls in der 1. Runde gescheitert ist, arrangierte sich mit den Gegebenheiten, ohne die eine Durchführung des US Open nicht möglich wäre: «Man akzeptiert es, weil es wichtig für die Sicherheit von uns allen ist und wir dadurch arbeiten können.»

«Man fühlt sich wie eine Gefangene»

Für Kristina Mladenovic entwickelte sich das Ganze jedoch zu einem Albtraum. «Es ist abscheulich, wie sie uns behandeln. Hätte ich das gewusst, hätte ich niemals teilgenommen», klagte die Weltnummer 3 im Doppel. Ihre Worte sollen keine Ausrede für die Niederlage sein, betonte Mladenovic, aber: «Man fühlt sich wie eine Gefangene, wie eine Kriminelle.» Sie müssten bei jeder Bewegung eine Erlaubnis einholen, «obwohl wir mittlerweile insgesamt 39 negative Tests hatten. Die Bedingungen sind einfach nur grässlich.»

Grégoire Barrère hingegen, ein weiterer Franzose, der Kontakt zu Paire hatte, sah im vermeintlich albtraumhaften Sondersetting durchaus Angenehmes. «Ich habe meinen eigenen Transport sowie meine eigenen Sicherheitsleute, wenn ich zum Training fahre. Und diese sind während eines Spiels bei meinem Coach. Sie haben mich in ein schönes Zimmer gesteckt, das schon beinahe eine Loge ist. Ich habe das Gefühl, ich lebe wie ein Superstar, wie Roger Federer», schilderte der 26-jährige Weltranglisten-93. vor seinem Drittrunden-Match gegen Andrej Rublew am Donnerstagabend die Situation.

Mladenovic und Barrère gehören zu jenen zehn Spielerinnen und Spielern, die nachweislich Kontakt zu Paire hatten und deshalb in eine Blase in der Blase gesteckt wurden. Mladenovic wurde bislang stets negativ getestet und beteuert, beim Kartenspiel mit Landsmann Paire Abstand gehalten und eine Maske getragen zu haben. Bei Paire hatte ein Test vor dem Turnierstart ein positives Ergebnis angezeigt; anstatt das US Open zu bestreiten, sitzt der Franzose auf Long Island eine Quarantäne in seinem Hotelzimmer ab.

French tennis player Gregoire Barrere, right, and courtside trainer Marc Gicquel, left, attend a training session in the French Tennis Federation center near the grounds of the French Open in Paris, Wednesday, May 13, 2020 under the watchful eye of a team doctor. Professional tennis players resumed training in France after the end of lockdown amid the coronavirus pandemic. (AP Photo/Francois Mori)

Gregoire Barrere hatte sich schon im Mai mit dem Coronavirus arrangiert. Bild: AP

Paire hatte laut der Zeitung «L'Equipe» nach seiner Ankunft am 18. August in New York mehrere negative Tests abgelegt. Zweimal fiel das Ergebnis dann positiv aus und laut eigenen Angaben am Montag wieder negativ. Er fühle sich sehr gut und habe keine Symptome, berichtete der 31-Jährige. Auch er ist alles andere begeistert von der Situation. «Ich zögere noch, ob ich erzählen soll, was wirklich passiert in dieser Fake Bubble», schrieb er aus seiner Isolation. Den Instagram-Eintrag hat er inzwischen wieder gelöscht.

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Benoit Paire hat seinen Post wieder gelöscht. bild: Keystone/instagram

Lücken im System

Warum es sich um eine Fake Bubble handeln soll, führte Paire bislang nicht aus. Möglicherweise zielte die Aussage darauf ab, dass die Blase offenbar grössere Lücken aufweist. So sagte Paires Landsmann Adrian Mannarino, dass das installierte System mehr einem überwachten Sicherheitstrakt für die Spieler denn einer Blase gleiche. «Gewisse Personen, die für das Turnier arbeiten, kehren am Abend jeweils nach Hause zurück.»

Der deutsche Doppelspieler Tim Pütz schilderte in einem Podcast, dass sich vor einer Woche während dem ATP-Turnier in New York in einem der beiden besagten Hotels auf Long Island mindestens zur Hälfte auch normale Gäste befunden hätten, dass man mit diesen auch den Lift benutzt habe und dass Partys und Hochzeiten gefeiert worden seien. In eine ähnliche Richtung gingen Aussagen von Noah Rubin in einem anderen Podcast. Was vor sich gehe, sei absurd, meinte der Amerikaner. Paire muss also nicht unbedingt gegen das Protokoll verstossen haben, um einen positiven Test abgelegt zu haben, wie ihm das die USTA nach seiner Kritik unterstellte.

epa08618991 A general view of the Grandstand before the start of the Coco Gauff of the US and Maria Sakkari of Greece match during their first round match at the Western and Southern Open at the USTA National Tennis Center in Flushing Meadows, New York, USA, 22 August 2020. Due to the Coronavirus pandemic, the tournament was relocated to NYC to immediately precede the US Open and to be played without fans.  EPA/JASON SZENES

Das US Open läuft wie erwartet nicht ohne Nebengeräusche ab. Bild: keystone

Guido Pella, der vor einer Woche aus dem nach New York verlegten Turnier von Cincinnati ausgeschlossen wurde, nachdem sein Physiotherapeut positiv getestet worden war, sieht die zehn Spieler aus Paires Kontaktkreis von den Organisatoren noch bevorzugt. «Ich bin traurig, weil ich eine der schlimmsten Ungerechtigkeiten erlebt habe, die ein Sportler erfahren kann», sagte Pella nach seiner Niederlage in der 1. Runde des US Open. Für den Argentinier war der Ausschluss vor einer Woche besonders bitter, weil ein zweiter Test am Physiotherapeuten negativ ausgefallen war, allerdings zu spät. Auf das US Open hin wurde der Passus offenbar entschärft. (pre/sda)

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