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epa08451478 General view of Bosque de Laurisilva (Laurel Forest) in Garajonay National Park, La Gomera island, Canary Islands, Spain 28 May 2020 in May 2020 (issued 29 May 2020). As several thousand of residents were confined amid COVID-19 outbreak, the Nature 'took a breath' bringing on the table the need for begining a new post-COVID era thinking green.  EPA/Violeta Mesa ATTENTION: This Image is part of a PHOTO SET

Alte Baumbestände leiden unter dem Druck des Klimawandels, dabei sind sie unter anderem für die Speicherung von CO2 im Boden wertvoll: Garajonay National Park auf La Gomera (Spanien). Bild: keystone

Der Wald der Zukunft beherbergt vor allem kleine Bäume

Waldbrände, Insektenschäden und Dürren setzen den Bäumen im Zuge des Klimawandels stärker und häufiger zu. Ältere Pflanzen sind vom Baumsterben besonders bedroht.



Kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse: So sollen die Wälder Mitteleuropas laut einer neuen Studie künftig aussehen. Das wirkt sich auf das Klima aus. Weniger Biomasse heisst nämlich auch, dass weniger Kohlenstoff im Wald gespeichert wird.

Einerseits setzen Hitze, Trockenheit und Brände den Wäldern in Mitteleuropa immer häufiger zu. Andererseits zeugen Satellitendaten und Langzeitbeobachtungen von einem Ergrünen des Planeten. Nicht zuletzt aufgrund des steigenden Kohlenstoffdioxid-Gehaltes in der Atmosphäre wachsen Wälder heute schneller als noch vor einigen Jahren, wie die Technische Universität München (TUM) am Freitag mitteilte.

Doch die positiven Effekte werden die negativen in Zukunft nicht mehr aufwiegen können. Das zeigt eine Studie unter Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, die am Freitag im Fachmagazin «Science» erschienen ist.

Bluebells, also known as wild Hyacinth, bloom in the Hallerbos forest in Halle, Belgium, Thursday April 16, 2020. Bluebells are particularly associated with ancient woodland where it can dominate the forest floor to produce carpets of violetâ??blue flowers. (AP Photo/Virginia Mayo)

Die Biomasse der mitteleuropäischen Bäume wird in Zukunft vermutlich weiter abnehmen – mit Folgen für Flora, Fauna und die Menschen. Bild: AP

Negative Effekte überwiegen auch in Schweizer Wäldern

Das internationale Wissenschaftlerteam konzentrierte sich in der Literaturstudie auf verschiedene Faktoren, die die Altersstruktur von Wäldern beeinflussen. Dazu gehören Temperatur, der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Atmosphäre, Luftfeuchtigkeit, Dürre, Waldbrände, Windwurf, Schädlinge und Landnutzung.

«Unsere Analysen zeigen, dass wir gerade einen Wechsel von überwiegend positiven Effekten des globalen Wandels hin zu einer Periode der wachsenden Limitierungen für Bäume erleben», sagte Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, in der Mitteilung.

Die WSL-Ökophysiologin Charlotte Grossiord, Co-Autorin der Studie, bestätigte die Einschätzung ihres Kollegen. «Auch im Falle der Schweiz ist das sehr zutreffend», sagte sie zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Beispielhaft würden dies die Hitzesommer 2018 und 2019 zeigen. Die extrem heissen und trockenen Perioden hätten Bäume in der ganzen Schweiz absterben lassen.

FILE - In this June 25, 2004 file photo, Christopher Mock, 24, walks through old-growth forest during an EcoTours of Oregon Day Tours excursion in the Mt. Hood National Forest, Ore. More than 75 scientists are appealing to President Obama to create a policy for preserving old-growth forest. The U.S. and Canadian scientists sent a letter to the president Wednesday June 25, 2014, urging creation of a policy by the U.S. Forest Service. (AP Photo/Rick Bowmer, File)

Die Wälder sind nicht nur Naherholungsgebiete, sondern produzieren auch Sauerstoff, säubern Trinkwasser und speichern Kohlendioxid. Bild: AP/AP

Baumsterben geht weiter

Weil Störungen wie Waldbrände, Insektenschäden, Windwurfereignisse und Dürren im Zuge des Klimawandels stärker und häufiger vorkommen werden, gehe auch das Baumsterben weiter, sagte Seidl in der Mitteilung. Grosse und alte Bäume würden dabei besonders betroffen sein, weil sie etwa dem Wind stärker ausgesetzt seien und es für sie schwieriger sei, ihre Blätter kontinuierlich mit Wasser aus dem Boden zu versorgen.

«Die Veränderungen machen deutlich, dass wir radikale Lösungen brauchen, um unsere Wälder zu schützen»

Charlotte Grossiord, WSL-Ökophysiologin

Unter diesen Entwicklungen sinkt laut den Forschenden die Klimaschutzwirkung des Waldes. Aber auch andere Waldleistungen wie die Filterung von Trinkwasser oder der Schutz vor Naturgefahren wird nicht mehr gewährleistet sein.

«Die Veränderungen machen deutlich, dass wir radikale Lösungen brauchen, um unsere Wälder zu schützen», schloss Grossiord. «Dazu gehört auch und vor allem, unsere Emissionen fossiler Brennstoffe zu reduzieren.» (sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Team Insomnia 30.05.2020 02:10
    Highlight Highlight Wie sollen die Bäume gross werden, wenn sie nach paar Jahren gefällt werden🤔?
  • Quacksalber 29.05.2020 22:09
    Highlight Highlight Würde sagen, wir Europäer sind so gut im abholzen wie die anderen. Nur halt indirekt übers Öl verbrennen.
    • Tagedieb 30.05.2020 00:40
      Highlight Highlight Europa? In Polen, Slowenien, Slowakei und Rumänien wird im Grossen Stil Wald abgeholzt. Und Kareliens Urwald (einer der letzten Europas) wird vermutlich immer noch illegal "genutzt" - (Für Holzpelletts für vermeitlich ökoloigscheres heizen...)

      Und im westlichen Europa gibts ja kaum noch alte Wälder - die wurden längst gerodet. Und das "indirekte" kommt dann noch dazu. (auch noch in Form von Kohle.)
    • Team Insomnia 30.05.2020 11:38
      Highlight Highlight @Tagedieb: In Bosnien hatte Ikea versprochen für jeden gefällten Baum 2 neue zu setzen. Haben sie dann auch gemacht. Aber die Bäume wurden nicht in Bosnien neu gesetzt, sondern irgendwo in Ost-Timbuktu oder so🤷‍♂️. Grossartig, oder?
  • fools garden 29.05.2020 18:21
    Highlight Highlight ...für die Speicherung von co2 im Boden🤔
    Der Baum speichert das co2 im Holz.
    Wenn wir nicht in der Lage sind den Wald zu Erhalten respektive Unterstützen wirds zappenduster.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 30.05.2020 01:24
      Highlight Highlight Der Wald speichert CO2 im Humus. Geht der Wald kaputt, zieht das auch die Böden in Mitleidenschaft. Sie werden weniger aufnahmefähig. Der Extremfall ist dann eine Wüste. Dann wird kein CO2 mehr eingelagert. Dürren und Hitze führen genau dahin.
      Die Wälder sind längst nicht mehr in der Lage, den CO2-Ausstoss der Menschheit zu kompensieren. Auch nicht, wenn man jetzt zahlreich Bäume pflanzen würde. Wenn wir heute den anthropogenen CO2-Ausstoss zu 100% stoppen, dann ist der Effekt des heutigen CO2 erst in über 100 Jahren maximal wirksam. Es wird zappenduster - für die Tierwelt und eure Kinder.
    • crik 30.05.2020 05:14
      Highlight Highlight Du unterliegst einem weit verbreitetem Irrtum. Der Grossteil des CO2 wird im Boden gespeichert, und in alten Wäldern viel mehr als in jungen. Dies führt dazu, dass beim Abholzen eines alten Waldes extrem viel CO2 freigesetzt wird. Selbst wenn du einen Jungwald pflanzt, dauerst es 50-100 Jahre, bis wieder die gleiche Masse CO2 gespeichert ist, obwohl die Bäume viel früher die gleiche Größe erreichen.
    • fools garden 30.05.2020 14:25
      Highlight Highlight Crik, Erdöl und Kohle sind co2 Speicher. Der Sauerstoffgehalt der Erde kommt zum Wesentlichen von deren Anlagen.
      Durch das Verbrennen wird es wieder frei gesetzt. Beim Holz verhält es sich ebenso, allerdings wird beim Verfaulen des Holzes ebensoviel Kohlendioxyd freigesetzt wie beim Verbrennen.
      Beim Abholzen des Waldes wird das unmittelbare Co2 welches z.B. im Laubwerk enthalten freigesetzt, ganz einfach durch verfaulen, dieser Prozess findet allerdings alljährlich auch sonst statt. Wenn wir das Holz verbauen, bleibt der Speicher vorerst erhalten
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cirrum 29.05.2020 17:54
    Highlight Highlight Wer hätte das gedacht... als ob man diese Tatsache nicht schon vor Jahren gesehen hätte.. nur generiert die Ausrottung unserer Natur zu viel fiktives Geld. Die nächsten Generationen tun mir jetzt schon leid.. die Tragen dann Masken mit Filter oder so..
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 30.05.2020 01:30
      Highlight Highlight "die Tragen dann Masken mit Filter oder so..."

      Realistischer: Die tragen dann Anzüge mit Sauerstoffflaschen am Rücken - sofern sie zu jenem einen Prozent gehören, das sich solche Anzüge und den Sauerstoff überhaupt leisten können.
      Die nächsten Generationen liessen sich auch ganz einfach durch gezielten Antinatalismus vermeiden. Dann könnte Fauna und Flora ein artgerechtes Leben in einem natürlichen Gleichgewicht führen.

      Solange es auch nur einen menschenartigen Störenfried gibt, wird das Ökosystem Erde keine Ruhe finden. - Antinatalist.

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