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Analyse

Panik an den Börsen: Wie Trump die Bären losgelassen hat

Der Börsencrash geht unvermindert weiter. Der US-Präsident giesst mit einer tollpatschigen Kommunikation Öl ins Feuer.



Die Anzahl der Infizierten und Toten steigt und steigt. Die Weltgesundheitsorganisation ruft eine Pandemie aus. Auch der US-Präsident sieht sich zum Handeln gezwungen und wendet sich mit einer Rede aus dem Oval Office an sein Volk. Die Reaktion ist ernüchternd: Die Futures der wichtigsten Börsenindices Dow Jones und S&P rasseln in den Keller.

Die Futures zeigen die Entwicklung der Börsen am kommenden Tag an. Die Talfahrt der Aktienkurse wird weitergehen. Dabei war der Mittwoch schon schlimm genug. Rund 5 Prozent brachen die Kurse ein.

epa08287867 A view of digital market boards at the Australian Securities Exchange (ASX) in Sydney, Australia, 12 March 2020. The Federal Government's stimulus package failed to lift the share market on Thursday, which slumped by as much as 7.16 percent in the early afternoon.  EPA/STEVEN SAPHORE AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Fallende Kurse, ratlose Händler. Bild: EPA

Damit befinden sich die US-Börsen definitiv in einem Bärenmarkt. Davon sprechen Börsianer, wenn die Kurse 20 Prozent und mehr von ihrem Höchststand entfernt sind.

Die Börsen crashen rund um den Globus. Ob Nikkei oder Dax, ob FTSE 100 oder CAC 40, alle befinden sich im tiefroten Bereich. Auch der SMI wird vom Bären verfolgt: Heute eröffnete die Schweizer Börse panisch mit einem Minus von beinahe sechs Prozent.

Sicher ist das Börsenbeben zunächst eine Folge des Zustands der realen Wirtschaft. Wenn überall auf der Welt Notstände ausgerufen, Läden geschlossen, Events abgesagt und Supply Chains unterbrochen werden, dann hat dies selbstverständlich Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

Wenn jedoch zusätzlich auch noch der Präsident des mächtigsten Landes der Welt von einem Widerspruch zur nächsten Peinlichkeit taumelt, dann wird es kritisch. Weil er nicht anders kann, tut Donald Trump genau dies. So stellt das ihm grundsätzlich freundlich gestimmte «Wall Street Journal» fest:

«Wenn der Präsident eine politische Gefahr sieht, dann sagt ihm sein Instinkt, alles zu leugnen, sich umdrehen und noch härter zurückzuschlagen. In der Politik ist dies oft effektiv. Im Fall des Coronavirus jedoch schränkt es seine Möglichkeiten zum Führen ein.»

Die Reaktionen der Trump-Regierung auf das Coronavirus dürften ins Lehrbuch für spätere Generationen eingehen als Beispiel dafür, wie man es nicht machen soll:

Zuerst hat der Präsident die Gefahr schlicht geleugnet. Ja es gebe vielleicht 15 Fälle, aber die Betroffenen seien de facto schon wieder gesund. Und überhaupt sei die normale Grippe viel schlimmer. Zudem sei das alles – wie die Russlandaffäre und das Impeachment – ein «schlechter Witz» der Demokraten.

Larry Kudlow, Trumps Wirtschaftsberater, rief nach den ersten Börsenbeben dazu auf, die Gelegenheit für Schnäppchen-Zukäufe zu nutzen. Schliesslich habe man alles «luftdicht» abgeschlossen, zumindest «beinahe luftdicht». Auch der Präsident tweetete, die Börsen sähen für ihn «gut» aus.

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Machte sich lächerlich: Larry Kudlow. Video: YouTube/CNBC Television

Selbst in der Krise kann Trump seine absurden Prahlereien nicht lassen. Bei einem Besuch des Center for Disease Control erwähnte er einen Onkel, der ein hervorragender Arzt gewesen sei. Deshalb habe auch er, Donald Trump, «grosses Verständnis» von einer Epidemie.

Dieses erstaunliche Verständnis stellte Trump sogleich unter Beweis, indem er Arbeiter dazu aufforderte, ihren Job zu machen, auch wenn sie sich krank fühlten. Obwohl reihenweise Sportanlässe und andere Events abgesagt werden, weigerte er sich zunächst, auf seine Rallys zu verzichten.

Gleichzeitig schüttelte er nach wie vor Hände wie blöd, auch mit möglicherweise infizierten Personen. Nun muss er fürchten, selbst angesteckt worden zu sein.

Prahlte mit seinem nicht vorhandenen medizinischen Wissen: Donald Trump beim Besuch des Center for Disease Control.

Wenn er seine Meinung änderte, pflegte der legendäre deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer zu sagen: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.» Trump treibt dieses Prinzip auf die Spitze. Gestern warf er das Ruder um 180 Grad herum. Er, der noch im Zusammenhang von Covid-19 von einem «schlechten Witz» sprach, verkündete nun drastische Massnahmen:

Noch vor kurzem fand er einen Acht-Milliarden-Dollar-Notkredit des Parlament überrissen. 2,3 Milliarden Dollar würden reichen, so Trump. Nun verlangt der Präsident 400 Milliarden Dollar.

Grenzen schliesst Trump besonders gerne. Nach den Chinesen dürfen nun auch Europäer vorläufig nicht mehr in die Vereinigten Staaten einreisen, ausser – aus unerfindlichen Gründen – die Briten. Das betreffe nicht nur Menschen, sondern auch Güter, so Trump weiter. Kaum war die Rede ausgestrahlt, kam auch schon das Dementi. Das mit den Gütern treffe so nicht zu, korrigierten die Fachleute des Weissen Hauses ihren Präsidenten.

Kein Wunder beruhigte Trump mit seiner konfusen Ansprache die Märkte in keiner Weise. Im Gegenteil. Edward Luce stellt in der «Financial Times» fest:

«Seine Aktionen werden fast sicherlich den Pessimismus an den Märkten noch verstärken. Zusätzlich zum abkühlenden Effekt auf den transatlantischen Handel hat Trump das Unsicherheits-Risiko erhöht. Im Klartext: Niemand hat die geringste Ahnung, was er als nächstes unternehmen wird.»

Diese Unsicherheit lässt die Börsen crashen. So warnt Philipp Hildebrand, Vizepräsident von Blackrock und Ex-Präsident der Schweizerischen Nationalbank, in einem Interview mit Bloomberg vor einer Krise wie im Herbst 2008 und stellt besorgt die Frage: «Ob wir die US-Führung haben, die wir damals hatten, um das zu schaffen, ist eine grosse Frage.»

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